Renate Solbach: Sarkophag

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 Es kommt die Zeit, da wir alle fort und vergessen sind, und das Einzige, was dann von uns übrig ist, sind die Treibhausgase, die wir mehr oder weniger unwissentlich in die Atmosphäre gepustet haben.
Greta Thunberg, Svante Thunberg, Malena Ernman, Beate Ernman

Klimakiller

Zwischen 1950 und 2000 stieg die Durchschnittstemperatur über den Landmassen der Erde um einen Wert unter einem Grad Celsius an. Tiefer liegt, bei weit geringerer Dichte der Messstationen, der entsprechend über der Meeresoberfläche ermittelte Wert. Im gleichen Zeitraum stieg, mit wachsender Tendenz, der atmosphärische CO2-Anteil im Weltdurchschnitt um ca. 50 ppm, von denen man auf Grund von Isotop-Messungen annimmt, dass sie durch menschliche Emissionen zustandekommen: eine ebenfalls rein statistische Größe, die keinerlei Aussage über die etwa auf einer NASA-Animation zu betrachtende, den staunenden Laien recht ungleich anmutende Verteilung des Spurengases in der, sagen wir, erdumspannenden Troposphäre enthält, geschweige denn darüber, ob das wichtig ist oder nicht.

Das ist der ›harte‹, durch hoffentlich über jeden Zweifel erhabene Daten abgesicherte Beitrag der Klimawissenschaft zum Klimaalarm. Alle weiteren Aufreger, darunter bereits die bedeutungsheischende Aussage, die Erdtemperatur habe sich ›seit Beginn der industriellen Ära‹ (und nicht etwa ›seit dem Ende der kleinen Eiszeit‹, was einen anderen Zusammenhang suggerieren würde) kontinuierlich erhöht, fallen, für jeden informierten Zeitgenossen einsehbar, in den Bereich des üblichen naturwissenschaftlichen Rauschens, das heißt, des datenbewehrten Spiels mehr oder weniger kühner, mehr oder weniger plausibler oder ›gehärteter‹ Hypothesen und Gegenhypothesen.

Zugegeben: Klimaforschern gelingt es beeindruckend oft, hartnäckig haftende Bilder im medialen Raum zu deponieren. Aufnahmen schmelzender Hochgebirgs- und kalbender Grönlandgletscher zieren jede Klatsch-Illustrierte, irgendwo wütet stets ein verheerender Waldbrand oder ein Wirbelsturm, aus friedlich gen Himmel ragenden Kühltürmen entweichende Wasserdampfschwaden dürfen, jedenfalls in empfänglichen Gemütern, düstere Ahnungen wecken und manchmal bleibt ein Forschungsschiff, das ausfuhr, das Schwinden des arktischen Eises zu dokumentieren, malerisch dort in ihm stecken, wo es vorher niemand vermutete. Keine andere wissenschaftliche Disziplin hat gegenwärtig so viel zu bieten. Seit Jahrzehnten hat sich das Publikum an den Anblick statistisch unterfütterter Verlaufskurven gewöhnt, deren korrekte Ausdeutung Fachleuten vorbehalten bleibt, obwohl alle Welt sie verstanden zu haben glaubt. In aller Regel zeigen die Kurven aufwärts – teils linear, teils in Form steil dem oberen Bildrand entgegenstrebender Wildwuchs-Hyperbeln. Damit werden sie zu klaren Trägern einer durchgehenden Botschaft: So geht es nicht weiter. Was nicht weiter geht und was geschehen muss, darüber weiß inzwischen jedes Schulkind Bescheid: CO2-Ausstoß reduzieren, am besten auf Null bringen, denn CO2 ist der ›Klimakiller Nr.1‹.

