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Mike Davis: Interview PDF Drucken E-Mail
06.05.2009

Strandgut der Urbanisierung. Mike Davis über den Planeten der Slums und die Perspektiven menschlicher Urbanität

Von Mike Davis und Tom Engelhardt

Sein kurzes Haar und sein Schnurrbart sind stark ergraut, doch noch immer hat er sich das stämmige und starke Erscheinungsbild eines Metzgersohns bewahrt, der vor langer Zeit für seinen Vater Tierkadaver in El Cajon, einem Vorort San Diegos, befördert hat. Auf Wunsch fährt er mit dir in seinem Wagen mit Vierradantrieb raus in die Vororte von San Diego oder zur mexikanischen Grenze, gerade zu jenem neu errichteten und umstrittenen Dreifachzaun (wobei man sich dann mit der Grenzpatrouille anlegt) – ein Reiseführer deiner Träume, eine wandelnde Enzyklopädie all dessen, was fremd und fesselnd ist in Südkalifornien. Kein Objekt der Landschaft scheint seinem Kommentar, einer kurzen Beschreibung oder Analyse entkommen zu können. Die Brücke über die Landstraße, über die wir irgendwo weit außerhalb in der Wüste fahren, ist die höchste aus Gussbeton im ganzen Land. Die Marineschiffe aller Art, die San Diegos blauen Hafen hin und her kreuzen werden identifiziert und diskutiert, darunter das Tarnlandungsboot der Marine. („Die Marine hat hier draußen noch mehr Spielzeug!“). Der Klage, dass „dieser Tage alle in San Diego über die Immobilienwerte sprechen“, folgt eine kleine Lehrstunde über den lokalen Immobilienmarkt. Und jede Militärbasis und jedes Militärareal, das wir passieren, wird aufmerksam betont. „Die hiesigen Menschen nehmen die unmittelbare Nachbarschaft des Militärs gar nicht wahr. Sie sehen den sie umgebenden Tod und die Tötungsbasen gar nicht. Sie schneiden es aus ihrem Bewusstsein einfach raus.“ Und immer wieder scheinen alte Erinnerungen aus früheren Tagen auf: „Das einzig gute, wenn du in San Diego aufgewachsen bist, war die Hafenstadt mit ihren billigen Filmtheatern. Es war ein Teenagerparadies.“ Man kann nicht umhin festzustellen, dass man der glänzenden – falls alltäglichen – Darbietung eines Gelehrten beiwohnt, der scheinbar nie etwas vergessen hat.

Sein bescheidenes Haus befindet sich am Rande von San Diegos ärmsten Vierteln, durch die wir eine kleine Spritztour machen – und nebenbei über die Vermarktung von Graffiti reden. Sein kleines Wohnzimmer, in dem ich meinen Kassettenrecorder auspacke, wird von einem gigantischen, mehrfarbigen Plastikspielhaus seiner beiden zweijährigen Zwillinge James und Kassandra (oder Casey) dominiert. Ihn in seinem Haus zu interviewen, bedeutet, von einer Welt revolutionärer Geschichte umgeben zu sein. Keine Wand, kein Winkel, nicht einmal im Badezimmer, ohne revolutionäres Poster („Camarada! Trabaja y lucha por la Revolución!“). Und überall finden sich Füße, die nach russischen Plutokraten treten oder gigantische Hände, die die ausgebeutete Klasse Deutschlands zerschlagen, während man aufgefordert wird: „Wählt Spartakus“ – 1919.

Seit sein erstes Buch über Los Angeles, City of Quartz, Mike Davis in die Bestsellerlisten katapultiert und zum innovativsten Städteforscher der USA gemacht hat, hat er über alles mögliche geschrieben, von der fiktionalen Zerstörung von Los Angeles über die Hungerkatastrophen des viktorianischen Zeitalters im 19.Jahrhundert bis zur aktuellen Möglichkeit einer Pandemie der Vogelgrippe. Jüngst, in seinem neuen Buch Planet der Slums, hat er sein rastloses Forscherhirn auf die globale Stadt gerichtet. Die Ergebnisse sind so bestürzend, dass ich dachte, sie wären eine gute Grundlage für unser Gespräch.

Wir suchen uns einen Platz im Wohnzimmer, mein Aufnahmegerät zwischen uns, und beginnen. Davis hat etwas von der alten, fast verschwundenen US-amerikanischen Tradition des Autodidakten. In einer Stammesgesellschaft wäre er sicherlich der Geschichtenerzähler des Stammes gewesen. Während unseres Interviews werden wir von einem Weinen irgendwo im Hause unterbrochen. Casey ist aufgewacht. Schnell entschuldigt er sich und kommt, wenige Momente später, mit einem verstörten, noch schniefenden schwarzhaarigen kleinen Mädchen in rosa Hosen und Shirt auf seinen Schultern wieder. Unter seiner Zuwendung wird sie wieder munter, setzt sich hin und beginnt zu reden, nicht weniger kraftvoll (aber weniger verständlich) als ihr Vater. Bald schon sitzt sie in ihrem großen Plastikhaus und beschäftigt uns für ihr „Großer-böser-Wolf“-Spiel. Als sie etwa zwanzig Minuten später von dannen zieht, wendet er sich wieder mir zu und, noch bevor ich ihm das Stichwort gebe (ich prüfe gerade seine letzten aufgenommenen Worte), nimmt er den Gesprächsfaden genau dort wieder auf, wo wir ihn fallen ließen.

