Herr Schimmelpfennig

Käme Leopold noch einmal zur Welt, so wollte er Schimmelpfennig sein. Er hat schon einiges unternommen, damit sich das machen lässt, aber er spricht nicht darüber. »Ein Schimmelpfennig«, seufzt er, »einmal Schimmelpfennig sein und dann sterben!« Man hat ihn bereits darauf angesprochen, dass es keine Pfennige mehr gibt, aber er hört nicht darauf. »Ihr habt keine Ahnung!« ruft er, »wer so spricht, ist mein Feind.« Da niemand Leopolds Feind sein will, schweigen die Freunde und denken, das wird sich legen. Manchmal haben sie den Verdacht, er weiß gar nicht, wovon er redet und er hat noch nie einen Schimmelpfennig gesehen, aber wenn sie seinen gütigen und wissenden Blick sehen, schämen sie sich und vergessen ganz schnell, dass sie so etwas denken konnten. Währenddessen spart Leopold, denn er möchte sich, wenn er Schimmelpfennig ist, etwas leisten können, schließlich wird er es nicht alle Tage. Er will kein armer Schimmelpfennig sein, o nein, daran hat er kein Interesse. Der Schimmelpfennig, der er sein wird, besitzt ein Haus mit Garten, er fährt alle Tage ans Meer und badet abends in einem Extrakt, der ihn vor allen Wahnideen schützt. »Ein Schimmelpfennig«, so sagt er, »ist stets auf dem Laufenden, ihm kann man kein X für ein U vormachen, ihm nicht. Ein Schimmelpfennig« – und er wirft sich in die Brust, was bei einer Schlange immer etwas gewollt aussieht –, »ein Schimmelpfennig weiß, was abgeht, er hat immer einen Fuß in der Tür und lässt keine Häutung aus.« Dann muss er furchtbar lachen.

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