Muse del Oro

Wo das Wissen aufhört,
fängt heute die Oper an.

Musil, Grauauges nebligster Herbst

 

Zum Beispiel Jomellis Fetonte:

Thetis, Meergöttin, Mutter Climenes, wird von dieser zu Hilfe gerufen.
Das Meer öffnet sich, Thetis erscheint.
Climene, wehrlos, Witwe des Merop, sorgt sich um ihren Sohn Phaeton.
Epaphus, Ägypter, hat ihr den Krieg erklärt. Orcanes, Äthiopier, ihrem Verbündeten, traut sie nicht.
Thetis tröstet Climene und läßt Proteus in die Zukunft schauen. Climene schaudert, sie gerät in Gefangenschaft. Phaeton, machtlos, sieht zu.
Der Preis für Climene ist Libya. Die will sich opfern. Da besiegt Orcanes Epaphus. Climene ist frei. Frieden soll sein.
Orcanes verlangt Climenes Hand. Climene verlangt die Räumung Nubiens.
Das hat einst Ägypten gehört. Dem hatte es Merop entrissen.
Epaphus will Libya, sie ist Merops Tochter, Nubien ihr Erbteil.
Man einigt sich nicht.
Epaphus rät, Climene eifersüchtig zu machen. Orcanes befolgt den Rat.
Die Frauen durchschauen die List. Phaeton begreift nichts. Climene entsagt der Macht. Libya vermählt sich dem Sohn des Sonnengotts.
Epaphus bezweifelt Phaetons Abstammung. Orcanes fordert Beweise.
Phaeton geht in die Falle.
Sol warnt ihn, den Sonnenwagen zu lenken. Epaphus verrät Climene.
Libya flieht zu Orcanes. Orcanes stürmt gegen Epaphus. Phaeton steigt auf.
Er kann es nicht. Die Erde fängt Feuer. Zeus zückt seinen Blitz. Phaeton stürzt. Libya kommt um. Climene nimmt sich das Leben.

Karl Phillip Moritz schrieb nach seinem Besuch der Villa Borghese:

"In einem dunkeln Gebüsch, nicht weit vom See, steht ein antiker Marmorsarg, auf welchem der Sturz des Phaeton abgebildet ist, mit der Unterschrift –
Groß wie sein Mut war auch sein Fall"

So beschrieben ist nicht das Miß - sondern das Ungeschick.
Und Fetonte ist in der Tat der Fall des Dilettanten. Die seine ist, im Un-Sinn des Wortes, eine verfahrene Geschichte.
Keine Parabel! Dagegen spricht, daß deren entscheidender der unendlich
ferne Punkt ist, zu dem sie hindeutet. Der aber findet hier gerade statt.
Wir müssen leider gespannt bleiben. Dilettanten sind Fachleute auf ihrem Gebiet. Zu befürchten scheint, es wird unsere Geschichte.

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Iablis aktuell

Thema 2017: Die (leid)geprüfte Demokratie

Ein Grundmaß der Demokratie ist die Heuchelei, die von ihren Feinden aufgewandt wird, um ihre Einstellungen öffentlich zu verbergen. Wer vorgeben muss, demokratischen Zielen zu folgen, obwohl ihm nichts oder wenig an ihnen liegt, obwohl seine Handlungen, objektiv betrachtet, Demokratieabbau betreiben oder ihm Vorschub zu leisten, steht vermutlich stärker unter dem Druck einer demokratisch gesinnten Öffentlichkeit als sein Geistesverwandter, der offen und mit der Zustimmung maßgeblicher Bevölkerungsteile – darunter die Justiz seines Landes – seine Ziele verfolgen kann. Demnach wäre die Fallhöhe – und damit der erreichte Grad an Demokratie – dort am größten, wo die meiste Energie und Findigkeit in das Verbergen, Vertuschen und Leugnen gegen sie gerichteter Handlungen und Gesinnungen fließt, wobei die nicht aus der Welt zu schaffende Unsicherheit über die ›wahren‹ Gesinnungen der Handelnden daran erinnert, dass jenes Maß von Haus aus polemisch ist und daher nur hypothetisch zum Einsatz gelangen kann.

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Yagiridia. Capriccio
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Ich will diesen Sack vermöbeln
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