2 male paradise fishes are fighting for territory by their mouth. Quelle: Wikimedia Commons

Wo das Wissen aufhört,
fängt heute die Oper an.

Musil, Grauauges nebligster Herbst

 

Zum Beispiel Jomellis Fetonte:

Thetis, Meergöttin, Mutter Climenes, wird von dieser zu Hilfe gerufen.
Das Meer öffnet sich, Thetis erscheint.
Climene, wehrlos, Witwe des Merop, sorgt sich um ihren Sohn Phaeton.
Epaphus, Ägypter, hat ihr den Krieg erklärt. Orcanes, Äthiopier, ihrem Verbündeten, traut sie nicht.
Thetis tröstet Climene und läßt Proteus in die Zukunft schauen. Climene schaudert, sie gerät in Gefangenschaft. Phaeton, machtlos, sieht zu.
Der Preis für Climene ist Libya. Die will sich opfern. Da besiegt Orcanes Epaphus. Climene ist frei. Frieden soll sein.
Orcanes verlangt Climenes Hand. Climene verlangt die Räumung Nubiens.
Das hat einst Ägypten gehört. Dem hatte es Merop entrissen.
Epaphus will Libya, sie ist Merops Tochter, Nubien ihr Erbteil.
Man einigt sich nicht.
Epaphus rät, Climene eifersüchtig zu machen. Orcanes befolgt den Rat.
Die Frauen durchschauen die List. Phaeton begreift nichts. Climene entsagt der Macht. Libya vermählt sich dem Sohn des Sonnengotts.
Epaphus bezweifelt Phaetons Abstammung. Orcanes fordert Beweise.
Phaeton geht in die Falle.
Sol warnt ihn, den Sonnenwagen zu lenken. Epaphus verrät Climene.
Libya flieht zu Orcanes. Orcanes stürmt gegen Epaphus. Phaeton steigt auf.
Er kann es nicht. Die Erde fängt Feuer. Zeus zückt seinen Blitz. Phaeton stürzt. Libya kommt um. Climene nimmt sich das Leben.

Karl Phillip Moritz schrieb nach seinem Besuch der Villa Borghese:

"In einem dunkeln Gebüsch, nicht weit vom See, steht ein antiker Marmorsarg, auf welchem der Sturz des Phaeton abgebildet ist, mit der Unterschrift –
Groß wie sein Mut war auch sein Fall"

So beschrieben ist nicht das Miß - sondern das Ungeschick.
Und Fetonte ist in der Tat der Fall des Dilettanten. Die seine ist, im Un-Sinn des Wortes, eine verfahrene Geschichte.
Keine Parabel! Dagegen spricht, daß deren entscheidender der unendlich
ferne Punkt ist, zu dem sie hindeutet. Der aber findet hier gerade statt.
Wir müssen leider gespannt bleiben. Dilettanten sind Fachleute auf ihrem Gebiet. Zu befürchten scheint, es wird unsere Geschichte.

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Iablis aktuell

Thema 2018: Die ungleichen Gleichen. Differenz als Unruhe

1 = 1. Das gehört zu den intuitiven Wahrheiten, die immer wieder das Staunen darüber anfachen, dass es Aussagen gibt, an denen zu rütteln hieße, eigene und anderer Leute Zeit zu verschwenden. Andererseits bedarf es keiner besonderen Anstrengung, zweimal denselben Ausdruck hinzuschreiben und ein Gleichheitszeichen dazwischen zu setzen. Spannend wird es dann, wenn links und rechts des Gleichheitszeichen ungleiche Terme auftauchen: A = B. Warum denn das? Muss das sein? Genügt es nicht, A = A sein zu lassen? Warum die Dinge komplizieren? Oder, da sie nun einmal kompliziert zu sein pflegen: Warum das Einfache dadurch komplizieren, dass man es einem anderen Einfachen gleichsetzt? Oder, wenn schon gleichgesetzt werden soll, was sich doch offenkundig unterscheidet, warum so eigenschaftslos, so lapidar?

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