Eine Ougenweide

»Mich rührt deine Gestalt«, sagt ein alter Schlurfer zu einer Schlurferin, die neben ihm schlurft, »was passiert nach diesem Befund?« »Das will ich dir sagen, alter Kinderschänder«, sagt die Schlurferin scharf, »ich zeige dich an und du wirst verknackt.« »Das verstehe ich nicht«, knurrt der Schlurfer, »wo ist hier ein Kind?« »Das Kind bin ich«, sagt die Schlurferin, »du wirst es gleich sehen.« Wirklich zeigt ihre Haut schon Risse, platzt hier auf und dort, ein zierliches Lockenköpfchen schält sich aus der allzu engen Bekleidung, jetzt gibt es ein langes Knistern und die Verwandlung ist abgeschlossen. »Wo kommst du denn her«, fragt der Schlurfer. Aber das Kindchen hat keine Zeit, ihm seine Fragen zu beantworten. Aus dem Jenseits, könnte es, wenn es wollte, ihm zuflüstern. Ist es dort schön, könnte er zurückfragen, ohne sich stimmlich aufzulehnen. Manchmal denke ich, man müsste einfach hineingehen und den Platz für die Möbel ausmessen, das ist alles so vage. Stattdessen schreit das Kindchen, es schreit aus vollem Hals, so dass er sich erschrocken die Nase zuhält. Ich wusste gar nicht, dass Schreien stinkt, denkt er hinter zugehaltener Nase, warum erfährt man solche elementaren Dinge erst, wenn es zu spät ist? Dieses Balg könnte doch ein wenig Rücksicht nehmen. Nein, er weiß wirklich noch nicht, wer hinter ihm steht, sollen wir es verraten? Besser nicht, am Ende dreht er sich um.

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