Nickl: Globales Gegenwartsdeutsch PDF Drucken E-Mail
05.12.2009
Dissonante Zwischenbilanz

Standardvarianten des International English gewinnen stetig weiter an Bedeutung, nicht zuletzt innerhalb und außerhalb der Europäischen Union (Crossmedia English, Business English, Global English; nicht zu verwechseln mit regionalen Varietäten und oder Subsystemen des International English).

Deutsche Publikationen werden weltweit von einem wohl relevanten, aber nicht konkret zu beziffernden Teil der Scientific Community rezipiert. In München wurde Deutsch als Wissenschaftssprache bereits seit Gründung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften am 28.März 1759»zu Nutz und Ehr« von Kurfürst Maximilian III. Joseph angemessen verwendet. Neben der Konkurrenzfähigkeit deutschsprachiger Wissenschaftler steht heute die Selbstbehauptung des Gegenwartsdeutschen in den Wissenschaften zur Debatte. Die Deutsche Sprache liegt bei Büchern und wissenschaftlichen Publikationen weltweit noch ziemlich vorne, etwa auf dem 2.Platz. Eine Angabe, die sogar von der Website der deutschen Botschaft in Canberra/Australien downloadbar ist. Danach sind 28% aller weltweit veröffentlichten Bücher auf Deutsch geschrieben. Womit noch nichts über webpublizierte deutschsprachige Bücher und wissenschaftliche Traktate gesagt ist.

Weder das mehrsprachige Engagement noch die plurilinguistische Ignoranz in der Wissenschaftspublizistik sollten unterschätzt werden. Mit Blick auf das in der Wortbildung fachsprachlich beträchtlich romanisierte und gräzisierte und damit äußerst flexible US-amerikanische Englisch als dominierende Welt-Wissenschaftssprache geht es unter dem Etikett der »Globalisierung« zwar nicht explizit um eine Hegemonie eines Supernationalstaats, wohl aber um eine sprachpolitische Hegemonie innerhalb des weltweiten Hochschul- und Wissenschaftsbetriebs. Ob diese sprachliche Hegemonie kulturimperialistische Züge trägt und welche Folgen sie für andere hochsprachlich und fachsprachlich vermittelte Wissenschaftskulturen haben mag, kann hier nicht traktiert werden. Aber: Gibt es denn überhaupt noch eine wirkliche sprachpolitische bzw. wissenschaftssprachpolitische Entscheidungssituation? Oder ist die weitere Nutzung einzelner hochsprachlich und fachsprachlich entwickelter Gegenwartssprachen wie des fachsprachlich extensivierten, transnationalen Gegenwartsdeutsch für die Wissenschaften von einer konjunkturell bis merkantil bedingten Kosten-Nutzen-Einschätzung abhängig? Sicherlich reicht es nicht, wenn viele print- und webpublizierte angloamerikanische Fachzeitschriften die erforderlichen Abstractsprachen erweitern oder zumindest eine Plurilingualität durch mehr oder weniger ausführliche Abstracts ermöglichen. In der drastischen Gegenwart wird dies bereits als relativ fair empfunden. Beispiel: Im Publikationssegment der kommunikations- und medienwissenschaftlichen Journals tauchen nur wenige Abstractsprachen parallel zum American English geprägten Science English auf: Mandarin-Chinesisch, Japanisch, Spanisch, Deutsch, Französisch, Russisch; ab und zu sind auch Abstracts auf Italienisch, Portugiesisch, Indonesisch und Koreanisch abgedruckt bzw. webpubliziert. Das gilt aber nicht durchgängig. Hat solch eine wissenschaftssprachliche Situation nicht schon Reservat-Charakter für die beteiligten Abstractsprachen? Die Mehrheit der Fachzeitschriften im Segment Communication and Media Studies wird schon seit mehreren Jahrzehnten einsprachig auf Englisch publiziert.

