Renate Solbach: Zeichen

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Richard Schröder, Philosoph und evangelischer Theologe, 1993 bis zur Emeritierung Professor für Philosophie in Verbindung mit Systematischer Theologie an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin, 1988/89 Berater der Arbeitsgruppe »Mehr Gerechtigkeit in der DDR«, 1990 Mitglied der Volkskammer der DDR, MdB im ersten gesamtdeutschen Bundestag, 1993 bis Januar 2009 Verfassungsrichter des Landes Brandenburg, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Nationalstiftung. Publ.: Johann Gerhards lutherische Christologie und die aristotelische Metaphysik (1983); Denken im Zwielicht (1990); Deutschland schwierig Vaterland (1993); Vom Gebrauch der Freiheit (1996); Einsprüche und Zusprüche. Kommentare zum Zeitgeschehen (2001); Die wichtigsten Irrtümer über die deutsche Einheit (2007); Abschaffung der Religion? Wissenschaftlicher Fanatismus und die Folgen (2008).

Aufnahme: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0425-335 / Schöps, Elke / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Iablis aktuell

Thema 2020: Schach dem Wissen. Über schwarze und weiße Wissenschaft

Um ein naheliegendes Missverständnis abzuwehren: Bei diesem Jahresthema geht es nicht um Rassismus, sondern um legitime und illegitime Optionen in der Wissenschaft oder, um es weiter zu fassen, auf den tradierten Feldern des Wissens. Dass in den Wissenschaften, wie überall in der Gesellschaft, ›schwarze Schafe‹, also Betrüger anzutreffen sind, ist eher geeignet, die Fülle an Zusammenhängen zu verdecken, die sich auftun, sobald man damit beginnt, das ›Feld der Wissenschaft‹ als Schachbrett zu verstehen. So wie das Muster aus schwarzen und weißen Feldern erst die klar definierten Züge des königlichen Spiels ermöglicht, ermöglicht die Differenz erlaubt / nicht erlaubt die unübersehbare Fülle wissenschaftlicher Operationen.

Wie es um die Mechanismen zur Legitimierung und Delegitimierung von Positionen samt den dazugehörigen Strategien in der zeitgenössischen Szene steht, dafür bietet die Klimawissenschaft seit Jahren die anschaulichsten – und populärsten – Beispiele. Dabei steht sie keineswegs allein, wie selbst vergleichsweise harmlos erscheinende Disziplinen, etwa die unter die Räder der Gender-Debatte geratene Altphilologie, gelegentlich unter Beweis stellen. Einer der bestechendsten Züge von Wissenschaft besteht darin, dass es ihr immer wieder gelingt, die in der Gesellschaft aufbrechenden Konflikte um sie und ihre ›Ergebnisse‹ in sich aufzunehmen und zu reflektieren. Wissenschaft kennt keine Feindschaft, jedenfalls nicht im üblichen (oder Schmittschen) Sinne des Wortes. Das könnte Erstaunen hervorrufen, da ihr Verfahren, allgemein gesprochen, gerade der Ausschluss ist – Exklusion statt Inklusion.

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