Acta Litterarum: Die Autoren
 

Die Gemäldesammlung des Louvre
2001 Du Mont Buchverlag Köln
S.95  Meister der Eroberung von Tarent

Triumph der Venus,
verehrt von sechs berühmten Liebhabern:
Achilles, Tristan, Lanzelot, Samson, Paris und Troilus.

Auf den ersten Blick eine Opernszene, vielleicht aus dem Freischütz.
Sechs Jäger wie die Hasen im Gras. Über ihnen zwei Engel mit dem
Pfeil, dem Bogen. In der Mitte die Zielscheibe als Preis für den
Meisterschuß.

Auf den zweiten Blick Szene im Paradies. Nicht ein Adam, sechs.
Dazu gleichviele Bäume. An denen reifen des Begehrens Früchte.
Der weiblose Adam träumt seinen Seelenwunsch. Eva als
geflügeltes Himmelsbild.

Zum dritten nach Hinsehen und Draufblicken das Anschauen.
Eine zwölfeckige Holztafel. Duchmesser einundfünzig Zentimeter.
Jeder Liebhaber besetzt eines der unteren Segmente. Ungenau nur
Paris. Er kniet in der Mitte von zweien.
Die Baumreihen links und rechts darüber ebenfalls je ein Segment.
Beide Geflügelten, der links mit Pfeil und Bogen, der rechts nur Pfeil,
je eins.
Die Göttin steht im obersten.

Achilles, Tristan, Lanzelot sieht man von rechts. Samson, Paris und
Troilus von links. An Tristan und Troilus steht der Name dran.
Paris und Lanzelot ohne Kopfbedeckung. Achilles und Samson mit
Bart. Alle tragen das ähnliche Beinkleid. Alle sind bewaffnet.

Die Flügelwesen englisch zu nennen, stören ihre Füße. Drei Zehen,
ein Fersensporn.

Die Venus ist nackt. Eingefügt in eine strahlende Eiform. Sie trägt
große dunkle Flügel. Ihr Leib und die Gesichter der Verehrer sind
fleischfarben.
Das Oval, Wesen, Kleidungsstücke, Baumfrüchte und Wiesenblumen
sind durchglüht von liebesrotem Orangeton.

Grund sind hauchzarte Strahlenbündel, deren jedes einen
der Verehrer trifft. Das Licht entstammt der gleichen Quelle.
Der Mitte des Leibes, welche die Empfängnis birgt. Oder um
ein altes würdiges Wort zu ehren. Dem Mutterschoßhaus.

Die im Halbkreis unter ihr Knienden sind keine Stifter.
Die Vogelwesen keine Himmelsboten.
Und die ihren Verehrern Erschienene keine Heilige Jungfrau.

Es ist die mit Mitteln christlicher Bildgestaltung dargestellte
Wiedergeburt der antiken Liebesgöttin.