Dieses manifeste, das Gegenwartsdeutsche bedrängende Wissenschaftssprachproblem wird in den deutschsprachigen Hochschul- und Universitätsszenarien zurecht als bedrohlich empfunden. Erinnert sei an den Aufruf Deutsch als Wissenschaftssprache, worin die Präsidenten der Alexander von Humboldt-Stiftung sowie von DAAD, Goethe-Institut und Hochschulrektorenkonferenz für eine mehrsprachige Wissenschaft plädieren (datiert: 18.2.2009) und sowohl für die Umsetzung der Mehrsprachigkeit als auch für die Sicherung des Deutschen als Wissenschafts- und Kultursprache mehr Geld fordern, bzw. »eine entsprechende finanzielle Ausstattung«. Näher betrachtet rangiert die Sicherung des Deutschen als Wissenschafts- und Kultursprache erkennbar hinter dem Umsetzungsziel ›Mehrsprachigkeit‹. Und mit wissenschaftssprachlicher Mehrsprachigkeit kann integra mente wohl keine 6.900-fache Mehrsprachigkeit gemeint sein, sondern allenfalls eine oligarchisierte, finanziell entsprechend ausgestattete Lingua-franca-Mehrsprachigkeit.

 

Mehrsprachenpolitisch im Rahmen von Lingua-franca-Kommunikation und je nach Kommunikationsdomäne flexibel ausbalanciert könnte sich der Usus und die Konkurrenzfähigkeit des Transnational German konsolidieren. Crossmedia English, Business English, Global English und Science English als Welt-lingua-franca Nr.1 ist nicht zu entthronen, aber effektiv und evtl. konfliktverringernd zu ergänzen.

 

Nur in der transnationalen und globalen, modularisierten und vernetzten Form und mit den Funktionen transfersprachlicher Kommunikation spielt das Gegenwartsdeutsche eine erwähnenswerte und respektable Rolle in der globalen Sprachkommunikation: als Lingua franca. Es geht nicht um eine weitere Ausdifferenzierung einer musealen und womöglich schon obsolet gewordenen Nationalphilologie. Als transnational und global entwickeltes, mehrfach vermitteltes, sowohl standardisierungsfreundliches als auch normativ-liberalisierungsfähiges und adaptives Selbstregulierungssystem lässt sich das Gegenwartsdeutsche hinsichtlich der anzuwendenden wissenschaftlichen Methoden, beobachtbaren und bearbeitbaren Daten-Corpora interdisziplinär passend in den Kommunikations- und Sozialwissenschaften, oder den Behavioral Sciences, angesichts des experimentellen, noninvasiven, technologischen Methoden-Fortschritts auch in den Humanwissenschaften verankern. Die typisch mitteleuropäisch bedingte, prärogative Situierung im Rahmen deskriptiver Philologien ist nicht mehr zwingend. Und gerade dies könnte es Hochschulen und Universitäten in Übersee erleichtern, transnationales Deutsch mit moderater Normierung interfachlich zu inkorporieren, angemessen zu situieren und auch zu stabilisieren.

 

Im Bezug zum Leitmedium Internet fällt diese Bestandsaufnahme des transnationalen Gegenwartsdeutschen überraschend günstig aus. Ein Platz in der mittleren Gruppe der Top-Ten-Internetsprachen angesichts von aktuell über 6900 Muttersprachen auf der Erde ist nicht nur akademisch relevant.

 

Durch Nationalsprachen, offizielle Amtssprachen und ihre normativ-präskriptive Kommunikationswirklichkeit wird immer auch begünstigende gesellschafts- und staatspolitische Macht ausgeübt. Mit der Privilegierung offizieller Amtssprachen und Nationalsprachen und der somit kreierten Kommunikationswirklichkeit werden die übrigen Regionalsprachen und damit repräsentierten Kommunikationspartner unterschiedlich (nicht an und für sich und überhaupt), graduell, aber nennenswert kommunikations- und sprachpolitisch diskriminiert; auch dann, wenn sie nicht vertrieben werden oder nicht emigrieren oder fliehen können oder wollen.

