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Bannkreis (26) Termitologie |
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02.06.2009 |
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 ... – als
ich es einem Kommilitonen aus Padua zeigte –, mussten wir über
eine herrliche (deutsch)sprachliche Fehlleistung von ihm lachen. …
Er führte mir gerade übersprudelnd Beispiele massenmedialer
berlusconischer Niederungen in der intellektuellen Italianitá vor
und prägte dann das aufschlussreiche Wort von der verhängnisvollen
politischen Termitologie,
die schier unaufhaltsam den italienischen Geist dominiere. –
Augenblicklich war mir klar: Dieser neue Beitrag zur aufklärerischen
Lexik der Gegenwart sollte unverzüglich ins iablis-geführte
Alphazet aufgenommen
werden! Diese
Sprachschöpfung wider Willen jenes Erasmus-Studenten macht sehr
augenscheinlich aufmerksam auf die ruinierenden Wirkungen im
massenmedialen Kommunikationsverhalten, assoziiert sie doch einen
untergründigen Befall der Sprachkultur (zerstörerisch wie der
Termiten-Befall).
Termitologische
(Sprach)Konstruktionen wären demnach mit der Logik ihrer
performativen Zerbröselung sui generis befrachtet (Politiker nehmen
das positiv auf, etwa in dem Selbstverständnis sie seien
für ihr Geschwätz von gestern nicht haftbar).
Zum
künftig als termitologisch
zu identifizierenden
Wortgebrauch könnte zu rechnen sein:
Metaphernbildung
bzw. ›Genderfizierung‹ in ›politisch-korrekter‹ Absicht,
- ›Ohne
Durchdenken der Prinzipien‹ (mit Kant zu sprechen) ›mit bloß
empirischer Vernunft allgemeine Urteile zu fällen‹, – aktuell:
nach einem singulären Aktenfund müsse die jeweils betroffene
Geschichte neu
geschrieben werden!
Wortschöpfungen
(die eigentlich als Begriffe tauglich sein sollen!) je nach
Betroffenheits-Status konstituieren zu lassen – aktuell:
Ungläubige,
Unrechtsstaat
Worte
naiver Evidenz als Begriffe auszugeben
politische
Wortbildung als Zeichen von (ideologischer) Selbstfindung,
-bestätigung oder Wiedererkennung als ›Eigene‹,
Begriffsfelder
moralistisch zu halbieren (damit zu tabuisieren), – aktuell:
Erinnerung versus
Vergessen.
Was
damit gewonnen wäre? – Man könnte einem alltagspraktisch (und
erst recht im Politik-Geschäft) unausweichlichen Prozess der
Selbstbornierung, den Nietzsche vornehmer Auto-idolâtrie
nennt, kritisch auf
die Spur kommen.
Steffen
Dietzsch
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