Epilog I

Wenn ich eine Tochter hätte und sie schriebe mir einen Brief, in dem stünde, dass sie nicht wisse, was sie von mir zu halten hätte, würde ich ihr zurückschreiben...: »Liebe Tochter, dieses Leben ist so beschaffen, dass wir uns praktisch an nichts halten können, obwohl wir uns an so manches halten müssen. In Anbetracht dieser seltsamen Wahrheit kommt es mir nicht zu, dir wirklich zu antworten, aber wenn ich dir antworten wollte, würde ich es folgendermaßen versuchen: ›Liebe Tochter, vergiss nicht, dass du mit deinem Erzeuger korrespondierst. Wenn du mich fragst, was das jetzt wieder soll, kann ich nur antworten, dass es mir aufrichtig leid tut – nicht, dass ich dich gezeugt habe, sondern das, was damals geschehen ist. Wenn du mich jetzt fragst – ich fürchte diese Frage – warum, hat es keinen Spaß gemacht, so antworte ich dir selbstredend ausweichend, schließlich bin ich dein Erzeuger und diese Dinge wollen mit Diskretion behandelt werden. Solltest du dann deine Unschuldsaugen aufsetzen und einen Unschuldsblick über all die Kilometer riskieren, haben wir uns verstanden.‹ So würde ich schreiben, wenn ich dir schriebe, was ich tunlichst unterlasse, da es, wie ich finde, nichts bringt. Lassen wir doch die Vergangenheit ruhen! Sie ist ein schweres Buch und wer liest schon Bücher?« Da ich aber keine Tochter habe und ihr so gerne einen Brief schriebe, halte ich mich an die Bauernregel: Wo nichts ist, setzt es einen tüchtigen Regen.

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