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Die Wellengleichung

Wellen und Wirbel waren schon für die griechischen Naturphilosophen vor 2500 Jahren das gängige Modell zur Beschreibung der Natur (u.a. Demokrit, 460 – 371 v.Chr.). Praktische Anwendungen finden sich von der Sendetechnik der Götter [1], über diverse Geheimgesellschaften bis hin zu den Freimaurern. An dieser Stelle wäre zwar ein großer Informationsbedarf vorhanden, zumal viele Mitglieder solcher Gesellschaften gar nicht mehr wissen, welche Bedeutung ihre kultischen Handlungen ursprünglich einmal hatten.

Nein, ich möchte dieses Kapitel* anders beginnen, denn ich sehe die Wurzeln der Skalarwellen in der Mathematik. Es war der französische Mathematiker und Freimaurer d’Alembert, der die Wellengleichung als erster 1747 angeschrieben hat. Mit dem nach ihm benannten Operator schreibt sich die Gleichung sehr einfach an (…).

Er konnte damit die schwingende Saite eines Musikinstruments mathematisch beschreiben und das war sein selbst gestecktes Ziel gewesen.

Sein Schüler Laplace teilte diesen Operator auf, in einen Term, der die zeitliche Verteilung und in einen Term, der die räumliche Verteilung einer Feldgröße beschreibt. Letztere, verteilt in den drei Richtungen des Raumes, kürzte er mit dem Delta-Operator ab, der ihm zu Ehren auch als Laplace-Operator bezeichnet wird. Seine Schreibweise der Wellengleichung ist die heute in allen Lehrbüchern gebräuchliche.

James Clerk Maxwell

Erst über 100 Jahre später befasste sich von 1861 bis 1864 der Schotte James Clerk Maxwell als Mathematiker und Physiker mit der Welle [2]. Für den Professor am King’s College in London gehörten die Wellengleichung und deren mathematische Lösungen zum damaligen Lehrstoff. Weiter waren die Grundlagen der Elektrizitätslehre durch Coulomb u.a. sowie die des Magnetismus durch Oerstedt, Weber und Ampère bereits bekannt.

Maxwell griff die Entdeckung der Induktion durch Faraday auf, der damit eine Brücke zwischen beiden Disziplinen gefunden hatte, und formulierte dies als ein mathematisches Gesetz. So messen wir bei der einfachen Ableitung des magnetischen Feldes nach der Zeit eine elektrische Spannung.

Die Wellengleichung sieht aber eine zweite Zeitableitung vor. Da kam ihm zu Hilfe, dass er im Durchflutungsgesetz eine neue Größe einführen konnte, um die Kontinuitätsgleichung nicht zu verletzen. Diese nach ihm benannte Größe eines zunächst postulierten Verschiebungsstromes tritt ebenfalls in der ersten Zeitableitung im Durchflutungsgesetz nach Ampère auf, weshalb er jetzt diese erweiterte Gleichung (1. Maxwellgleichung) und das Induktionsgesetz (2. Maxwellgleichung) ineinander einsetzen konnte. So ergibt sich die zweite Zeitableitung, genau gleich wie bei einer Welle.

Maxwell reichte seinen Aufsatz (Eine dynamische Theorie des elektromagnetischen Feldes) bei der Royal Society ein [3]. Er kommt zu dem Schluss: Mit der Erweiterung des Ampèreschen Gesetzes gelingt die Herleitung einer elektromagnetischen Welle, die sich mit der Geschwindigkeit des Lichtes ausbreitet und auch sonst alle Eigenschaften des Lichtes besitzt. Das lässt den Schluss plausibel erscheinen, dass Licht eine solche elektromagnetische Welle sei.