Die wissenschaftliche Debatte über den Stellenwert von Kohlendioxid als dem primären Verursacher des ›anthropogenen‹ Klimawandels ist asymmetrisch polarisiert: Die CO2-Theorie des Klimawandels ist ›gesetzt‹. Sie ist der Platzhirsch, gegen dessen erdrückende Vormacht sich die Konkurrenz, gleichgültig, ob sie die einschlägig benannten Klimafaktoren anders gewichtet oder es beim bloßen Bestreiten von allem Möglichen belässt, mit dem zweiten Platz und dem zweifelhaften Etikett der ›Skeptiker‹ und ›Leugner‹ zufrieden geben muss. Ein populär geschriebener Bestseller wie Der Klimawandel von Stefan Rahmstorf und Hans Joachim Schellnhuber, mittlerweile in der achten Auflage auf dem Markt, ist nicht weniger als ein wissenschaftliches Epos, er trägt dem Verlangen nach der ›großen Erzählung‹ vom menschengemachten Klimawandel und seinen Folgen Rechnung und entsorgt mit überlegener Geste jeden hier und da aufkeimenden Zweifel in die Schmuddelecke, in der die unscheinbaren Reste vergangener Irrtümer auf engem Raum beieinander faulen.

Im Wissenschaftsalltag sind solche Asymmetrien nichts Besonderes. Es kostet, neben der notwendigen theoretischen Anstrengung, Zeit, Kraft und Nerven, Theorien, die es in die Standard-Lehrpläne der Universitäten und Schulen geschafft haben, bei Bedarf wieder daraus zu vertreiben oder auch nur, gegen konkurrierende gehalten, zu relativieren. Das hat, die Unsicherheiten der Materie beiseite gesetzt, auch mit dem Prestige-Charakter wissenschaftlicher Erkenntnis zu tun. Wer als ambitionierter Forscher mit einem Fehlritt ins spekulative Gelände alles verlieren kann, überlegt es sich zweimal, seine Reputation und damit seine Karriere aufs Spiel zu setzen, um einer Spur zu folgen, die ihm vielleicht die heiß begehrte Prominenz einträgt, vielleicht auch das Gegenteil. Wissenschaft insgesamt zehrt vom Prestige, das sie in der Gesellschaft genießt – nicht zuletzt deshalb, weil ihre Erkenntnisse dort als Wahrheiten paradieren, die nicht nach Belieben auf‑ und abgebaut werden können. Eines der primären Kennzeichen gesellschaftlich vermittelter ›Wahrheit‹ ist Dauer: Was heute wahr ist, kann nicht morgen schon falsch oder bloß eine Möglichkeit unter anderen sein. Warten wir also bis übermorgen.

Greta

Fanatismus… – kennen Sie Greta? Eine solche Frage kann nur polemisch gemeint sein, sie fordert das Weltgewissen heraus – falls es so etwas gibt –… sie kann nur, mit dem passenden Zeitgeist-Ausdruck, ›unethisch‹ gemeint sein. Warum? ›Wir alle‹ haben das zweifelhafte Glück, Greta Thunberg zu kennen: vielleicht nicht gerade als Person, aber ganz gewiss als Medien-Ikone und ‑Abziehbild. Im Augenblick hat es, wie es scheint, einen Knacks bekommen, vornehmlich durch die Heftigkeit des New Yorker UN-Auftritt vom 23. September 2019, vielleicht auch durch gewisse nur ironisch zu benennende Umstände ihrer märchenhaften Seereise an die Gestade der Neuen Welt und retour. Das Weltgewissen ist zickig und springt mit seinen Lieblingen um, wie es gerade passt. Auch dem Idol der Klimabewegung widerfährt damit nur, was andere vor ihr hinnehmen mussten. Ihr Auftreten spaltete die Wohlmeinenden und die Bewegung geht über sie hinweg. Genug ist nicht genug. Der Leitsatz der Bewegung gilt im Reich der dieselgetriebenen PS-Boliden ebenso wie für Exponenten einer Weltsicht, in der derlei Luxus besser heute als morgen verboten würde. Plötzlich ist der Star wieder Kind: Am Tag nach der Kapuzenpredigt an die Mächtigen dieser Welt entsannen sich führende Medien der Eltern und ihrer Fürsorgepflicht, als sei dies ein komplett neues Thema und habe nicht lange zuvor auf dem Redaktionstisch gelegen. Die seriöse Welt, in der Entscheidungen gefällt und Mehrheiten organisiert werden müssen, trennt sich, die Gelegenheit nutzend, ostentativ von den lunatics, den überspannten Rebellen des Weltgewissens, das bekanntlich bei Bedarf in jedem Mainstream-Politiker … tickt. Und die wirklichen Rebellen? Sagen wir, die Situation kommt ihnen … entgegen, nachdem ›Greta‹ erfolgreich die Botschaft vom drohenden Untergang in den Köpfen der Mehrheitsgesellschaft und der ihr verpflichteten Politik verankert hat. Konkurrenz belebt das Geschäft und Feindschaft gegen das System garantiert einen langen Atem. Währenddessen wird die Ikone, ausstaffiert mit allerlei Auszeichnungen, ins öffentliche Nirwana all jener Kämpfer für eine bessere Zukunft entrückt, an die von Zeit zu Zeit ein illustrierter Zeitungsartikel erinnert.

