Ali Zülfikar

Grundsätzlich verwendet Ali Zülfikar nur Wollfarben und selbst entwickelte pflanzliche Farbstoffe für seine Bilder wegen der besonders leuchtenden Farbkraft und weil diese Pigmente mehr als andere Farben die Spur der Erde in sich tragen. Die Erdung ist ihm besonders wichtig in seiner Malerei, die den ganz gewöhnlichen Alltag der Menschen mit dem Gewicht der Jahrtausende alten Geschichte Mesopotamiens und der allem zugrunde liegenden Natur verbinden will, da der Mensch seinen Weg finden muss mit einfachen Handgriffen vom Hausbau bis zum Teekochen, begleitet von Trauer und Schmerz und auf den Flügeln grenzenloser Sehnsüchte.
Von Babylon nach Köln, wie eines der Bilder betitelt, beschreibt nicht nur Zülfikars individuellen Lebensweg als Beispiel für die Erfahrung vieler Migranten in der Gegenwart. Zugleich ist damit die Überzeugung verbunden, dass Kultur grenzenlos ist und ein Kulturgemisch wie es vor langer Zeit in Babylon begründet wurde, von aktueller Bedeutung ist. Ganz in diesem Sinne zeigt sich, dass Zülfikars malerischer Ansatz dann auch nur auf den ersten Blick völlig in der Tradition seiner Herkunft aufgeht. Genaueres Hinsehen macht deutlich wie er die figürlich-folkloristischen Wurzeln der orientalischen Bildwelt mit den abstrakt-freien Elementen der modernen abendländischen Kunst verknüpft. Indem er immer wieder große Materialstücke traditioneller Kelim-Teppiche in seine Bildkompositionen einarbeitet und seine Motive (das Mädchen mit dem Besen, der Arbeiter beim Hausbau, die Frau mit der Teetasse) mit fließenden und tropfenden Farbspuren in eine bewegte Turbulenz bringt, hat er einen ganz eigen Stil entwickelt.
Jürgen Kisters (Kunsthistoriker/Journalist)

 

Ali Zülfikar

1970 geboren in Gözmez (Türkei)
1989-95 Studium an der Firat Universität in Elazig (Türkei)
seit 1992 Freischaffender Künstler
lebt in Köln und in der Türkei

Zahlreiche Ausstellungen, darunter in Istanbul, Köln, London, Innsbruck, Salzburg, Budapest, Graz, Puerto Rico, Bremen, Münster, Oberhausen, Dortmund.

Kunstprojekt Flight Time 1997.

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