Damit hatte sich Maxwell Freunde und Feinde geschaffen. Die einen hoben ihn auf den Cavendish-Lehrstuhl in Cambridge, letztere störten sich an dem Begriff ›Elektromagnetismus‹, weil hier zwei ›wesensfremde‹ Disziplinen in einen Topf geworfen werden, oder sie wollten das ›Postulat‹ nicht akzeptieren. Erst nach seinem frühen Tod ist man in der Lage gewesen, die postulierten Verschiebungsströme messtechnisch nachzuweisen, was nachträglich die Größe dieses Mannes belegt. Heute sind die Kritiker stumm, aber zu seiner Zeit musste er sich mit diesen Holzköpfen herumschlagen, die möglicherweise an seinem Magenkrebs nicht ganz unbeteiligt waren.

Maxwell konnte allerdings nur einen Teil der Wellengleichung auf seinem Rechenweg herleiten und der beschreibt eine elektromagnetische Welle als transversale Querwelle. Die longitudinalen Wellenanteile konnte er nicht herleiten. War seine Feldbeschreibung also nicht komplett? Er schlug vor, ein Vektorpotential einzuführen, so wie es heute in der Elektrodynamik gebräuchlich ist.

Alternativ gab er seine Gleichungen 1873 noch in einer quaternionischen Darstellung an, die zur damaligen Zeit gerade in Mode gekommen war, sich aber nie durchsetzen konnte. In dieser Darstellung werden auch die longitudinalen Wellenanteile, die sog. Skalarwellen beschrieben, worauf Thomas Bearden stets hinweist [4]. Nur hilft uns das nicht weiter, weil die Darstellung in Quaternionen zu keinem Zeitpunkt je verifiziert oder experimentell bestätigt worden war. Sie ist schlicht in der Mottenkiste der Weltgeschichte untergegangen.

Tesla oder Hertz?

Erst 22 Jahre später, 1886, konnte Heinrich Hertz als Professor in Karlsruhe den experimentellen Nachweis für die Existenz elektromagnetischer Wellen führen, als großartige Bestätigung der Maxwellschen Herleitung. Die Welt der Wissenschaft wiederholte die Experimente und bestätigte prompt die Entdeckung der Rundfunkwelle.

Doch da meldete aus New York ein Privatforscher Einspruch an. Nikola Tesla meinte, nicht Hertz sondern er habe die richtige Welle entdeckt. Ein offener Streit war da. Doch wer hatte Recht?

Energie, so argumentierte Tesla, wird nur von einer longitudinalen Welle übertragen, und nicht von einer transversalen elektromagnetischen Welle. Um dies zu demonstrieren nahm er eine selber entwickelte Gasentladungslampe in die Hand, und ließ sie ohne Drahtverbindung im Feld eines Senders leuchten. So konnte er die drahtlose Energieübertragung eindrucksvoll demonstrieren.

Bei dem Experiment, das sein Konkurrent Hertz durchgeführt hatte, war der Blitz in einer Funkenstrecke, die sich zwischen den beiden Dipolstäben befand, zu einer identisch aufgebauten Anordnung übertragen worden. Hier, beim Empfänger, konnten die Studenten sehen, wie der Überschlag ankam. Das, so Tesla, ist aber eine Energieübertragung und die bestätigt die Existenz einer longitudinalen Welle. Die Argumente waren durchaus stichhaltig, aber durchsetzen konnte sich Tesla nicht.

Tesla war ein brillanter Experimentalphysiker. Nur, was die Feldtheorie angeht, war ihm Heinrich Hertz deutlich überlegen. Der hatte nämlich die Publikationen von Maxwell eingehend studiert und gezielt nach der transversalen Welle gesucht. Hätte er nach einer longitudinalen Welle gesucht, dann hätte er wohl auch die bestätigt gefunden, denn die Wellengleichung beschreibt ja beide Wellen als zwei Aspekte oder Anteile einer Wellenfunktion.

Während Hertz immer nur seinen Wellenanteil sehen wollte, hatte Tesla in einigen Berichten Vergleiche zwischen beiden angestellt. Seine Welle, die Skalarwelle, bildet Schwingungsknoten aus. An den Maxima bündeln sich die Feldlinien, weshalb nur wenige Feldlinien verloren gehen. Die Folge ist ein sehr hoher Wirkungsgrad und die Möglichkeit einer Energieübertragung. Die Hertzsche Welle sei reine Energieverschwendung, sagt Tesla, da die Feldlinien in alle Richtungen streuen.

