Renate Solbach: Paradieszeichnung

Solange das Paradies existiert, existiert keine Hölle. Hört das Paradies auf zu existieren, so entsteht aus seinen Elementen die Hölle. Das behaupten im Yagir die Theologen. Was sagen die Staatsrechtler dazu? Bei ihnen, hört man, geht die Hölle dem Paradies voraus. Ihr Paradies ist kein Garten der Seligen, sondern ein Refugium der Gezeichneten. »Kein Zeichner möchte ins Paradies, er möchte nur andere dazu bringen, ihn für seinen Schöpfer zu halten. Folge der Zeichnung, lautet der Befehl, und die Gezeichneten fühlen, wie eine Last von ihren Schultern gleitet. Diese Last... woher sie nur stammt?« »Solange sie anderen die tägliche Hölle bereiten konnten, waren sie freie Menschen, jetzt, da sie aus der Hölle ins Paradies blicken, dämmert es ihnen, dass diese Freiheit nur Täuschung war. Wie war es möglich, sie so zu betrügen?« »Damit ist es vorbei. Warum sollte man sie diesmal belügen, nach soviel Leid, angesichts goldener Berge, auf denen schon das Abendrot liegt?«

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