Bildung

Die junge Dame deutete es an: Sie ist ganz nebenher dabei, ihre Bildung auf dem Altar der Menschheit zu opfern. Warum erlaubt sie sich das? Warum erlaubt sie es ihrer Umgebung? An diesem Drama – denn es ist ein Drama – soll die ganze Menschheit teilnehmen, weil es … nun ja, weil es die Menschheit angeht. Greta Thunberg weiß oder glaubt etwas zu wissen, das keinen Aufschub duldet. Offenbar weiß sie nicht, dass Bildung und Wissen in einem engen Zusammenhang stehen oder, um es weniger schlicht zu formulieren, einander wechselweise bedingen: keine Bildung ohne Wissen, kein Wissen ohne Bildung. Der erste Teil dieses Satzes klingt einigermaßen trivial, der zweite bereits weniger: Man muss wissen – oder eine Ahnung davon haben –, was Wissen heißt und auf welche Weise es zustandekommt, um sich seiner halbwegs angemessen bedienen zu können. Pädagogen und Öffentlichkeitsarbeiter wissen, es gibt einen Fanatismus der Unwissenheit und des Wissens, die einander in ihren traurigen Folgen in nichts nachstehen. Ein nicht unwesentlicher Grund liegt darin, dass letzterer gleichfalls auf Unwissenheit beruht (den Fall der wissentlichen Unwissenheit, des Selbstbetrugs oder der bösen Absicht einmal beiseitegesetzt) – der Unfähigkeit, sich über die Grundlagen des hier und jetzt Angeeigneten Rechenschaft abzulegen. Daher kann keine Unterrichtseinheit den Bildungsgang ersetzen, innerhalb dessen sie angesetzt wurde: Eine Banalität unter Pädagogen, zusehends ausgehebelt durch die grassierende Bildungsverachtung von Leuten, die der Ansicht sind, sie wüssten genug, um die Welt von ihrem schlimmen Tun abhalten zu müssen – selbstredend hier und jetzt, denn die Sache selbst duldet … siehe oben. Die Sache selbst… Ganz recht, die sechzehnjährige Greta kann es nicht wissen, da eine skrupellos agierende Umgebung ihr ein Dasein als Medium andient, dazu verurteilt, anderer Leute Wahrheiten unter die Leute zu bringen – flächige Projektionen eines ›Wissens‹, das in seinem Kern vielleicht Wissenschaft, vielleicht ein Hoax (oder ein guter Mix aus beidem) ist, in jedem Fall aber über eine Tiefendimension verfügt, die sich ihr und ihren Mitkämpferinnen entzieht. Sollte dieses Kind, das kein Kind mehr ist, ein ›Missbrauchsopfer‹ genannt werden dürfen (ich bin mir in diesem Punkt nicht sicher), so weniger einer gezielt ausgeplauderten Asperger-Diagnose als der Absonderlichkeit wegen, dass eine akklamierende Erwachsenenwelt ihm leichtfertig das Recht auf Bildung wegredet. Damit scheint es das Schicksal einer Generation von Jugendlichen zu teilen, unter deren Lehrern und Erziehern es nicht wenige vorziehen, einen selbstgerechten Aktivismus zu lehren, statt ihren Schützlingen die elementare Kenntnis dessen zu vermitteln, was eine frühere Generation ›la condition humaine‹ nannte, die menschliche Weise, in der Welt zu sein und, unter anderem, eine Flut widersprüchlicher Gewissheiten zu generieren, deren Schicksal darin besteht, wieder kassiert zu werden, sobald es an der Zeit ist. Denn noch immer ist der Mensch das Tier, das tief in seinem Inneren weiß, dass es nicht weiß, während es fest zu wissen glaubt, was andere ihm suggerieren.