Anlässlich der Verleihung der Edison-Medaille sagte Tesla in seiner Festrede: »Bei meinem System spielt die Entfernung keine Rolle. Der Wirkungsgrad der Übertragung kann bis zu 96% oder 97% betragen und es gibt praktisch keine Verluste, außer solche, die sich unvermeidlich aus dem Betrieb der Maschinen ergeben. Wenn kein Verbraucher vorhanden ist, wird auch keine Energie abgegeben und wenn der Verbraucher eingeschaltet wird, dann zieht er Energie ab. Das ist das genaue Gegenteil des Hertzschen Systems, das die ganze Zeit Energie abstrahlt, ob nun Energie verbraucht wird oder auch nicht«.

Mit dem Aufkommen der heute gebräuchlichen Vektoranalysis konnten auch die Maxwellschen Feldgleichungen in einer abgekürzten und eleganten Schreibweise neu formuliert werden. Oliver Heaviside kümmerte sich in einem Beitrag 1892 um diese Frage. Im Vordergrund damaliger Überlegungen stand die Forderung, nur solche Phänomene in die neue Schreibweise aufzunehmen, die messtechnisch auch bewiesen sind. Solche, die ohne Nachweis sind, die haben nach dieser Denkblockade in der neuen Formulierung keinen Platz.

So wurde Tesla und seine Skalarwelle aus den Maxwell-Gleichungen verbannt, die ab sofort nur noch elektromagnetische Wellen beschreiben. Hertz war überaus zufrieden und nickte die retardierte Form der Feldgleichungen ab. Er hatte den Streit gegen Tesla gewonnen.

Wirbelphysik?

Der brillante Feld- und Wirbelphysiker Hermann von Helmholtz besuchte Tesla 1893 an seinem Messestand auf der Weltausstellung in Chicago und ließ sich die Experimente zeigen. Er war wohl der erste gewesen, der erkannt hat, dass der Streit den Blick der Gemeinde der Wissenschaften getrübt hatte, dass möglicherweise beide Forscher Recht haben und beide Wellen existieren.

Er wies den jungen Tesla darauf hin, dass für die longitudinale Welle irgendwelche Feldstrukturen existieren müssen, mit skalarem Charakter. Die so entstehende Stoßwelle, der Schallwelle ähnlich, würde ich heute als Skalarwelle bezeichnen. Helmholtz regte an, seine Ringwirbelmodelle zu verwenden, um die notwendigen Feldstrukturen zu beschreiben. Das setzt allerdings eine Erweiterung der Maxwell-Gleichungen voraus.

Wenn ich die Urheber für die Skalarwellen benennen sollte, dann würde ich als theoretischen Physiker Hermann von Helmholtz benennen und als Experimentalphysiker natürlich Nikola Tesla.

Auch Lord Kelvin hatte sich anlässlich seines Besuches bei Tesla im Jahre 1897 von der Existenz beider Wellen überzeugen lassen. Von Kelvin sind ebenfalls Skizzen und Publikationen über seine Ringwirbel bekannt. Er empfahl Tesla, von Strahlung und nicht von einer Welle zu sprechen. Nur wird die Empfehlung dem Phänomen auch nicht gerecht.

Doch dann bahnte sich Max Planck den Weg zu einer neuen Physik, der Quantenphysik, mit der alle weiteren Bemühungen um die Wirbelphysik beendet wurden. Letztlich gab die Quantenphysik den Feldwirbeln und deren Ausbreitung als Skalarwelle den finalen Todesstoß, zumindest vorläufig. Der Nachhall: »Es kann doch gar keine Skalarwellen geben« ist bis in heutige Tage noch zu hören.

