Ein Papagei

Der Papagei, dieses krächzende Monstrum, steht neben der Tür in einem Ring, den ihm jemand geschenkt oder besser verpasst hat, er tritt von einem Fuß auf den anderen, von einer Kralle auf die andere, und ruft die Leute an, die vorbeikommen und ihm nicht ausweichen können. Was er ihnen zuruft, ist nicht so leicht zu ergründen, es ist immer dasselbe, aber er spricht es unterschiedlich aus, weil er niemanden nachmachen will, am wenigsten sich selbst. Das ist ein Tick von ihm, seit er sich einmal im Spiegel gesehen hat und sein bester Freund, ein Marder, zu ihm gesagt hat: »Da schau, du bist doch ein Papagei.« Am liebsten hätte er ihm zugerufen »Ei freilich!« Diese Entdeckung hat ihn damals sehr erschüttert, weil es der spießigste Ausruf war, der in seinem weiten Papageiengedächtnis nistete. Wie kann ein Papagei, der seine Sinne beisammen hat, »Ei freilich!« rufen? Das ist völlig ausgeschlossen. Seither redet er viel und alle, die vorbeikommen, schließen, er sei unleidlich geworden, ein alter Papagei, was denn sonst. »Hör auf!«, möchte man ihm zurufen, aber wer will schon dabei erwischt werden, dass er mit einem Papagei redet?

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