Von Henri Gaudichon - Henri Gaudichon, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=57739970

Themen/Jahrgänge

Ein Turm, Denkmäler, ein Aussichtspunkt auf Rügen, ein Museum, ein Fußballstadion, eine Universität, Straßen, Kasernen, Schulen, Kitas, eine Kirchengemeinde in Berlin-Zehlendorf, ein Handelsschiff der DDR Staatsreederei (1958 bis 1968), ein Regiment der Nationalen Volksarmee (NVA) und ein sozialistisches ›Gewerkschaftsensemble‹, alle trugen bzw. tragen den Namen des im 19. Jahrhundert populären und hochgeehrten Dichters Ernst Moritz Arndt. Der Nationalrat der Nationalen Front der DDR verlieh von 1955 bis 1989 rund 10.000 Mal die ›Ernst-Moritz-Arndt‹-Medaille an verdiente ›Kulturschaffende‹ im Dienste des Friedens und für patriotische Leistungen. Johannes R. Becher wurde mit ihr geehrt und auch der Oberguru der antiwestlichen Polemik, Karl Eduard von Schnitzler.

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Hugo Fischer: Lenin: der Machiavell des Ostens. Erstausgabe hrsg. von Steffen Dietzsch und Manfred Lauermann, Berlin (Matthes & Seitz), o.J. (2017), 327 Seiten

 

Der Name Hugo Fischer (1897-1975) ist außer Kennern von Biografie und Werk der Brüder Ernst und Friedrich Georg Jünger heute kaum jemandem bekannt. Ihn mit der Herausgabe des Buches in Erinnerung zu bringen, ist das Bestreben der Philosophen Steffen Dietzsch und Manfred Lauermann.

Die von ihnen besorgte vorliegende Erstausgabe hat eine verschlungene Genese hinter sich. Das Lenin-Buch sollte im Frühjahr 1933 bei der Hanseatischen Verlagsanstalt Hamburg erscheinen. Einige Sätze verweisen darauf, dass Fischer noch zu Beginn des Jahres einige Textpassagen eingefügt hat.

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Das Konzept der Oral History berührt Historiker, Praktiker wie Rezipienten, die sich auch außerhalb der traditionellen Geschichtswissenschaft bewegen können. Dieser Ansatz lässt es zu, sich der Geschichte ›von unten‹ bzw. ›von innen heraus‹ zuwenden. Die Zeitzeugenarbeit in der Wissenschafts- und Professionsgeschichte zielt darauf neben den in den jeweiligen Fachkulturen tradierten Narrativen stehender Aspekte subjektiver Erfahrungsgeschichte zu eruieren.

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Eine globale Weltordnung ist utopisch. Wir brauchen eine Multipolarität der Weltmächte. Und die Europäische Union muss darin ihre neue Rolle finden.

Überdehnungen und Verstrickungen des Westens in fremde Händel haben unsere Kräfte geschwächt. Im Gegenzug ist etwa der russische Nationalismus und vor allem der islamistische Universalismus erstarkt. Mit dem umgekehrten, nach innen gerichteten Universalismus von ›offenen Grenzen‹ wurden unterschiedslos flüchtenden Opfern und islamistischen Tätern Wege nach Europa geebnet.

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»Homo homini lupus«, schreibt Hobbes in De Cive (1657). Damit meint er, in heutiger Sprache ausgedrückt, dass Gewalt und Macht (das Ergebnis erfolgreicher Gewaltausübung) immer eine zentrale Rolle bei der menschlichen Vergesellschaftung spielen. Wie Aggression und Neigung zur Gewalt im Zusammenleben begrenzt werden können, ist das zentrale Thema der politischen Philosophie. Einerseits brauchen wir das staatliche Gewaltmonopol, um chaotische, private Gewalt zu minimieren. Andererseits tendieren die Amtsträger, die das Monopol ausüben, stets dazu, diese gewaltige Macht, deren Breite und Tiefe mit dem technischen Fortschritt immer weiter zunimmt, zu ihren Gunsten zu verwenden. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie das Monopol im Rahmen einer Dynastie, einer Wahlmonarchie, als kommunistische Diktatoren wie in der UdSSR oder (noch heute) in China oder als auf Zeit gewählte Inhaber der Exekutivgewalt demokratischer Staaten innehaben: Die Tendenz zum Missbrauch der Macht ist im Wesen des Menschen verwurzelt und daher immer vorhanden.

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Heinz Theisen: Der Westen und die neue Weltordnung, Stuttgart (Kohlhammer) 2017

Der Autor legt mit seinem neuesten Werk eine brillante Analyse der sich abzeichnenden Veränderungen der Weltordnung vor und zeigt Ansätze auf, die aus der daraus resultierenden, teilweise selbstverschuldeten, Krise des Westens führen könnten. Nach dem Ende des Kalten Krieges erschienen die westlichen Demokratien als Sieger eines Wettbewerbs der Systeme. Der »Westen« ist mittlerweile nur noch – wie wir wissen – ein wichtiger politischer Player neben vielen anderen Akteuren, die auch noch in Ihrer Interessenlage recht unterschiedlich aufgestellt sind und eine unübersichtliche Lage erzeugen. Hier setzt der Autor an: Während der Westen zunehmend durch politische »Überdehnungen« an Einfluss verliere...