Von da an sind die verkürzten Feldgleichungen das Maß aller Dinge. Die Wellengleichung tritt in den Hintergrund und wird fortan nur noch für den Fall elektromagnetischer Wellen benutzt. Auf diesem Stand bewegen sich fast alle heutigen Wissenschaftler, besonders im amerikanisch dominierten Westen. Nach Tesla waren selbst Nobelpreisträger wie Louis de Broglie und letztlich auch ich an dieser Klagemauer gescheitert. Aber die Mauer weicht ganz langsam auf.

Wir wissen nicht, welche physikalischen Modelle Nikola Tesla geleitet haben. Er gibt selber an, es seien Eingebungen gewesen. Die aber waren zur Lehrbuchphysik nicht widerspruchsfrei, weshalb er auf eine Veröffentlichung verzichtet hat. Nur, so ganz falsch können die doch nicht gewesen sein, angesichts der großen Entdeckungen und Erfindungen Teslas.

Seine schriftliche Hinterlassenschaft besteht aus einigen Zeitungsartikeln, die z.T. gar nicht von ihm selber, sondern von seinem Herausgeberfreund Robert Underwood Johnson formuliert worden waren, und aus Patenten, die seine Anwälte in der Art formuliert haben, dass sie für einen durchschnittlich ausgebildeten Patentprüfer akzeptierbar erscheinen.

Tesla hat sich wenig um die Theorie bemüht. Er hatte auch keine gute Meinung von den Theoretikern, was in seinem Statement deutlich wird: Die heutigen Wissenschaftler haben Experimente durch Mathematik ersetzt und sie wandern von einer Gleichung zur anderen und bauen schließlich ein Gebäude auf, das absolut keinen Bezug zur Realität hat!

Tesla-Technik

Nikola Teslas Weltbild bestand aus dem, was er bei seinen Experimenten beobachten konnte, und er schaute sehr genau hin. Man kommt kaum umhin, seine Auffassungsgabe zu bewundern.

Er erkannte beispielsweise an dem Schattenbild auf dem Schirm einer Bogenlampe die Funktion eines Elektronenmikroskops, oder an dem fehlenden Widerstand bei vorgekühlter Flachspule das Prinzip der Supraleitung, und das lange bevor diese Dinge von anderen Forschern (wieder-) entdeckt wurden.

Bedenkt man den Stand der Schaltungstechnik vor 100 Jahren, dann hatten die Aufbauten mehr mit Feinwerktechnik als mit Elektronik zu tun. Seine Brückengleichrichter oder Pulsweitenmodulatoren wurden als drehbare Rotoren gebaut.

Mit Seewasser oder Öl gefüllte Behälter ersetzten heutige Elektrolytkondensatoren. Über die Füllhöhe verstellte er die Kapazität.

Wo wir heute Funktionsgeneratoren einsetzen, arbeitete Tesla mit selbst entworfenen Funkenstrecken-Apparaten. »Wenn er eine auf Hochspannung aufgeladene Kondensatorbank über eine Funken-Entladung kurzschließt, dann entsteht maximal viel Unruhe im System«, sagt er.

Er war sehr fleißig gewesen und so manches Mal half ihm eine gute Portion Glück.

Tesla war jedenfalls nicht der Magier gewesen, wie seine Biographin Cheney ihn sehen möchte [4]. Wer ihn verstehen will, muss sich gedanklich in die damalige Situation versetzen. Die Elektrotechnik machte gerade große Fortschritte, überwiegend auf der Basis des Gleichstromes.

Der Gleichstrommotor war in einem deutschen Gefängnis in Wittenberg erfunden worden. Der Insasse war wegen der Teilnahme als Sekundant bei einem Duell erwischt und verurteilt worden. Die Ruhe sollte dem Hitzkopf Gelegenheit geben, darüber nachzudenken, dass man sich wegen eines Mädchens so etwas nicht antut. Stattdessen grübelte er über das technische Problem eines Kommutators nach, mit dem die Wicklung eines Ankers derart umgeschaltet wird, sodass die magnetischen Kräfte im Luftspalt bei Drehung des Ankers erhalten bleiben. Das Patent von 1866, das er nach seiner Entlassung einreichte, machte seinen Namen berühmt: Es war Werner Siemens (ab 1888 W. von Siemens). Diese Erfindung und der entsprechende Bau des ersten Stromerzeugers begründet die komplette Elektrotechnik.

