Forum Stadt

Anspruch und Wirklichkeit der Kulturhauptstadt Ruhr 2010

In ein Meer von Fahnen und plakativen Optimus getaucht, ein ganzes Jahr und noch viel mehr, bestimmte das dauerleuchtende Event bis Advent die Kulturhauptstadt auf Ruhr. Für die mediale Aufmerksamkeit hatten Marketing‑ und PR-Agenturen die Haut der Träume zugeschnitten und der Ruhrmetropole ein buntes, pauschalisiertes, bisweilen niveauvolles Unterhaltungsprogramm verpasst: Mitmachspiele ohne Grenzen, sonntags geöffnete Realzeitmuseen, Kunstachterbahnen..., kurz, die standardisierte Einkleidung kultureller Identität, maßgeschneiderte Kulturhauptstadt-Trachten und Betrachtungen.

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Wie Ortserkundungen zu Texten werden

Festrede im Rahmen des 10. Internationalen Literaturfestivals Berlin

Übersetzt von: Christian Hansen

Der erste große europäische Roman – selbstverständlich spreche ich von dem des Cervantes – ist kein städtischer Roman. Don Quijote und sein Schildknappe durchziehen auf ihren Fahrten das ländliche Spanien, und die einzige Stadt, in der sie gegen Ende des Zweiten Teils Einzug halten, wird uns nicht beschrieben. Die beiden Protagonisten besuchen lediglich die Druckerei, wo der Band gedruckt wird, der ihre Abenteuer erzählt. Noch ist die Typographie nicht das Produkt einer städtischen Topographie, wie es dreihundert Jahre später der Fall sein wird.

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»Die Präsenz einer vormodernen Geschichte im Alltag des heutigen Städters ist das erste Merkmal europäischer Urbanität«.

Das zweite Merkmal »… beinhaltet die Hoffnung, sich als Städter aus beengten politischen, ökonomischen und sozialen Verhältnissen befreien zu können.«

Und »drittens ist die europäische Stadt Ort einer besonderen, eben urbanen Lebensweise …« – die Polarität von Öffentlichkeit und Privatheit.

So der Stadtsoziologe Walter Siebel

 Bekanntlich wird der Verstädterungsprozess in den nächsten Jahren mehr oder minder abgeschlossen sein. Bereits heute lebt die Hälfte der 6,7 Milliarden Weltbevölkerung in Städten.

Weltweit sind also massive Urbanisierungsprozesse im Gang. Während die Städte wachsen, gehen dörflich (autochthon) geprägte Gesellschaftsformen immer weiter zurück. Parallel dazu stellen wir fest, dass nicht nur die Bevölkerung in agrarischen Regionen schrumpft, auch Städte – in Asien wie in Europa – verlieren Einwohner. In Europa werden 2050 weniger Menschen leben als heute.

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