 

Offene Frage bleibt: Wie weit ist die Theory of Collective Identity anwendbar, wenn wir es bei der transnational und global repräsentierten, gegenwartsdeutschen Sprachkommunikation mit »multiple collective identities« in virtuellen globalen German Speech-Language Communities zu haben?

 

Vorausgesetzt, das globale, medienvermittelte Gegenwartsdeutsch wird die künftige, eklektisch komponierte Leitvarietät der deutschen Sprache, dann wird es nicht unbegrenzt lange mit »Central European Standard German« identisch sein. Die transfersprachliche Gestalt des globalen Gegenwartsdeutschen wird dezentral bis multizentrisch konstituiert sein. Besagt, deren normative Geltung wird nicht exklusiv in Zentraleuropa bestimmt. Wissenschaftlich begründete Sprachpflege und Verbesserung der Sprachkultur des globalen Gegenwartsdeutsch findet dementsprechend von Adelaide über Barnaul, Osaka, Philadelphia usw. usf. bis Windhuk statt. Die Mannheimer Dudenredaktion bleibt sicherlich weiterhin eine wichtige Drehscheibe.

 

Welche curriculare Konsequenz ist daraus plausibel herleitbar? Forschung und Lehrvermittlung des Transnationalen Gegenwartsdeutschen als Fremdsprache, Fachsprache, Mischsprache und Mediensprache sollte an in- und ausländischen German-Departments nicht nur auf Humanities und Philologien, sondern stärker auf Erwachsenenpädagogik, Berufsfortbildung, Weiterbildung, auf Kognitions-, Human-, Politik-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaften ausgerichtet werden. In den Graduiertenstudiengängen darf das heterogene Methodentraining parallel zum Sprach- und Kommunikationstraining und den zu vermittelnden fragmentarischen bis systematischen Wissensformen nicht vernachlässigt werden. In Übersee ist Transnationales Deutsch an Colleges und Universitäten eher unterrepräsentiert und in manchen Sprachenzentren und Fachstudiengängen als German oder German Studies vertreten. Zudem gibt es Deutsch als Drittsprache bzw. 2. Fremdsprache in Senior High Schools und International Schools, abgesehen vom deutschen Auslandsschulwesen, wo muttersprachliches Deutsch oder Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache meist orientiert an die Nordrheinwestfälischen oder Thüringer Lehrpläne und Richtlinien gelehrt wird. Tatsächlich gebraucht werden mehr zweisprachige und dreisprachige oder sektorale Graduierten- und Postgraduierten-Studiengänge, die Transnationales Gegenwartsdeutsch mit jeweiliger Schwerpunktsetzung angemessen einbeziehen. Transnational German Communication and Culture related to Arts, Humanities and Science, guided by empirical fact, f.e.: to European Studies, Human Cognition, International Business, Journalism Education, Global Rhetoric and Mass Communication, Life Sciences, Political Affairs, Tourism, as well as to Philosophy, History and World Heritage Studies.

 