Doch der Gleichstrom hat einen Nachteil. Er lässt sich nicht transformieren und folglich nicht über große Entfernungen transportieren. Niedrige Spannungen bedeuten als Folge hohe Ströme, dicke Kupferkabel und hohe Stromwärmeverluste.

In Amerika verdiente Edison mit den Gleichstromgeneratoren viel Geld. Heute lassen sich diese am ehesten mit kleinen Notstromaggregaten vergleichen, die damals an jeder Straßenecke, z.B. in New York aufgestellt waren.

Von Wechselstrom wollte Edison nichts wissen. Er hielt den sogar für gefährlicher als Gleichstrom, was gar nicht stimmt. Aber im Zuge des ›Stromkrieges‹ gegen Tesla ließ er z.B. eingefangene Straßenhunde öffentlich mit Wechselstrom exekutieren und die Kadaver vor die Türe von Teslas Labor werfen.

Tesla hingegen hatte die Zukunft des Wechselstromes erkannt. Seine Drehstromtechnik und das zugehörige Patent zur Mehrphaseninduktion von 1888 hat sich heute weltweit durchgesetzt. Aber bis dahin musste Tesla einen langen und zum Teil sehr einsamen Kampf kämpfen.

Die Teslaspulen

Tesla wollte elektrische Energie über große Entfernungen mit möglichst wenigen Verlusten übertragen. Dazu musste er den Strom senken und auf der anderen Seite die Spannung steigern. Er stellte sich die Frage, wie hoch sich die Spannung steigern lässt, und weiter: gibt es hier eine Obergrenze?

Also baute er Hochspannungstransformatoren, die die Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte und die heute als Tesla Trafo bekannt sind. Mancher Autor, dem die Hintergründe unbekannt sind, nennt Tesla auch ›Herr der Blitze‹. Doch im Vordergrund stand stets die technische Funktion und nicht der Show-Effekt.

Die Hochspannung bereitete dem Erfinder zusätzliche Isolationsprobleme. Er ließ sich eine eigenwillige Wickeltechnik einfallen. Der Fußpunkt der Spule musste stets geerdet werden. Die Primärwicklung besaß beispielsweise zwei Windungen und wurde von einem Kondensator angeregt, der auf 60.000 V aufgeladen war. So wurden in jede einzelne Windung auf der Sekundärseite 30.000 V induziert. Nach zwei Windungen waren es dann schon 60 KV, nach drei Windungen 90 KV, nach vier 120 KV und so weiter. Mit jeder Windung musste also der Abstand zum Erdungspunkt größer werden, um Überschläge zu vermeiden. Es darf also nur einlagig gewickelt werden, wobei sich zwei Lösungsvorschläge anbieten. Tesla untersuchte beide.

Zuerst entstand die Zylinderspule, die er senkrecht aufstellte. Das untere Ende wurde geerdet, während am oberen Ende die hoch transformierte Spannung verfügbar ist. Hier wird in der Regel eine Kugelelektrode angebracht, wo die entstehenden Blitze einschlagen, wenn die Anordnung in der Eigenresonanz aufschwingt. In diesem Fall ist die Spule vollständig symmetrisch, was bedeutet, dass die beiden Wicklungsenden ausgetauscht werden können, ohne dass sich etwas ändern würde.

Beim zweiten Lösungsvorschlag wickelt Tesla eine Flachspule von innen nach außen. Das innere Ende verbindet er mit der Kugelelektrode und das äußere Spulenende mit der Erdung. Bei dieser Anordnung ist ein Vertauschen der Wicklungsenden nicht möglich, wegen der vorhandenen Unsymmetrie. Dafür beobachtet Tesla Eigenschaften, die so ungewohnt sind, dass er der Flachspule ein eigenes Patent widmet [6].

