Poschmann: SchwarzWeissRoman (Corvey) PDF Drucken E-Mail
03.11.2005

Fazit, um die Sache zu runden: Was mich vielleicht doch dazu bewegen könnte, auch im nächsten Jahr wieder auf die Frankfurter Buchmesse zu gehen und die stattgefundene Depression zu vergessen, sind die allem Spektakel zum Trotz mit dem ein oder anderen Menschen geführten Gespräche, die mir ein wenig Hoffnung machten. Leider endeten sie meist abrupt mit der Durchsage, dass der heutige Messetag in wenigen Minuten zu Ende gehe, denn spätestens dann besann sich der Gesprächspartner der Einladung zu einem Empfang bei einer Zeitung oder einem Verlag, die er in der Tasche trug und die er nicht versäumen wollte, galt es doch, dort nicht nur bedeutende Zeitgenossen zu treffen und sich in ihrem Dunstkreis wenigstens für einen Abend ein bisschen wichtiger zu fühlen, sondern es schoss unmittelbar die Erinnerung an die schmackhaften Kanapees oder Salate hoch, die an die bedürftige Menge großzügig verteilt wurden. Schließlich sind die leiblichen Bedürfnisse nicht gering zu achten, vor allem angesichts der auch in Frankfurt euroerzeugten Preisniveaus der Restaurants. Nicht nur Bücher fatum habent.

Um das ganze auch intellektuell zu runden, könnte man an Rorty erinnern, der 1991 formulierte, was nunmehr als Aufgabe nicht nur auf der Frankfurter Buchmesse und im literarischen Betrieb endgültig begriffen wurde: 'Ironie' hatte er die Haltung einer Person genannt, die der Tatsache ins Gesicht sieht, dass ihre zentralen Überzeugungen und Bedürfnisse kontingent sind, dass der eigene Lebensentwurf den stets veränderten Verhältnissen immer neu angepasst werden muss. Also: seien wir modern, seien wir ironisch. Schließlich braucht der Mensch eine Aufgabe, selbst auf der Buchmesse und Anpassung wird schon längst nicht mehr als Negativvokabel gehandelt...

 



 

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