Wissenschaft

In der Wissensgesellschaft wimmelt es von ›wissenschaftlichen Fakten‹, als hätte Wissenschaft nichts anderes im Sinn, als dergleichen unter das Publikum zu streuen. Der Berufung auf Fakten haftet, wo immer sie in beherrschender Position auftritt, etwas Furchteinflößendes an, zumindest in der Wirkung auf Laien. Sie erscheinen ihnen unumstößlich gegeben: ›Widerstand zwecklos!‹ Das gefällt den Blendern unter den Wissenschaftlern, die sich gern im Licht der Öffentlichkeit sonnen. Denn sie wissen, in ihren Disziplinen ist nichts so umkämpft wie just jene ›Fakten‹. Das Wort factum bedeutet: Fakten werden gemacht. Sie sind das Ergebnis einer theoretischen oder praktischen Anstrengung (›Fakten schaffen!‹). Exakt das unterscheidet sie vom ›Datenmaterial‹, den data, die zwar auch erhoben und interpretiert werden müssen, aber anschließend auf irgendeine Weise, zum Beispiel in Archiven, etwa zum Klimawandel (wo sie, rein theoretisch, auch zurechtgebogen werden könnten), auf Abruf in einer Weise gegeben sind, wie dies Fakten, als Fakten betrachtet, gerade nicht sind.

Selbstverständlich können, mit gewissen Einschränkungen, auch Fakten als Daten interpretiert werden (zum Beispiel, wenn ein Soziologe den Umgang mit Fakten, etwa im Labor, thematisiert) und Daten als Fakten – selbst die einst in der Philosophie so geschätzten Sinnesdaten erwiesen sich im Gang der Gehirnforschung als Resultate komplexer biologischer Entscheidungsprozesse, so dass sie nur noch selten als unbezweifelbarer Grundstoff allen Gewussten in Anspruch genommen werden. Das ändert aber nichts an der grundsätzlichen Differenz. Wer demnach, öffentlich sein Renommee als Wissenschaftler in Anspruch nehmend, behauptet, jene einer wissenschaftsfernen Umgebung aufs Auge gedrückten ›Fakten‹ seien, bloß fürs laienhafte Verstehen aufbereitet, die Daten selbst, so dass sich auch der letzte Klima-Aktivist als Kämpfer um die Menschheit verdient machen darf, der beurlaubt sich mit dieser Aussage aus dem wissenschaftlichen Diskurs und mutiert zum Guru. Nicht wenige finden Gefallen an dieser Rolle, nicht wenige Nicht-Wissenschaftler gehen ihnen ins Garn.

Beispiele für diesen Rollenwechsel finden sich in der Klimaforschung zuhauf. Dabei spekuliert die als ›führende Klimaforscher‹ gehandelte Prominenz nicht selten auf die Vergesslichkeit einer dankbar-betroffenen Öffentlichkeit. Gerade die furchterregendsten unter den aufgebotenen ›Fakten‹ müssen, sobald die entsprechenden Studien vorliegen, mit ritueller Regelmäßigkeit nachjustiert werden. Allerdings hat die Allverfügbarkeit öffentlich getätigter Äußerungen via Internet eine Klasse von Beobachtern auf den Plan gerufen, der Respekt vor den Verlautbarungen der Etablierten ein Fremdwort zu sein scheint. Ihre theoretische Kompetenz mag im Einzelfall gering sein, sie darf es auch, solange ihre Lese- und Memorierfähigkeit als wirksames Antidot wider das Vergessen der unübersehbar gewordenen Schar interessierter Zeitgenossen aufhilft, die sich nicht mit der allabendlichen Berieselung durch die üblichen Fernseh-Standardprogramme zufriedengeben.