Kodifizierungsfragen zur normativen Geltung des muttersprachlichen Gegenwartsdeutsch konnten wir hier nicht angemessen einspeisen. Bemühungen bzw. Manöver zur Rechtschreib-Regelung finden seit 1876 statt. Von einem entscheidenden Schritt zur hochdeutschen »Einheitsschreibung« kann man seit dem »Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache« von Konrad Duden (1880) sprechen. Die typisch deutsche Regelungswut in Sachen Rechtschreibreform setzte wohl schon 1901 ein. Die 25. Auflage des Rechtschreib-Dudens ist 2009 erschienen. Gegenwartsdeutsche Mischgrammatiken und Stilwörterbücher sind weitere Gebiete der Auseinandersetzung über normative Geltungsfragen (Drosdowski 1987, Takahashi 2004, Hoffmann 2007). Etappen der Aussprachenormierung sind seit 1898 »theatermäßig« fixiert (1. Auflage des Siebs). Und erst seit der 15.Auflage des Siebs von 1930 (siehe dort Seite 12 f.) wenigstens teilweise auf affektneutrale, »ruhige und verstandesmäßige«, aber auch auf affektive hochsprachliche Rede außerhalb des Bühnendeutsch und der Normierung des Versdramas ausgerichtet (vgl. Nickl 1976: 100-105, 375). Erst seit dem WDA 1964 beansprucht die im Rundfunk gepflegte Aussprache eine gewisse normative Geltung. Und mit der 19. Auflage des Siebs 1969 erfolgte zwar die Abwendung von der bühnendeutschen Ausrichtung durch die sogenannte »reine und gemäßigte Hochlautung«, aber viel zu einseitig minimalsegmentbezogen, silbenphonetisch und wortphonetisch manifestiert, nicht etwa an wirklich segmentierbarer Rede, Sprechtakten und makrosegmentalen Phrasierungseinheiten ausgerichtet. Gesprochene deutsche Gegenwartssprache, »unsaubere langue«, wurde in der philologisch dominierten, mitteleuropäisch-deutschsprachigen Gelehrten- und Staatsbeamtenwelt noch während der 1970er Jahre keineswegs generell als seriöser Forschungs- und Normierungsgegenstand akzeptiert. Mit dem digitalisierten, globalen Gegenwartsdeutsch ist jedoch eine unübersichtlich komplexe, heterogene, medienkulturell vermittelte, prozessuale Netzstruktur translokaler und transnationaler Sprachkommunikationsgemeinschaft entstanden. Zwar tauschen sich die Kommunikationspartner nach wie vor auch textpublizistisch mit symbolsprachlich alphabetisierten, verschriftlichten Mitteln und medienspezifischen Darstellungs(misch)formen aus. Der Stellenwert audiovisueller Gesprächsrhetorik tritt aber schon gleichgewichtig hervor. Globales Gegenwartsdeutsch ist zum beträchtlichen Teil eine medien- und webvermittelte Kultur der Gesprochenen Sprache. Erstmals die 7. Auflage der Duden-Grammatik von 2005 enthält ein Schlusskapitel über »Gesprochene Sprache«. In der 8. überarbeiteten Auflage der Duden-Gebrauchsgrammatik von 2009 werden nun endlich auch »Vertonungen« (Audiodateien) zu den Buchkapiteln »Intonation« und »Gesprochene Sprache« online angeboten. Geltungsfragen der deutschsprachigen Orthoepie werden angesichts der muttersprachlichen und fremdsprachlichen Ungleichheiten, strukturell bedingter ethnischer Schichtungen und sozialer Distanzen künftig in den Vordergrund treten, ebenso in der Lehrvermittlung. Normative Aspekte und Messbarkeitsfragen makrosegmentaler sprechsprachlicher und rhetorischer Phrasierungseinheiten (Nickl 1976: 35-41, 166-188) dürften bei der Respezifikation von Argumentations- und Sinnzusammenhängen eine weitaus wichtigere Rolle spielen als Minimalereignisphonetik, Silbenphonetik oder kontextisolierte Wortphonetik. Die konkreten prosodischen Toleranzbreiten verwendeter Sprachstile und Sprechstile werden sich durch transnationale Kommunikation in der künftigen globalen Leitvarietät des Gegenwartsdeutschen selbstregulativ einpendeln.

 

