2 male paradise fishes are fighting for territory by their mouth. Quelle: Wikimedia Commons

Iablis

1. Einleitung

Wie andere emotionale Reaktionen sind auch Ekelreaktionen in Ausdrucksformen und Prozessualität historisch, kulturspezifisch und zugleich kulturprägend, sie sind bedingt durch Geschichte und Geschichten kultureller Formationen, deren Geschichte sie wiederum gestalten. Daher kommt Ekelforschung nicht ohne Referenz auf Kultur als offenes, konstruktives Gestaltungskonzept der Lebensformen eines Kollektivs und seiner einzelnen Mitglieder aus. Als grundsätzlich dynamisches und temporäres Ergebnis von Grenzüberschreitungen und Austauschprozessen verfügt – in der Regel jede – Kultur über intrakulturelle Gegebenheiten, die inter- und transkulturelle Referenzen anzeigen, um diese positiv (Aktivitäten der Akzeptanz, Nachahmung) oder negativ (Aktivitäten der Ablehnung, Distanzierung) zu integrieren.

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Vor die Wahl gestellt, den bösen Sarrazin zu geben oder den guten, entschied Thilo Sarrazin sich für ein Dasein als Sarrazin. Seither steht er jenseits von Gut und Böse. Das sagt alles über ihn und seine Verfolger, die partout Anti-Sarrazin sein wollen und dabei all das vorbringen, was er gerade widerlegt hat. Das ist nicht verwunderlich, weil Sarrazin nichts behauptet, was nicht alle Welt weiß. Er unterlegt es nur mit Statistiken. Dafür erntet er die Empörung, die seinem Treiben zusteht, vor allem die seiner Partei, deren Menschenbild er so geradlinig vertritt, dass sie ihn unbedingt loswerden will, ohne dass es ihr gelingt.

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»Auf dem jetzigen Grade der Kultur«, schreibt Goethe am 27.3.1830 an seinen Freund Zelter, könne Lessings Emilia Galotti »nicht mehr wirksam sein«. Vielmehr sei dem Stück »Respekt wie vor einer Mumie« zu zollen (MA, Bd. 20.2, 1338). Womöglich ging Goethe schon damals fehl, reagiert er doch auf einen Brief, in dem ihm Zelter von einer Aufführung des Stücks in Berlin berichtete. In der Perspektive gegenwärtiger Kulturgrade, zumal der hitzeträchtigeren, wird man dieses Urteil erst recht kaum teilen wollen. Die Mumie scheint recht lebendig. Das Drama wird nach wie vor aufgeführt… Und es erfährt eine weniger denn je abreißende literaturwissenschaftliche Rezeption, mit einem deutlichen Einschlag in Feminismus und Genderforschung.

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Iablis aktuell

Thema 2018: Die ungleichen Gleichen. Differenz als Unruhe

1 = 1. Das gehört zu den intuitiven Wahrheiten, die immer wieder das Staunen darüber anfachen, dass es Aussagen gibt, an denen zu rütteln hieße, eigene und anderer Leute Zeit zu verschwenden. Andererseits bedarf es keiner besonderen Anstrengung, zweimal denselben Ausdruck hinzuschreiben und ein Gleichheitszeichen dazwischen zu setzen. Spannend wird es dann, wenn links und rechts des Gleichheitszeichen ungleiche Terme auftauchen: A = B. Warum denn das? Muss das sein? Genügt es nicht, A = A sein zu lassen? Warum die Dinge komplizieren? Oder, da sie nun einmal kompliziert zu sein pflegen: Warum das Einfache dadurch komplizieren, dass man es einem anderen Einfachen gleichsetzt? Oder, wenn schon gleichgesetzt werden soll, was sich doch offenkundig unterscheidet, warum so eigenschaftslos, so lapidar?

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Yagiridia. Capriccio
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Ich will diesen Sack vermöbeln
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GRABBEAU · ACTA LITTERARUM