Immo Sennewald

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Ende der Angst

Wer gewinnt den Frieden?
Kriege werden gewonnen.
Frieden ist das große Unentschieden
Schwer zu ertragen, wo Sieger gefragt sind
Und Preise winken, egal wie hoch der Preis.

Nicht siegen wollen ist pervers
In den Augen der Aasgeier.
Nicht siegen, nur leben wollen
Wo Gott wohnt:
Ganz am Ende der Angst.

 


Königs-Spiele

Die Kaiser starben und die Könige sind
Nur Marionetten auf globaler Bühne.
Die Generäle kämpfen in den Wüsten
Im Hochgebirge herrschen die Tyrannen
Von Erdgas’ oder Petroleums Gnaden
Und Stammesfürsten schürfen aus den Minen
Was Weltmarkt ihnen lässt für ihre Konkubinen.

Der neue Mensch nach Marx und Mao schafft
Sich einen neuen Herrn und er erkennt
Darin sich selbst. Und fürchtet sich gar sehr
Vor all den alten, bösen Potentaten
Die aus der Menschen Knochen, Blut und Schweiß
Sich Pyramiden schufen. Jeder weiß
Inzwischen, dass die Greueltaten
Der alten Zeit – nur etwas umverteilt
Dem neuen Menschen heut den Wohlstand schaffen.
Er liefert der Gewalt die stärksten Waffen
Gern zahlt er dann für des Gewissens Ruh
Gebühren für medialen Weihrauch zu.


Frühling reist

Die Räder rollen durchs glückliche Land
der rostenden Wünsche, es schnattert das Jungvolk
Eingeflimmert aufs Mittelmaß,
duftend nach Fritten und Plastikfraß.
Gesichter voll Eisen, Chemie in den Haaren
Sehn sie nicht wo, verstehn nicht, wohin sie fahren.

Draußen geschieht das verlässliche Wunder
Das sich doch niemals planen lässt
Aus Landschaften werden Züge des Glücks
Triumphprozessionen verliebter Vögel.
Textilgeschäfte verhökern den Rest
Nächstens geht die Weltwirtschaft unter.

Altersrenditen verfallen im Takt
Der murmelnden Kugeln in den Rouletts
Der schwingenden Kurse auf den Parketts
Alle Tresore werden geknackt.

Derweil erblühn die unsterblichen Formen
Aus sterblichstem Stoff in den Farben der Träume.
Ich zähle die Tage als letzte Momente
Dass vom fliegenden Blau ich nur nichts versäume.
Keine Blüte sei ungeküsst
vom Blick, der auf Unendlich gerichtet ist.


Revolution

Siehst du deine Aktien fallen?
Spürst du deine dünne Haut?
Tust du noch. wovor dir graut
Und schwimmst immer noch mit allen?

Bist du kollektives Wesen
Unverstört im gleichen Schritt
Willst nicht einsam sein, willst mit
Kannst noch nicht die Zeichen lesen?

Glaubst noch an die Chorgesänge
Und die Phrasenrituale?
Was erklang so viele Male
Bindet viele ans Gedränge.

Doch wo’s hindringt, wird es enge.
Denn die Zukunft ist vom Wollen
All der gleichen Wünsche, Triebe
Längst schon derart zugequollen
Dass kein Platz mehr übrig bliebe
Gäbs nicht gegen diesen Frust
Das Prinzip GEWALT MACHT LUST
Die Dreifaltigkeit der Kriege
Mordskarrieren, Lügensiege.
Schlag mit drein. Du bist dabei.
Mach dich von dir selber frei.