Poschmann: SchwarzWeissRoman (Corvey) PDF Drucken E-Mail
03.11.2005

Impressionen von der Frankfurter Buchmesse und Marion Poschmanns SchwarzWeissRoman

von Anne Corvey

Das Schlendern über die Frankfurter Buchmesse zum Zwecke der Entdeckung neuer lohnender Bücher, interessanter Verlage und Autoren, das früher zum wesentlichen Bestand meines "literarischen Lebens" gehörte, erwies sich in diesem Jahr einmal mehr als Bad in der Menge, das klebrige und unangenehme Spuren hinterließ, die sich nicht durch einen Gang auf die Toilette - auch hier ist inzwischen Schlangestehen angesagt - mit anschließendem Händewaschen beseitigen ließen.

Nicht nur die mit Kamera und Mikrofon bewaffneten (dieser Ausdruck drängt sich mir nicht zufällig auf, angesichts des Medienspektakels, in das sich heutzutage jede vom Betrieb getragene Veranstaltung verwandelt) Teams eilten von Event zu Event auf der Suche nach einem Highlight oder nach Stoff für eine Glosse.

"Wer ist der Autor, muss man den kennen?" Sätze wie dieser schwirrten durch die zahllosen Gangreihen in denen große und kleine Verlage ihre Produkte mehr oder weniger effektvoll präsentierten. "Keine Ahnung!" Eine solche Antwort verhinderte zuverlässig nicht nur den Impuls das Buch, das dem Frager - warum auch immer, seien es Titel oder Präsentation - ins Auge gesprungen war, in die Hand zu nehmen und darin zu blättern. Sie verhinderte darüberhinaus auch jedes eigene Urteil, und das scheint durchaus zeitgemäß und erwünscht inmitten der Orientierungslosigkeit, die die Unzahl von etwa 104.000 neuen Titeln zwangsläufig produziert. Orientierung geben die vorab erschienenen Literaturbeilagen der großen Zeitungen, die auf die bemerkenswerten Neuerscheinungen der Saison aufmerksam machen. Dass diese fast nur noch in den ebenso großen Verlagen erscheinen, die zum großen Teil gar keine eigenständigen mehr sind, sondern irgendeinem Konzern angehören, ist ebenso auffällig wie die Tatsache, dass die "andere Seite der Sache", nämlich die Vergabe der größeren und kleineren Preise, die die ausgezeichneten Autoren für einen fünf- bis zehnminütigen Ruhm qualifizieren, von Kriterien geleitet wird, die schon seit längerem eher literaturferner Natur sind. Alle wissen es und (fast) alle spielen mit. An irgendetwas muss man sich schließlich halten. Hauptsache einer der eigenen Autoren ergattert früher oder später ein solches Preislein oder wird in den Gazetten besprochen.


 

© 2012 Globkult