Ulrich Schödlbauer

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Cioran hätte sie bewundert.

Das Leben Josefines, soweit es öffentlich in Betracht kommt, zerfällt in drei Abschnitte. Der erste Abschnitt gehört in die Rubrik ›fehlende Anerkennung‹ und lässt sich am besten rein zeitlich eingrenzen. Wer dafür Zeit und Muße mitbringt, darf hier bereits alle Züge einer Person, die später einmal wichtig werden, in aller Ruhe studieren: angeborene Pfiffigkeit, einen unauffälligen Humor und die Fähigkeit, im Dunkeln zu pfeifen, so dass niemand außer ihr davon Wind bekommt. Dazu jede Menge Fleiß sowie der unbedingte Wille, ihren Weg zu machen, verbunden mit der Bereitschaft, dafür auch einfache Dienste zu verrichten, zum Beispiel Fußwaschungen an einfachen Mäusebrüdern und ‑schwestern, aber auch das immer neue Auflegen alter Platten bis zum Überdruss: zweifellos eine lange Liste sozialer skills, die für eine Laufbahn im Brennpunkt allgemeiner Aufmerksamkeit entscheidend sein können.

In diesen Lebensabschnitt fallen alle unwesentlichen Ereignisse, an denen sich ein Charakter zu formen, eine Weltanschauung zu bilden und ein Ziel, ein wirkliches Ziel im Leben herauszukristallisieren pflegt. Über Josefines Charakter wurden so viele Bücher geschrieben, dass die durchschnittliche Lebensspanne einer gemeinen Hausmaus für die Lektüre bei weitem nicht ausreicht. Mit einer gewissen Berechtigung ließe sich daher behaupten, er sei überlebensgroß. Ob das als Lob durchgehen kann, bleibe hier außer Betracht. ’t geiht all, blot de Pogg, de hüppt, wie der Friese sagt.

 

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