Ulrich Schödlbauer

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Darüber, wie die Welt abzuwarten versteht, kursieren verschiedene Geschichten. Drei davon berichten von Josefines Zusammentreffen mit den Mächtigen der für sie erreichbaren Etagen. Die erste handelt von Frettchen Hugo, genannt der Reißwolf, für den sie einst, zusammen mit anderen führenden Vertretern der häuslichen Tierwelt, ein großes Treffen auf dem Küchenschrank am Rande des Spülbeckens arrangierte. Hugo, nicht der Hellste seiner Art, betrank sich heimlich im Hintergrund an einer offen stehenden Flasche Anisschnaps, weil er den Sinn des meetings, zu dem ihm seine Berater geraten hatten, nicht einzusehen vermochte, die Gastgeberin ihm, wie er sich ausdrückte, »mächtig auf den Keks ging« und er sich ohnehin zu den harten Alkoholikern zählte. So ausgiebig betrank er sich, dass er, in den Konferenzraum und ins Licht der Kameras zurückkehrend, ihren breiten Mäuserücken mit was auch immer verwechselte und ihn ebenso orts‑ wie selbstvergessen zu massieren begann. Zwar bewog ihn ein scharfer Seitenblick seiner Staatssekretärin nach einiger Zeit, vom Objekt der abrupt aufgeflammten Begierde abzulassen, doch das Malheur … es war nun einmal passiert.

Dazu muss man wissen, dass Frettchen Mäuse zu ihren natürlichen Fressobjekten zählen. Aber dank einer Darwinschen Laune der Natur verfügen sie nicht – vielmehr nicht mehr – über den dazugehörigen Jagdinstinkt. Josefine, instinktüberlassen, tat, was ihr der Überlebenswille gebot: nichts. Stocksteif und unnatürlich aufgerichtet saß sie auf ihrem Konferenzstuhl und ließ das Unvermeidliche über sich ergehen.

Alle hatten es gesehen und niemand wollte es später gesehen haben. Allgemein galt sie als Siegerin der Veranstaltung. Das merkte sich Josefine und fügte die situative Versteifung dem Arsenal ihrer Tricks & Trance-Spielereien hinzu.

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