Ulrich Schödlbauer

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Es wird Zeit, ein Wort über die bösen Zungen zu verlieren. Sie sind der eigentliche Grund, warum Josefines so sehr auf Dauer angelegte Regentschaft den einfachen Mäusen auf die Dauer langweilig wurde. Im Grunde, um ihr Lieblingswort zu bemühen, – im Grunde besteht sie nur deshalb fort, weil mittlerweile mehr komplizierte Mäuse herumlaufen als jene einfachen, von denen sie allesamt abstammen. Aber da nichts ohne Grund besteht, besteht kein Grund, jedenfalls kein gesteigerter, zu der Annahme, daran werde sich so bald etwas ändern. Es gibt Fanatiker des Regierungshandwerks, die darin, nicht ohne Grund, eine Katastrophe wittern. Zum Beispiel behaupten die bösen Zungen, Josefine regiere gar nicht, sondern pfusche nur von Zeit zu Zeit dem Zufall ins Handwerk, mit fürchterlichen Folgen für Land und Leute. Die ersten Folgen treffen, ganz recht, die Quengelbrut selbst. Josefines Hofwächter, auch Platzfeger genannt, weil sie dafür sorgen, dass die Regentin bei ihren Auftritten stets freie Aussicht genießt, fackeln nicht lange, wenn es gilt, Giftträufler und Spaßverderber aus dem Weg zu räumen. Wie auf dem Kasernenhof schnarrt es: »Rechts-um!« Dort wartet auch schon der Mülleimer – Aufgeregte berichten: die Mistforke, aber das gilt dann wohl mehr für die gesetzten Außenseiter, so links sich einzelne in einem letzten Aufbäumen auch geben mögen.

›Für Land und Leute‹ lautet der Schlachtruf der bösen Zungen. Nach der Wahl der zerstreuten Hebamme zur Generalsekretärin streuten sie das Gerücht, sie dürfe das Amt nur deshalb ausüben, weil es im Grunde entbehrlich geworden sei. Als die Hebamme protestierte, boten sie ihr eine Wette an. Sie dürfe Schneekönigin auf Ibiza werden, wenn es ihr gelänge, Josefine aus der Reserve zu locken und sich als mögliche Nachfolgerin zu profilieren. Eitel, wie Hebammen nun einmal sind, ging sie prompt in die Falle und verstieg sich mit Hilfe einer wirren Statistik zu der Behauptung, binnen 24 Wochen, gerechnet vom Zeitpunkt ihrer Ernennung, werde ihr all das – und noch mehr – in den Schoß fallen, was Josefine sich während der zurückliegenden Monate hart erarbeitet habe. Josefine betraute sie kühl mit der Aufsicht über die Mäusearmee. Fortan sah man quer durch die Medien die Hebamme nur noch in die Hände klatschen und »Alle mal rauskommen!« brüllen, was bei der Zartheit ihres Organs ein geflügelter Anlass für Sarkasmen der niederträchtigsten Art und Sexismen sonder Zahl werden sollte.

Ein Hauptstreich gelang den bösen Zungen, als sie einen von Josefines ältesten Paladinen dazu anstiften konnten, die rote Karte zu ziehen. Auf dem eigens dafür anberaumten kleinen Parteitag brach im gleichen Moment ein abartiger Tumult aus, in dem der Treulose ihr statt der erwarteten Blumen einen Korb überreichte und eine frenetische Aufrührerschar brüllte: »Jo-se-fine in-die La-trine!« Damit war es dann auch vorbei. Inzwischen ist der Paladin, durch einen milden Schlaganfall angezählt, ihr Abstempler Nr. 1. Wann immer im Lande ein kritischer Kopf sich aus dem immergleichen Gang der Geschäfte erhebt, hebt er den Stempel und – Schwamm drüber.

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