Prognose

 
  1.  Transnationales Gegenwartsdeutsch als flexibel angepasste Zweit- und Drittsprache und als Lingua franca bzw. Transfersprache in Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und Tourismus zu fördern, allerdings in Morphologie und Syntax komplexitätsreduziert und mit merklich bis drastisch abgespeckter, orthografischer Normierung (zu erwarten ist eine websprachlich sich deregulierende, vereinfachte Schreibkonvention, ein sich allmählich durchsetzendes Rechtschreibungsderivat; daneben medien- und darstellungsformbezogene, partnerversammlungsgerechte Nutzung und repressionsfreie Wahlfreiheit zwischen alternativen, verständlichen bis zumutbaren Rechtschreibungsvarianten); mit vielen produktiven Lehnbildungen und attraktiver Wortbildungsfreiheit. Was sich ins transnationale Gegenwartsdeutsch erfolgreich implementiert und gegenwartsdeutsch global durchsetzt, ist die Norm des transnationalen Gegenwartsdeutschen. Dieses orthografisch-lexikalisch wie orthoepisch- prosodisch moderate Szenarium mit pluralistischer Kodifizierung, effektiv ausgemittelter Phonostilistik und Norm-Toleranzbreite dürfte fürs transnationale Gegenwartsdeutsch aussichtsreich sein, selbst in entlegeneren Winkeln der Erde.

  2.  Dagegen dürfte die Prognose für das exklusiv zentraleuropäisch ethnozentrierte Gegenwartsdeutsch in Gestalt einer oberflächenphilologisch hyperoptimierten, graphematisch verkomplizierten, zum Teil gegen den Usus (ohne ausreichende Testphasen und empirisch bewertungsfähige Trial-and-Error-Erfahrungen) überkodifizierten und normativ weniger liberalisierungsfähigen Muttersprache mit unnötigen Komplexitätsschranken wohl ungünstiger ausfallen.

  3. Das 1998er Rechtschreibregelwerk samt Änderungskatalog von 2006, wie von der Kultusministerkonferenz und der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossen, mag mit dem nötigen Ressourcen-Aufwand in mitteleuropäischen Amtsstuben und Schulen und bei den überwiegend regierungsabhängigen, ausländischen deutschen Kultur-Institutionen repressionsverdächtig durchgesetzt werden, nicht zuletzt zur Freude des Printmedien- und Verlagswesens. Um Missverständnissen vorzubeugen: es geht hier nicht eindimensional gegen ein bestimmtes obrigkeitsstaatlich dekretiertes Rechtschreibregelwerk, noch soll ein bestimmtes Alternativ-Elaborat angepriesen werden. Orthografie sollte vom Sprachgebrauch und dessen objektivierbarem Gemeinsamkeitsminimum, damit auch vom Medien- und Web-Usus bestimmt und hergeleitet sein. Beim Sprechen, Lesen und Schreiben kommt es auf den Usus an. Das 1998er Rechtschreibregelwerk samt Upgrade-Version 2006 stellt einen weiteren Pyrrhussieg der Bildungsbürokraten dar.

  4.  Die feministisch überzogene Politisierung und überflüssige, zusätzliche Normierung des Sprachgebrauchs mit abschreckender Morphologie (Substantivsuffix-Verkomplizierung, Flexionsendungspräzisierung) seit den 1980er Jahren, die in der gesellschaftskritischen Diskussion inzwischen ausgeblendet, wenn nicht ein bisschen tabuisiert wird, hat das Erlernen der deutschen Gegenwartssprache objektiv erschwert. Eine Aufklärungskampagne zur Unterscheidung von biologischem und grammatischem Genus wäre ausreichend und wesentlich billiger gewesen. Deutschsprachige Landtage und Bundestage brachten delikate Sprachregelungen zur Gleichbehandlung der Geschlechter zustande, dergestalt, dass die Sexus-Unterscheidung als grundlegendes rechtliches Wahrnehmungskriterium in Bundes- und Landesgesetzen sowie in Unmengen von Verwaltungstexten festgeschrieben worden ist. Mit dieser Verschlimmbesserung wurde der deutschen Gegenwartssprache ein Bärendienst erwiesen.Das morphonologisch-orthographisch überkodifizierte, mitteleuropäisch-ethnozentrierte Gegenwartsdeutsch als Primärsprache wird sich wohl auf einen permanenten Kampf um normative Geltung, Besitzstandssicherung und Sprachverteidigungspolitik einstellen müssen. Weniger Lust an der Kontrolle und weniger Regulierung fürs globale Gegenwartsdeutsche, das ist aussichtsreicher.
 


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