2 male paradise fishes are fighting for territory by their mouth. Quelle: Wikimedia Commons

Iablis

Xavier Tilliette bleibt uns als ein ironischer Connaisseur in Erinnerung; wenn wir jetzt wieder Jean Wahl, Vladimir Jankélévitch oder Merleau-Ponty lesen, hören wir – als Subtext – immer auch seine Anekdoten dazu. Wenn wir ihn in den letzten Jahren im ›Maison des Petites Sœurs des Pauvres‹ in Paris besuchten, erlebten wir einen gerade im Leiden vornehmen, starken, spirituellen Menschen, der für uns Philosophie-als-Gestalt war.

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Lothar Machtan: Kaisersturz. Vom Scheitern im Herzen der Macht 1918, Darmstadt (WBG Theiss) 2018, 352 Seiten

Sigmar Gabriel hat uns daran erinnert, dass auch für sicher Gehaltenes, hier in der Beschwörungsformel: »Bonn« bzw. »Berlin ist nicht Weimar«, infrage gestellt werden kann durch die reale Entwicklung und dann auch in der Wahrnehmung infrage gestellt werden muss. Es ist nicht schwer, die wesentlich günstigeren Bedingungen für das Gedeihen einer parlamentarischen Demokratie in der Bundesrepublik gegenüber der Weimarer Republik zu benennen: von der schlichten Unleugbarkeit der militärischen Niederlage 1945, die einer massenwirksamen Dolchstoßlegende keinen Platz bot, bis zur – auch international – unvergleichlich stärker prosperierenden Wirtschaft. Aber es können, wie wir gesehen haben, neue Tendenzen wirksam werden mit neuen destruktiven Folgen.

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Dass sich deutsche Sozialisten/Marxisten von allem Anfang an mit Nietzsche beschäftigten, ist lange bekannt. Darauf haben Vivetta Vivarelli und Ernst Behler schon mit dokumentarischen Berichten (1984) hingewiesen. – Da wurde Nietzsche sogar von dem vehementen Nietzschekritiker Franz Mehring eine (im Vergleich zu Schopenhauer) viel interessantere philosophische Nähe zu Hegel zugestanden, die es schließlich gestatten wird, ihn dann auch dem Denkkreis von Marx anzunähern. Auch wäre hierbei zumindest eine politische Gemeinsamkeit auszumachen, so Mehring, nämlich die tiefe Kritik beider Antipoden am preußisch-deutschen Nationalismus, der wiederum in Eduard von Hartmann seinen zeitgemäßen Philosophen hatte, der seinerseits von Marx wie Nietzsche gleichermaßen kritisiert wurde.

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Anmerkungen zu einem schwierigen Verhältnis

 

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Ulrich Schödlbauer im Gespräch mit Renate Solbach


Der Übermensch faszinierte, weil er sich als Zusammenfassung französischer Nachkriegsschlager anbot, von Camus’ Mensch in der Revolte bis zum maoistisch geprägten Kulturrevolutionär, und sie in einem Punkte überbot: dem der Selbstgenügsamkeit. Der selbstgenügsame Übermensch genügt vor allem den Erwartungen seiner Ausbeuter, seiner Gedanken-Expropriateure: er ist Ziel und Überstieg der Geschichte, der Erwartete und die Auslöschung der Erwartung, er ist Prozess, Produkt und Beginn, das Plötzliche und die Dauer, mit Musil ließe sich sagen: Seinesgleichen kommt. Man könnte auch sagen: Er ist die Denunziation der Denunziation, vor allem der Denunziation des Kapitalismus durch den Marx-geschwängerten Hegelianismus, der wie der Jäger Gracchus über den Kontinent geisterte, aber das würde manchem nicht schmecken und bliebe, als Formel, so schäbig wie die damit assoziierte Tätigkeit.

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Geschrieben von Felicitas Söhner/Dominic Anders


Gleichberechtigte Teilhabe gilt als wesentlicher Grundpfeiler der demokratischen sozialen Ordnung. Ein historisch entscheidendes Dokument, das deren Bedeutung unterstrich, ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Mit ihr postulierte die Generalversammlung der Vereinten Nationen 1948 in beeindruckender Breite universelle soziale, kulturelle, politische und wirtschaftliche Rechte von Menschen beginnend mit Artikel 1: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.

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Entfesselte Schrift

Essays Band I 

 

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Iablis aktuell

Thema 2018: Die ungleichen Gleichen. Differenz als Unruhe

1 = 1. Das gehört zu den intuitiven Wahrheiten, die immer wieder das Staunen darüber anfachen, dass es Aussagen gibt, an denen zu rütteln hieße, eigene und anderer Leute Zeit zu verschwenden. Andererseits bedarf es keiner besonderen Anstrengung, zweimal denselben Ausdruck hinzuschreiben und ein Gleichheitszeichen dazwischen zu setzen. Spannend wird es dann, wenn links und rechts des Gleichheitszeichen ungleiche Terme auftauchen: A = B. Warum denn das? Muss das sein? Genügt es nicht, A = A sein zu lassen? Warum die Dinge komplizieren? Oder, da sie nun einmal kompliziert zu sein pflegen: Warum das Einfache dadurch komplizieren, dass man es einem anderen Einfachen gleichsetzt? Oder, wenn schon gleichgesetzt werden soll, was sich doch offenkundig unterscheidet, warum so eigenschaftslos, so lapidar?

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