Mit dieser Anordnung, bestehend aus Kugelkapazität und Flachspule, so sagt Tesla, kann man Energie aus der Umgebung einsammeln. Wird dieser Reihenschwingkreis in der Eigenresonanz angeregt, so verliert die Induktivität ihren Wert. Übrig bleibt ein reiner Widerstand.

Das Energieeinsammeln soll angeblich die Spule abkühlen. In einem Vortrag am 6.April 1897 vor der New Yorker Akademie der Wissenschaften gibt Tesla einen ersten Hinweis: »Selbstinduktion und Widerstand des Entladestromkreises sind soweit wie möglich zu reduzieren, einerseits in der Absicht, die schnellstmöglichen Schwingungen zu erreichen und andererseits hauptsächlich aus Gründen der Wirtschaftlichkeit. Ich habe herausgefunden, dass es in der Praxis zwingend notwendig ist, dünne Kupferbänder für die Primärspule zu verwenden, und mit diesen wurde eine seltsame Beobachtung gemacht: Es kommt nämlich vor, dass unter bestimmten Bedingungen die Primärspule im Dauerbetrieb kühler wird«.

Tesla hat daraufhin die Spule mit flüssiger Luft vorgekühlt und nach eigenen Angaben einen Zustand der Supraleitung erreicht, den er mit den Worten beschreibt: »Und jetzt verliert der Schwingkreis auch noch seinen ohmschen Widerstand« [7].

Die wichtigste Eigenschaft der Flachspule besteht jedoch in dem Abstrahlen longitudinaler Wellen. Sie bildet von da an die Grundlage der Übertragungstechnik von Energie und Information nach Tesla. Es ist die Geburtsstunde des Skalarwellensenders. Tesla bezeichnet ihn als Magnifying Transmitter, weil dieser seinen Verstärkungseffekt aus dem Energiezugewinn der Umgebung zieht.

Für den Empfänger wählt er die identische Anordnung, da er beabsichtigt, beide in eine exklusive Resonanz zu bringen [8]. Um die Jahrhundertwende ist es an der Zeit, einen eigenen Versuchssender auf dieser Basis zu bauen. Da die biologische Verträglichkeit noch nicht erforscht ist, zieht es Tesla vor, Manhatten zu verlassen und die Versuche besser auf einer Weide nahe Colorado Springs, weitab von jeder menschlichen Besiedlung fortzuführen.

Colorado Spring Notes

Der Sender, den Tesla 1899 in einer Art Scheune aufbaute, hatte eine Anschlussleistung von ca. 10 KW. Die in den Colorado Spring Notes aufgezeichneten Tagebuchnotizen erlauben noch heute einen gewissen Einblick in das damalige Vorgehen des Erfinders. Für einen genauen Nachbau sind die Angaben allerdings zu wenig präzise. Wenn er das Kabel Nr.8 einsetzt, dann wusste sein Assistent ganz sicher, was gemeint war, aber wir wissen es heute leider nicht. Die Ergebnisse und der Erkenntnisgewinn waren erheblich.

Mit einem tragbaren Testempfänger lief er über die Weide und steckte von Zeit zu Zeit den Erdungsstab in den Boden. In einer Regelmäßigkeit leuchtete dabei die Lampe auf oder auch nicht.

Mit dem Aufsuchen der Wellenknoten demonstrierte Tesla den angereisten Journalisten, dass es sich um eine stationäre oder auch stehende Welle mit longitudinaler Ausbreitung handelt. Hier, auf 2500 m Höhe, fand die erste öffentliche Demonstration einer Skalarwelle statt.