Spannungen

»Judith Curry, eine Mitautorin der BEST-Studie, warf Richard Muller auf ihrem viel beachteten Klima-Blog jedoch vor, seine globale Temperaturkurve so manipuliert zu haben, dass die seit über einem Jahrzehnt feststellbare Abkühlung verborgen bleibt. ›Es hat in den vergangenen 13 Jahren keine weitere Erwärmung gegeben‹, betont Curry. ›Das zeigen alle verfügbaren Messreihen. Die Behauptung, die globale Erwärmung sei nicht zu Ende, ist wissenschaftlich unbegründet.‹ Eine Studie der britischen Global Warming Policy Foundation (GWPF) gibt ihr recht. Curry weist auch darauf hin, dass die Abflachung der Temperaturkurve in eine Zeit fällt, in der der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß schneller als jemals zuvor angestiegen ist. Daraus könne man schließen, dass CO2 sicher nicht direkt für den Temperaturanstieg im 20. Jahrhundert verantwortlich war. Curry vermutet andere Ursachen des Klimawandels eher bei Änderungen der Wolkenbedeckung, in natürlichen ozeanischen Zyklen oder der Sonnenaktivität. Immerhin enthält die BEST-Studie deutliche Hinweise darauf, dass die Temperaturentwicklung der Nordhalbkugel der Erde in den vergangenen hundert Jahren stärker von natürlichen Zyklen wie vor allem der Atlantic Multidecadal Oscillation (AMO) geprägt wurde als von menschlichen Einflüssen.«
Edgar L. Gärtner, Die BEST-Studie bringt nichts Neues (2011)

Nicht jeder, der im Wissenschaftsbetrieb ein warmes Plätzchen ergattert hat, besitzt die Geduld eines Chamäleons. Wer die Härten der Auseinandersetzung nicht scheut, dem stellt die Publikationsform des Wissenschaftsblogs ein Instrument zur Verfügung, mit dessen Hilfe das Hin und Her hinter der Maske gewichtiger Hypothesen ohne abrupten Prestigeverlust in die Öffentlichkeit getragen werden kann. Kein Wunder also, dass die Mehrzahl der Klima-Blogs einen eher kritischen bis skeptischen Hautgout verströmt. Nicht bloß das Publikum will es so. Die mediale Logik vordergründig unzensierter Öffentlichkeit treibt dazu, dem Peer-regulierten (und gelegentlich überregulierten) offiziellen Informationswesen ein Schnippchen zu schlagen.

Das wiederum erlaubt auch institutions‑ und fachfernen Zeitgenossen bei gehöriger Neugier den Blick hinter die Kulissen von Wissenstransfer–Institutionen wie des IPCC. Was sie dort zu sehen bekommen, lockt Journalisten und interessierte Laien gleichermaßen an – und trägt nicht unwesentlich zur Polarisierung der Allerweltsmeinungen in Pro und Contra bei. Am Ende sind alle, die sich ›im Internet tummeln‹, Klima-Experten. Sie sind es mit derselben Unerbittlichkeit, mit der Fans auch andernorts bei der Sache zu sein pflegen: Sie halten zu ihrer ›Mannschaft‹ und gehen mit ihr durch dick und dünn. Das schweißt die Mannschaft zusammen und gibt ihr in den Kämpfen den entscheidenden Kick: Never surrender heißt die Parole und, bei passender Gelegenheit: We are the champions. Diese Haltung bestimmt die Öffentlichkeitsarbeit der Vereine, sprich: der publikumswirksamen Allianzen. Gefolgschaft will gepflegt sein. Wer will, darf sich angesichts der Unerbittlichkeit der ausgefochtenen Kämpfe, vor allem dort, wo ihr Schau-Charakter unübersehbar zutage tritt, belustigt zeigen. Doch damit riskiert er bereits, dass ihm der freundliche Nachbar künftig den Handschlag verweigert, gleichgültig, ob in den Kommentarspalten der Blogs oder an der Haustür: Irre, der / die glaubt doch wirklich… (oder auch nicht).

Ja was denn? Das deutsche Bundesumweltamt weiß sich auf sicherem Grund: »Der anthropogene (durch den Menschen verursachte) Treibhauseffekt ist seit über drei Jahrzehnten zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen und öffentlicher Diskussionen. Trotz der mittlerweile fundierten wissenschaftlichen Basis melden sich immer wieder Skeptiker zu Wort, die den anthropogenen Treibhauseffekt anzweifeln oder sogar leugnen.«

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