9. Jahrgang 2010
Zeitfenster. Zur Theorie und Praxis des Opportunen
Was opportun ist, misst sich an Zeit, Ort und Umständen. Natürlich besitzen die Umstände ein gewisses Übergewicht. Wer wollte das leugnen? Zeit und Ort müssen sich fügen, sobald der Wille zum Handeln überwiegt und die Gelegenheit sich ergibt. Eine Maßnahme ist an der Zeit, wenn die Verhältnisse sie erfordern oder wenn ihre Zeit gekommen ist. Der kleine Unterschied gibt zu denken. Im zweiten Fall scheint jemand darauf zu warten oder zu lauern, dass die Umstände sich fügen, während der Wille, sie zu realisieren, von Anfang an gegeben ist. Wer über einen solchen Willen verfügt, denkt in der Regel strategisch. Die Rede von sich öffnenden und schließenden Zeitfenstern gehört zum begrifflichen Instrumentarium strategischen Denkens. Wenn sie, wie es geschieht, in die Öffentlichkeit dringt, dann gibt es dafür handfeste Gründe.
Wer alle Zeit der Welt hat, kann warten, während derjenige, dessen Zeit, aus welchen Gründen auch immer, abläuft, ›in kürzeren Zeiträumen denkt‹. Das gilt für Großmächte, es gilt für Individuen. Es gilt in Bezug auf die Verfügbarkeit von Rohstoffen, auf die Projektion von Profit- und Umweltdaten in die nähere und fernere Zukunft und auf persönliche Heils- wie Unheilserwartungen. Es gilt in Bezug auf Machtträume, die sich auf hergebrachte oder auf künftig zu schaffende Verbünde beziehen, und nicht zuletzt auf die Tätigkeit von Heilsbringern, die wissen, was der Menschheit frommt, weil sie den Auftrag dazu in der Tasche knistern hören. Sie existieren zur gleichen Zeit, aber in unterschiedlichen Zeiten, teils nebeneinander, teils miteinander, teils aneinander vorbei, so wie Raum, Ökonomie und Mobilität es fügen, Gefangene ihrer Erwartungen und Prognosen. Die Gelegenheit denken heißt sie zueinander ins Verhältnis setzen. Das Denkbare denken – eine Risikoformel, die nach jedem Crash wieder aufersteht: Wie geht das?
über Iablis

Seit 2002 steht Iablis. Jahrbuch für europäische Prozesse im Netz. Mit dem Jahrgang 2009 tritt an die Stelle der ergänzend zur Netzversion bisher im Manutius Verlag Heidelberg erscheinenden Jahrgangsbände die Publikation der einzelnen Jahrgänge als E-Book im PDF-Format. Sie können wie bisher über den Verlag bezogen werden. Mit der Umstellung einher geht eine Änderung im Titel. Er lautet ab sofort Iablis. Zeitschrift für kulturelle Prozesse.
Damit wird Tatsachen Rechnung getragen: Leser und Institutionen nehmen Iablis seit seiner Gründung vorwiegend als Netzorgan und damit als elektronische Zeitschrift wahr. Der neue Untertitel erleichtert die gängige Rubrizierung als E-Journal mit freiem Zugang (open access). Darüber hinaus unterstreicht er den kulturwissenschaftlichen Charakter der Zeitschrift – angesichts der seit Januar 2010 entschiedener politisch-sozialen Ausrichtung von Globkult unter dem neuen Herausgeber Peter Brandt eine vielleicht erwünschte Präzisierung. Europäische Themen behalten in Iablis ihre gewohnte Bedeutung.
Ansonsten wahrt Iablis sein gewohntes Aussehen und seine Ausrichtung an Jahresthemen. Über mangelnde Aufmerksamkeit können Autoren und Herausgeber nicht klagen. Dafür sprechen Zugriffszahlen sowie direkte und indirekte Reaktionen, nicht zuletzt die Zahl der Referenzen in wissenschaftlichen Publikationen. Neben dem Fachpublikum erreicht Iablis eine große Zahl von Lesern, die sich über die angesprochenen Themen und den Stand ihrer wissenschaftlichen Behandlung kompetent zu unterrichten wünschen.
Grabbeau. Museum im Netz und Acta litterarum ergänzen das Spektrum. Kunst, Literatur, Kritik und Wissenschaft sollen künftig auf diesen Seiten zusammengeführt werden und so einen Hauch jener durch den Begriff ›Kultur‹ gegebenen Einheit vermitteln, die durch die Beobachtung von Popular- und Lifestyle-Kultur allein nicht zu erfahren ist.

IABLIS veröffentlicht Beiträge aus dem gesamten Spektrum der Kulturwissenschaften, insofern sie von fachübergreifender Bedeutung sind und dem Thema des jeweiligen Jahrgangs entsprechen. Aufgenommen werden auch literarische Texte. Die Redaktion bittet darum, von Fußnoten abzusehen. Über die Aufnahme der Beiträge entscheidet die Redaktion im Einvernehmen mit mindestens einem Gutachter.  

Die Beiträge sollen Essaycharakter besitzen und auf Anmerkungen u. dgl. verzichten.

Einsendeschluss für einen Jahrgang ist jeweils der 31. Oktober.

Die Beiträge erscheinen je nach Eingang in zeitlich unregelmäßiger Folge auf den IABLIS-Internetseiten in einer HTML-Leseversion (»Inhalt«).

Ältere Jahrgänge bleiben im Netz zugänglich.

Einsendungen bitte per E-Mail als Textdatei mit den notwendigen Formatierungen (kein Randausgleich, keine Silbentrennung, 12 Punkt-Schrift) an die Redaktionsadresse.

Graphisches Motiv: Raymond Verdaguer