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Manfred
Riedel gestorben
Manfred
Riedel ist ein Unzeitgemäßer. Ihm ging es immer, wie er schon in
einem Vortrag über die Perspektiven des Philosophierens
nach dem ›Ende der Philosophie‹
vor dreißig Jahren sagte, um die Sache des Denkens im Zeitalter der
Wissenschaft. Denn Philosophie ist nicht umstandslos als im Modus der
Wissenschaft wirkend zu verstehen (wenn sie sich nicht, wovor schon
Nietzsche warnte, zur Denkwirtschaft
entzaubern
lassen will). – Dabei hat Riedel das wissenschaftliche
Pflichtprogramm zur Erlangung eines Lehrstuhls an der Philosophischen
Fakultät als Zierde der Zunft absolviert. 1968
Habilitation an der Universität Heidelberg zu dem Thema:
»Bürgerliche Gesellschaft. Eine Kategorie der klassischen Politik
und des modernen Naturrechts« Daraus hervorgegangen sind
Abhandlungen über »Bürger, Staatsbürger, Bürgertum«,
»Bürgerliche Gesellschaft« sowie »Gemeinschaft und Gesellschaft«
im Handbuch Geschichtliche Grundbegriffe (1972-1974) sowie ein
zweibändiges Sammelwerk Rehabilitierung der praktischen
Philosophie (1972-1974),
Riedel war seit 1971 Professor für Philosophie in Erlangen, hatte
Gastprofessuren an der New School for Social Research in New York und
an der Emory-University in Atlanta (Georgia), sowie in Turin und Rom
inne.
Was
ihn daneben aber immer wieder interessiert hat, schon seit seinen
Leipziger Studententagen Mitte der Fünfziger bei Bloch und Korff,
war der Zusammenhang von Denken und Dichten. Dem sind dann
seine beiden großen Werke Hören auf die Sprache (1990) und
Freilichtgedanken (1998) gewidmet. Das war auch der
systematische Kern seiner Abschiedsvorlesung (2004) in Halle über
Stefan Georges ›Geheimes Deutschland‹ und die Brüder
Stauffenberg. Und noch in seinem letzten Aufsatz über Nietzsche
und Hofmannsthal (erscheint Ende Mai 2009 im Band Das
Daedalus-Prinzip des Parerga-Verlages in Berlin) hebt er das
hervor, was Kunst, zumal Sprachkunst zum Prius unserer
intellektuellen Vermögen macht: denn sie entspringt menschlicher
Resignation im Wissensstreben, dem Scheitern formal angestrebter
Beherrschung der Welt im Ganzen durch wissenschaftliche Erkenntnis.
Mit
dieser zivilisationskritischen Einsicht schließt Manfred Riedel
seinen Denkweg, der ihn von der Metaphysik-Kritik Kants zum
Ecce-homo-Schauer des späten, allzuspäten Romantikers Nietzsche
geführt hat.
Am
11. Mai 2009, einen Tag nach seinem 73. Geburtstag, ist Manfred
Riedel in Rathsberg, oberhalb Erlangens, gestorben.
Steffen
Dietzsch
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