Renate Solbach: Sarkophag

Wissen ist Macht
Nichts wissen macht nichts

ddr-parole


In der Welt gibt es Gutes und Böses und beides kämpft miteinander
ausgerechnet um ihn, hört der Mensch sagen, und den Widerspruch
reinlich bedenkend, scheidet er erstens Gott und den Teufel sauber
voneinander, denn dass Prinzipien ineinander nicht enthalten sind,
ist ihm geläufig.
Er entfernt so auf ewig den Gedanken an einen Gott,
der etwa mit dem Bösen in sich ringt, gar an einen Teufel,
der das Gute entsetzt aus seiner Brust reißt,
und darf sicher sein, hat er derart gedacht, die beiden
werden sich sein Leben lang nicht sehen.
Darum schafft er zweitens ihnen doch einen Ort der Begegnung
in dem, was auch eine Mördergrube heißt oder sein Herz,
um dort das seiner Erfahrung nach eigentliche Schauspiel der Schöpfung
- denn es hält sie in Gang - sich allen Ernstes anzusehen,
unerreichbar freilich für Verdammnis wie Erlösung, weil seine Seele
ihm zu schade zu allem ist, außer zum Perpetuum mobile.
Gleichermassen enthoben der Mühe, sich als Perverser
selbst zu zerstören wie noch über den Engel in sich hinaus zu wachsen,
füllt sich die Null seines Inneren mit Unendlichkeit, keine des etwa
möglichen Noch-Nicht, vielmehr eine des verwirklichten Gar-Nichts,
oder anders gesagt: Gutes und Böses in seiner Brust einigen sich
auf den kleinsten und gemeinsten Nenner - und der heißt EGAL.
EGAL ist ein Zustand restlos erfüllter Nichtigkeit. EGAL ist die
seitenlose Unterschiedlichkeit und beiderseitige Unentschiedenheit.
EGAL ist die Austauschbarkeit von Unschuld und Verführbarkeit.
EGAL worüber verfügt wird, EGAL wodurch man verfügbar ist,
alles bewahrend, was EGAL ist und allem erliegend, weil es EGAL ist,
bleibt DAS GROSSE EGAL als  das Keine von Beiden das Einzige,
was dabei herauskommt.
Das aber ist die LAGE.

 

 

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Iablis aktuell

Thema 2019: Formen des Politischen

Ob ›die Politik‹ seit dem 11. September 2001 neuen Mustern folgt (oder vielleicht doch eher seit dem Ende des Warschauer Pakts und der Sowjetunion oder dem Kosovo-Krieg oder dem 4. September 2015 – dem Beginn der ›Grenzöffnungskrise‹ – oder dem 20. Januar 2017 – dem Tag des Amtsantritts Donald Trumps – oder einem anderen dringend benötigten Orientierungsdatum), scheint eine eher kurzatmige Frage zu sein, vibrierend vom Wunsch nach unerhörten Begebenheiten im Gefolge der Ausbildung bisher kaum im Ansatz analysierter Machtstrukturen und Handlungsoptionen.

Wer die langen Zeiträume überblickt, in denen Politik ›gemacht‹ wurde, dem fallen ohnehin eher Parallelen ein als das Neue. Auffällig ist allerdings, dass sowohl Geo- als Biopolitik in den zurückliegenden Jahren eine Wendung genommen haben, die, obgleich lange vorausgesagt, von vielen so nicht erwartet wurde. Das liegt nicht zuletzt an den vielfältigen Versuchen, beide Politikformen zu fusionieren. Allein das exzessive Deutungsgeschehen um den sogenannten ›Alterungsprozess‹ Europas und einiger anderer Gesellschaften, der scharf mit den Geburtenüberschüssen vor allem islamisch geprägter Weltregionen kontrastiert, ist im Kern politikinduziert und politikgeleitet. Wer das nicht begreift, findet sich rasch im argumentativen und gesellschaftspolitischen Abseits wieder.

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