2 male paradise fishes are fighting for territory by their mouth. Quelle: Wikimedia Commons

Iablis

Vor die Wahl gestellt, den bösen Sarrazin zu geben oder den guten, entschied Thilo Sarrazin sich für ein Dasein als Sarrazin. Seither steht er jenseits von Gut und Böse. Das sagt alles über ihn und seine Verfolger, die partout Anti-Sarrazin sein wollen und dabei all das vorbringen, was er gerade widerlegt hat. Das ist nicht verwunderlich, weil Sarrazin nichts behauptet, was nicht alle Welt weiß. Er unterlegt es nur mit Statistiken. Dafür erntet er die Empörung, die seinem Treiben zusteht, vor allem die seiner Partei, deren Menschenbild er so geradlinig vertritt, dass sie ihn unbedingt loswerden will, ohne dass es ihr gelingt.

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»Auf dem jetzigen Grade der Kultur«, schreibt Goethe am 27.3.1830 an seinen Freund Zelter, könne Lessings Emilia Galotti »nicht mehr wirksam sein«. Vielmehr sei dem Stück »Respekt wie vor einer Mumie« zu zollen (MA, Bd. 20.2, 1338). Womöglich ging Goethe schon damals fehl, reagiert er doch auf einen Brief, in dem ihm Zelter von einer Aufführung des Stücks in Berlin berichtete. In der Perspektive gegenwärtiger Kulturgrade, zumal der hitzeträchtigeren, wird man dieses Urteil erst recht kaum teilen wollen. Die Mumie scheint recht lebendig. Das Drama wird nach wie vor aufgeführt… Und es erfährt eine weniger denn je abreißende literaturwissenschaftliche Rezeption, mit einem deutlichen Einschlag in Feminismus und Genderforschung.

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Rousseau, der ›Grüne Prophet‹ (wie ihn Jürgen Stackelberg – und nicht er allein – nennt): Was bedeutet für ihn die Gleichheit, die er sein Lebtag so hochgehalten hat? Er wollte, was dann die radikalen Demokraten der Französischen Revolution, die ›Jakobiner‹, wollten, was auch Kant in das System seiner Moralphilosophie aufgenommen hat: die Gleichheit an die erste Stelle des Programms einer einschneidenden Revolution der Praxis setzen. Nur so, nur durch Wahrung oder vielmehr durch Wiedererringung der Gleichheit hätte die Menschheit in einen erträglichen Gesellschaftszustand (vom Urzustand war ohnehin nicht mehr zu reden) gelangen können.

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Wie schnell, wie radikal schlug die Stimmung in diesen letzten Wochen des Jahres 1989 um. Wir erwachten, geweckt durch die linden Lüfte einer neuen, anbrechenden Zeit, neuer Mut durchströmte uns, wir ahnten, dass wir an tiefgreifenden Veränderungen teilhatten, doch war uns unsere individuelle Bedeutungslosigkeit gegenüber den angeblichen großen Akteuren der Geschichte – der Klasse, der Partei und einigen großen, führenden Persönlichkeiten – dermaßen gründlich eingebläut worden, dass uns der Gedanke, historische Akteure zu sein, anmaßend, maßlos vorkommen musste. Umso heftiger forderten wir, Subjekte unserer eigenen Geschichte zu werden.

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NASSIM NICHOLAS TALEB: Skin in the Game. Hidden Asymmetries in Daily Life, (Penguin Random House) 2018

Angenommen, Sie gehörten zur Klasse höherer, im Verwaltungsbereich tätiger Beamter oder Sie verdienten Ihren Lebensunterhalt, sagen wir, als Professor der obersten Gehaltsstufe, also als jemand, den man bis vor wenigen Jahren in Deutschland als Ordinarius angesprochen hätte, oder Sie wären Politiker*in mit jenem Sternchen, das Ihre Korrektheit in allen beruflichen Lebenslagen zum Ausdruck bringt, oder Sie wären als leitender Angestellter in einer jener Firmen tätig, die aus jedem Börsencrash mehr oder minder gestärkt hervorgehen, und Ihnen gegenüber säße jemand mit einer Pistole in der Hand...

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Vera Lengsfelds politischer Weg bis heute gibt Zeugnis ihrer Motivation für Freiheit und Selbstbestimmung in der Demokratie der Bundesrepublik. Jüngstes und bisher erfolgreichstes Beispiel ihres Wirkens sind die »Erklärung 2018« mit über 160 000 Unterschriften und die »Petition 2018« mit inzwischen mehr als 50 000 Unterstützern. Nach Helmut Schmidt gibt es die Verantwortung der Regierenden und die Verantwortung der Regierten. Vera Lengsfeld nimmt ihre Verantwortung als Regierte wahr und belebt auf diese Weise das Gemeinwesen. Aus diesem Grund schlagen wir dem Bundespräsidenten vor, Vera Lengsfeld mit dem »Bundesverdienstkreuz 1. Klasse« zu würdigen.

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Der entscheidende Satz in den vorstehenden Überlegungen des ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Gunter Weißgerber Wir brauchen einen neuen Pakt zwischen dem Staat und seinen Bürgern lautet: »Ich bin überzeugt, dass kein Kanzler vor Merkel die Tore ohne Rücksprache mit dem Parlament und den europäischen Partnern geöffnet hätte.« Gleichgültig, ob sie einer rückblickenden Analyse des Regierungshandelns...

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Karl Marx selbst hat seine Mehrwerttheorie als das Fundament seiner Kapitalismusanalyse verstanden. Sie besagt, der Wert einer Ware bestehe in der in ihr vergegenständlichten (jeweils gesellschaftlich notwendigen) Arbeitskraft. Dadurch wird der (wahre) ökonomische Wert sozusagen objektiv und messbar. Der Arbeiter wird für seine Arbeit entlohnt. Aber sein Produkt ist mehr wert als sein Lohn (plus die ›Unkosten‹ des Produktionsprozesses: Produktionsmittel, Material, Verschleiß usw.).

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es gibt wirklichkeitsreservate realitätszonen
im zustand vor der vervakuumierung
betretbar wie ein museum oder angelegt als
freizeitpark wo die zeugnisse aufgefundener
ehemaliger lebensweisen zu besichtigen sind

 

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Iablis aktuell

Thema 2018: Die ungleichen Gleichen. Differenz als Unruhe

1 = 1. Das gehört zu den intuitiven Wahrheiten, die immer wieder das Staunen darüber anfachen, dass es Aussagen gibt, an denen zu rütteln hieße, eigene und anderer Leute Zeit zu verschwenden. Andererseits bedarf es keiner besonderen Anstrengung, zweimal denselben Ausdruck hinzuschreiben und ein Gleichheitszeichen dazwischen zu setzen. Spannend wird es dann, wenn links und rechts des Gleichheitszeichen ungleiche Terme auftauchen: A = B. Warum denn das? Muss das sein? Genügt es nicht, A = A sein zu lassen? Warum die Dinge komplizieren? Oder, da sie nun einmal kompliziert zu sein pflegen: Warum das Einfache dadurch komplizieren, dass man es einem anderen Einfachen gleichsetzt? Oder, wenn schon gleichgesetzt werden soll, was sich doch offenkundig unterscheidet, warum so eigenschaftslos, so lapidar?

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