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Wenn eine Philosophie vollständig ist und systematisch, muss sie auch das Politische einschließen. Ich würde nur sagen, ich sehe keinen Unterschied zwischen dieser politischen Philosophie und den großen Grundsätzen eines vernünftigen Lebens im Sinne des Christentums. Christliche Philosophie, wie ich sie verstehe, ist ein vollständiges Aufnehmen des Evangeliums, und das ist vor allem eine Anrede, ein Anruf an das Individuum, und in diesem Sinne finden sich hier Normen für die Gesellschaft. Wie Sie wissen, orientieren wir im Unterschied etwa zum Islam mehr und mehr auf die freie Initiative der Bürger, auf die großen Grundsätze der Achtung vor dem menschlichen Leben, auf Eintracht und auf die friedliche Lösung der Konflikte.

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Beim Institut für Zeitgeschichte (IfZ) ist ein Projekt »Die Geschichte der Treuhandanstalt« angesiedelt. Anhand der Treuhandakten, die seit einigen Jahren kontinuierlich in das Bundesarchiv zur Einsicht für jedermann überführt werden, forschen elf Wissenschaftler jeweils über Teilaspekte der Treuhandarbeit. Das Projekt ist auf vier Jahre angelegt. Zur Halbzeit fand am 31.1./1.2. 2019 das erste wissenschaftliche Symposion zur Treuhand statt, auf dem erste Forschungsergebnisse vorgestellt wurden. Das öffentliche Interesse tendierte gegen Null. Lediglich zwei Journalisten haben an der Veranstaltung teilgenommen. Das steht in einem schwer erklärlichen Kontrast zu der Tatsache, dass seit etwa einem Vierteljahr die öffentliche Aufregung über die Arbeit der Treuhand enorm angeschwollen ist. Petra Köpping behauptet in ihrem Buch Integriert erst einmal uns (2018), die Treuhand habe die (geheime) Aufgabe gehabt, die westdeutsche Wirtschaft vor der ostdeutschen Konkurrenz durch Plattmachen zu schützen. Franziska Augstein will entdeckt haben, dass das Wüten der Treuhand in Ostdeutschland schuld sei an ostdeutschem Rechtsextremismus.

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Ob ›die Politik‹ seit dem 11. September 2001 neuen Mustern folgt (oder vielleicht doch eher seit dem Ende des Warschauer Pakts und der Sowjetunion oder dem Kosovo-Krieg oder dem 4. September 2015 – dem Beginn der ›Grenzöffnungskrise‹ – oder dem 20. Januar 2017 – dem Tag des Amtsantritts Donald Trumps – oder einem anderen dringend benötigten Orientierungsdatum), scheint eine eher kurzatmige Frage zu sein, vibrierend vom Wunsch nach unerhörten Begebenheiten im Gefolge der Ausbildung bisher kaum im Ansatz analysierter Machtstrukturen und Handlungsoptionen.

Wer die langen Zeiträume überblickt, in denen Politik ›gemacht‹ wurde, dem fallen ohnehin eher Parallelen ein als das Neue. Auffällig ist allerdings, dass sowohl Geo- als Biopolitik in den zurückliegenden Jahren eine Wendung genommen haben, die, obgleich lange vorausgesagt, von vielen so nicht erwartet wurde. Das liegt nicht zuletzt an den vielfältigen Versuchen, beide Politikformen zu fusionieren. Allein das exzessive Deutungsgeschehen um den sogenannten ›Alterungsprozess‹ Europas und einiger anderer Gesellschaften, der scharf mit den Geburtenüberschüssen vor allem islamisch geprägter Weltregionen kontrastiert, ist im Kern politikinduziert und politikgeleitet. Wer das nicht begreift, findet sich rasch im argumentativen und gesellschaftspolitischen Abseits wieder.

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Iablis aktuell

Thema 2019: Formen des Politischen

Ob ›die Politik‹ seit dem 11. September 2001 neuen Mustern folgt (oder vielleicht doch eher seit dem Ende des Warschauer Pakts und der Sowjetunion oder dem Kosovo-Krieg oder dem 4. September 2015 – dem Beginn der ›Grenzöffnungskrise‹ – oder dem 20. Januar 2017 – dem Tag des Amtsantritts Donald Trumps – oder einem anderen dringend benötigten Orientierungsdatum), scheint eine eher kurzatmige Frage zu sein, vibrierend vom Wunsch nach unerhörten Begebenheiten im Gefolge der Ausbildung bisher kaum im Ansatz analysierter Machtstrukturen und Handlungsoptionen.

Wer die langen Zeiträume überblickt, in denen Politik ›gemacht‹ wurde, dem fallen ohnehin eher Parallelen ein als das Neue. Auffällig ist allerdings, dass sowohl Geo- als Biopolitik in den zurückliegenden Jahren eine Wendung genommen haben, die, obgleich lange vorausgesagt, von vielen so nicht erwartet wurde. Das liegt nicht zuletzt an den vielfältigen Versuchen, beide Politikformen zu fusionieren. Allein das exzessive Deutungsgeschehen um den sogenannten ›Alterungsprozess‹ Europas und einiger anderer Gesellschaften, der scharf mit den Geburtenüberschüssen vor allem islamisch geprägter Weltregionen kontrastiert, ist im Kern politikinduziert und politikgeleitet. Wer das nicht begreift, findet sich rasch im argumentativen und gesellschaftspolitischen Abseits wieder.

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