: Die versiegelte Welt. Ein SchreibprozessVollbild

 

Über der Schulter öffnete sich die nahe Rose des Münsters. Aus unbestimmter Tiefe traten Fialen ins Bild und zielten direkt auf das Herz. Sie stellten Lanzen dar oder rhythmisch geordnete Gitterstäbe. Ihr Auf und Nieder umspielte das Zentrum der Welt. Es war eines der vielen Zentren, die sie sich zu geben pflegt, neben- wie nacheinander, menschlichen Blicken greifbar oder ihnen dauerhaft enthoben, dafür umso entschiedener in den Köpfen fixiert. Die sechzehn Blätter der Rose schwiegen dazu, sie glitzerten in der Sonne, verträumt, wie es dem Reisenden vorkam, doch er mochte sich täuschen. Er war sich bereits sicher, dass er sich täuschte, das kleine, fast unmerkliche ›fast‹ darin stört ihn nicht, im Gegenteil, es belebte ihn und sorgte dafür, dass der Fluss der Gedanken auch an dieser Stelle nicht zum Erliegen kam.

Aus dem Vorwort

Dass der Roman aus dem gehegten Raum zwischen zwei Buchdeckeln ausbrechen würde, war lange in ihm angelegt, man könnte seine Ratio darin vermuten, wenn es so etwas gäbe. Eine Pointe, immerhin, besitzt der Vorgang: was zwischen Form und Nichtform, zwischen Vernunft‑ und Unvernunftkult, zwischen Information und Rauschen, zwischen Vag- und Prallheit, zwischen industrieller Einfallsproduktion und schierer Einfallslosigkeit changiert, was wie ein Schwamm jede Neuerung aufsaugt und die ältesten Ladenhüter ungerührt ins Schaufenster schiebt, besitzt keine respekteinflößenden Grenzen, es kann nur enden oder, sagen wir es ruhig: verenden – an sich selbst, am Gegenüber, am Mangel an Gegenüber, an diesem und jenem, genauer, zwischen allem Möglichen. Er verliert sich, so wie sein Leitfaden, die Vernunft, sich im Weiterreden und Weiterrechnen der Wissenschaften verliert, ohne dass der Übergang sich markieren ließe. Die romanhafte und die wissenschaftsförmige Erschließung der Welt sind alte Verbündete.

Der Archipel

»›Archipel‹ (bedeutet) eine Gruppe von Inseln einschließlich Teilen von Inseln, dazwischenliegende Gewässer und andere natürliche Gebilde, die so eng miteinander in Beziehung stehen, dass diese Inseln, Gewässer und anderen natürlichen Gebilde eine wirkliche geographische, wirtschaftliche und politische Einheit bilden...«
UNICLOS, Anhang, Artikel 46b.

 

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