Nachdem Tesla das Gebäude betreten und den Sender eingeschaltet hatte, beobachteten die Journalisten eine zunehmende Unruhe bei den Tieren auf der Weide. Bei einigen Pferden sollen sogar Blitze aus den Hufeisen geschlagen sein. Plötzlich kehrte wieder Ruhe ein und Tesla trat aus seiner Scheune heraus zu den Journalisten. Er hatte den Resonanzpunkt gefunden und deutete auf Lampen hin, die in einer Entfernung von 30 Meilen auf einem nahe gelegenen Berg in den Rocky Mountains leuchteten.

 Dabei konnte Tesla in der Scheune die Lampen gar nicht sehen. Er schaute stattdessen auf sein Ampère-Meter. Im Fall der Eigenresonanz nämlich ging die Anzeige weit zurück, was Tesla so deutete, dass jetzt Energie aus der Umgebung unterstützend wirkte.

Viele Leser interessierten sich hingegen mehr für die biologischen Effekte, die mich noch heute veranlassen, Skalarwellensender niemals ohne abgestimmten Empfänger zu betreiben. Wird die abgestrahlte Leistung nämlich komplett wieder eingesammelt, dann entstehen keine Übertragungsverluste, keine Streufelder und folglich auch keine biologischen Auswirkungen.

Der Versuchssender in Colorado konnte auf wenige Hertz bis in den Bereich der Erdresonanz heruntergefahren werden. Bei knapp 6 Hertz konnte Tesla das erste Mal den Knoten der abgestrahlten Welle wieder am Fußpunkt seine Spule nachweisen, nachdem die einmal um die Erde gelaufen war. Das wäre nach der halben Wellenlänge zu erwarten. Also berechnet er für die Eigenresonanz der Skalarwelle der Erde 11,8 Hz aus und unter der Annahme, dass die Welle über die Erdoberfläche gelaufen war, eine Geschwindigkeit von 471.240 km/s. Damit wäre seine Welle 1,57 mal schneller gewesen als das Licht.

1900 im Waldorf-Astoria, New York

Nicht ohne Stolz kehrt Tesla wieder nach New York zurück und speist wie früher im edlen Hotel Waldorf Astoria. An seinem Tisch sitzen einflussreiche Banker und neugierige Unternehmer. Tesla erzählt von seinem Abenteuer in Colorado Springs.

»Ich konnte Spannungen von bis zu 20 Millionen Volt erzeugen und irgendwelche Radiosignale aus dem Weltall empfangen«. Die Zuhörer waren gefesselt. »Einmal ist es mir gelungen, einen dichten Nebel zu erzeugen. Der Dunst war außerhalb des Gebäudes, aber als ich den Strom einschaltete, wurde die Wolke im Laboratorium so dicht, dass ich meine eigene Hand in einer Entfernung einiger cm kaum mehr sehen konnte. Wenn wir ein entsprechend konstruiertes und betriebenes Kraftwerk in einer trockenen Gegend errichten, dann werden wir damit beliebige Wassermengen für die Bewässerung und für Energiezwecke von den Meeren abziehen können.«

»Wenn die große Übertragungsspule mit einem Durchmesser von 15 Metern, die sich in der Mitte des Laboratoriums befand, stark aufgeladen wurde, dann wurden Schmetterlinge wie in einem Hurrikan im Kreis herumgewirbelt, und sie konnten trotz aller Anstrengungen nicht entkommen!«

»Ein anderer sehr seltsamer Effekt war die Wirkung auf Pferde. Wenn ich mit ungedämpften Wellen arbeitete und der Oszillator kein Geräusch von sich gab, also keine Entladungen vorhanden waren, dann wurde ein Pferd in einer Entfernung von vielleicht einem Kilometer in Angst versetzt und galoppierte sofort davon, wenn der Strom eingeschaltet wurde«.

Tesla hatte viel zu erzählen. Unter den faszinierten Zuhörern saß auch der damals reichste Amerikaner. Es war der Bankier J.P. Morgan. Er fragte Tesla: »Was brauchen Sie? Ich habe eine Flotte und da hätte ich gerne einen jederzeitigen Funkkontakt zu den Schiffen. Lässt sich das realisieren?« Tesla sagte »ja« und J.P. Morgan finanzierte das Abenteuer auf Long Island in einem Zeitraum zwischen 1901 und 1904. Hier entstand nach Teslas Plänen der Wardenclyffe Turm und daneben noch ein Rundfunkgebäude, das Tesla zudem als Labor nutzen wollte.

