Muse del Oro




Zitat

Die in ihrer Art einmalige Ausstellung, an der 2.300 Aussteller aus 22 Ländern teilnahmen und die bis Juli 1914 etwa 2,3 Millionen Gäste anzog, wurde ausgerechnet bei der Feier zu Ehren Johannes Gutenbergs am 28. Juni jäh gestört. Ludwig Volkmann schrieb später darüber: »Das Denkmal des großen Wohltäters der Menschheit war feierlich enthüllt worden und die Vertreter aller Staaten hatten Kränze mit großen Schleifen in ihren Landesfarben huldigend daran niedergelegt, als der Leiter des Ausstellungspostamtes in tiefer Erregung zu mir kam und mir leise die Kunde von der entsetzlichen Mordtat in Serajewo [!] mitteilte. Und bald, als am österreichischen Hause die Fahnen auf Halbmast sanken, wußten alle, was geschehen war.« Die Ereignisse folgten rasch aufeinander, und am 1. August war der große Krieg da. Die Bugra mit dem Anspruch auf Internationalität ging zwar weiter, wenn auch mit Einschränkungen, denn die kriegführenden Mächte schlossen ihre Ausstellungshäuser, viele Vertreter der neutralen Staaten reisten ab, andere wurden interniert. Am 18. Oktober, dem Tag der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahr 1813, schloss die Ausstellung ihre Tore.

Monika Estermann, Das Buch im Zentrum: Die Bugra 1914

Monika Estermann / Frieder Schmidt, Die Buchkultur im 19. Jahrhundert, Band II, 1: Zeitalter, Materialität, Gestaltung, Hamburg 2016, 501 Seiten (Maximilian-Gesellschaft)

 (Zitat S. 69)

 

 

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Iablis aktuell

Thema 2017: Die (leid)geprüfte Demokratie

Ein Grundmaß der Demokratie ist die Heuchelei, die von ihren Feinden aufgewandt wird, um ihre Einstellungen öffentlich zu verbergen. Wer vorgeben muss, demokratischen Zielen zu folgen, obwohl ihm nichts oder wenig an ihnen liegt, obwohl seine Handlungen, objektiv betrachtet, Demokratieabbau betreiben oder ihm Vorschub zu leisten, steht vermutlich stärker unter dem Druck einer demokratisch gesinnten Öffentlichkeit als sein Geistesverwandter, der offen und mit der Zustimmung maßgeblicher Bevölkerungsteile – darunter die Justiz seines Landes – seine Ziele verfolgen kann. Demnach wäre die Fallhöhe – und damit der erreichte Grad an Demokratie – dort am größten, wo die meiste Energie und Findigkeit in das Verbergen, Vertuschen und Leugnen gegen sie gerichteter Handlungen und Gesinnungen fließt, wobei die nicht aus der Welt zu schaffende Unsicherheit über die ›wahren‹ Gesinnungen der Handelnden daran erinnert, dass jenes Maß von Haus aus polemisch ist und daher nur hypothetisch zum Einsatz gelangen kann.

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