Guglielmo Marconi

Doch da tauchte ein Konkurrent auf, der Italiener Marconi. Ihm gelang am 12. 12. 1901 die erste transatlantische Funkübertragung. Er gründete in New York die American Marconi Wireless Corporation und konnte 1903 Grußbotschaften vom US-Präsidenten Roosevelt und Eduard VII., König von England, übertragen.

Das interessierte auch J.P. Morgan. Er hatte Tesla einen Auftrag für den Bau eines Radiosenders zur Übertragung transatlantischer Nachrichten erteilt und bekam Zweifel. Er zitierte Tesla zu sich und fragte ihn: »Haben Sie in der Zeitung die Erfolge von Marconi gelesen?«

Tesla gab zu bedenken, dass Marconi für seine Anlage ca. ein Dutzend seiner Patente benutzt hätte. Doch das Argument überzeugte den Bankier nicht. »Zum Betrieb seines Knallfunksenders sind 18 kW notwendig. Wie viel Leistung braucht denn ihr Sender auf Long Island?«

»Nun, die projektierte Sendeleistung des Turms liegt bei 300 kW«, gab Tesla an und rechnete über den Magnifying Effekt hoch auf ca. 7,5 MW. »Damit können wir nicht nur Rundfunksendungen übertragen, sondern auch elektrische Energie, und zwar weltweit! Zum Beispiel können Sie mit der Energie ihre Schiffe antreiben.«

Der Bankier sah das ganz anders. Denn erstens kann dann auch jeder andere die Energie abgreifen und er darf die Energiebereitstellung auch noch bezahlen, und zum anderen war das nicht sein Auftrag gewesen. Er stoppte daraufhin alle Finanzmittel und es kam zum Bruch zwischen Tesla und seinem Geldgeber, der fortan Marconi finanzierte.

Tesla zog sich zurück und trat lediglich durch einige Patente und Artikel, besonders zu dem Thema der Skalarwellennutzung in der Kriegstechnik an die Öffentlichkeit. Das Thema verschwand im Untergrund und wurde zu einem der am besten gehüteten Staatsgeheimnisse.

Literatur

[1] MEYL, KONSTANTIN: Sendetechnik der Götter, INDEL Verlagsabt. GmbH, Villingen-Schwenningen 2004

[2] MAXWELL, JAMES CLERK: A Treatise on Electricity and Magnetism, in 2 Bänden, Oxford 1873, 3. Auflage 1891 (Dover Publ. New York).

[3] — : A Dynamical Theory of the Electromagnetic Field, in: Philosophical Transactions of the Royal Society, Band 155, 1865, S. 459–512.

[4] BEARDEN, TOM E.: Skalar Technologie. Michaels Verlag, Peiting, 2002

[5] CHENEY, MARGARET: Tesla, Man out of Time, Barnes & Noble Books, New York, 1993, und Omega-Verlag, 1996, ISBN 3-930243-01-6

[6] TESLA, NIKOLA: Coil for Electro-Magnets, Patent No. 512,340 (1894) (Patent zur Flachspule)

[7] — : Means for Increasing the Intensity of Electrical Oscillations, Patent No. 685,012 (1901) (Patent zur Supraleitung)

[8] — : Art of Transmitting Electrical Energy Through the Natural Mediums, US-Patent No. 787,412 (1905) (Patent zum Magnifiying Transmitter / Übertragung).

 

Der Artikel ist textidentisch mit dem dritten Kapitel des Buchs von Konstantin Meyl: Der Skalarwellenkrieg, Sachbuch mit autobiographischem Bezug, Indel Verlagsabteilung 2016, S. 39-57 (zu kaufen bei www.k.meyl.de im shop).

 

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