Tom Engelhardt, Mai 2006*

Es begann in LA

Ich dachte mir, dass du beginnst, indem du mir erzählst, wie du zum Thema Stadt gekommen bist.

Ich kam auf dem denkbar beschränktesten Weg zur Stadt, der darin bestand, Los Angeles (LA) zu studieren. Und ich kam auf LA, weil ich als Aktivist der Neuen Linken in den 60er Jahren viel Zeit ins Studium des Marxismus investiert hatte und dachte, dass eine radikale Gesellschaftstheorie alles erklären könne. Und es erschien mir, dass Los Angeles zu verstehen der höchste Testfall dafür ist.

Vielleicht sollte ich dies nicht sagen, aber fast alles, was ich über andere Städte geschrieben habe, ist, zumindest teilweise aus meinem LA-Projekt erwachsen. So hat mich bspw. die Erforschung der Militarisierungstendenzen im urbanen Raum und die Zerstörung des öffentlichen Raums von LA dazu gebracht, vergleichbare Trends als globales Phänomen zu untersuchen. Das Interesse am suburbanen LA ließ mich über das Schicksal älterer Vororte des Landes und der sich herausbildenden Politik der Grenzstädte nachdenken. Auf diesem konsequent beschränkten Weg entstand mir die Welt aus Los Angeles, das in meinem ursprünglichen Projekt ein Mosaik aus über 450 individuellen Stücken bildete.

Das muss ich erklären: In den 50er Jahren, als sich die staatlichen Sozialinstitutionen Sorgen darüber machten, dass die in die neuen Vororte strömenden Kriegsveteranen keinen Sinn für den Raum hatten, machten sie eine große Studie, wie viele Lebenswelten es im damaligen Groß-LA gab. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Menschen in über 350 Vierteln/Gemeinschaften („Communities“) lebten – in kleinen Städten, Nachbarschaftszentren, Vororten. Heute gibt es etwa 500 davon. Ich ging bei meiner Beschäftigung mit LA davon aus, dass jede dieser grundlegenden Einheiten eine eigene lokale und total außergewöhnliche Geschichte zu erzählen hat, die sich aber in wichtigen Aspekten im großen Ganzen brechen. Ich dachte wirklich, dass ich mehrere Lebensalter damit zubringen könnte, LA-Geschichten aus allen diesen Teilen zu erzählen – das war meine Methode. Ich glaube, dass ich dabei nur deswegen ein Stadtforscher, ein Urbanist geworden bin, weil die Leute begannen, mich als solchen zu bezeichnen. Ich selbst habe mich nicht wirklich als Historiker, Soziologe, politischer Ökonom oder Urbanist gesehen.

Wie würdest du dich denn selbst bezeichnen?

Wie manch anderer Überlebender der Neuen Linken sah ich mich als Aktivist und Organisator, als politischer Analytiker. Fast alles, was ich geschrieben oder über das ich nachgedacht habe, bezieht sich in einem gewissen verrückten Sinn auf das, was sich mir zu dem gegebenen Moment gleichsam als Imperativ von einem strategischen oder taktischen Standpunkt aufdrängte – als wäre ich auch weiterhin dem Nationalrat der SDS [Students for a Democratic Society] oder der Chicagoer Führung der IWW [Industrial Workers of the World] verantwortlich.

Dies alles war Teil eines strategischen Puzzles, das ich in City of Quartz angegangen bin. Los Angeles war damals an einem kritischen Punkt seiner Geschichte. Die Globalisierung hatte ihre Ökonomie in dramatischer Weise neu strukturiert und viele Leute dabei außen vorgelassen. Trotzdem hatte die Stadt – und hat sie noch heute – dieses unglaubliche, proteushafte Potenzial zu Besserem, für eine progressive Politik und überraschenden Aktivismus. Damals wollte ich ein Buch schreiben, das nützlich wäre für eine neue Generation von Aktiven, und gleichzeitig ausprobieren, wie man einen Ort wie LA sehen kann, dessen Selbstbildnis materiell eingeschrieben war in den eigenen Strukturen. LA ist eine Stadt, die ihre Selbstbilder lebt.

Und dann brachen die Riots, die Unruhen von 1992 aus, oder?

Und ich versuchte sie als direkte Konsequenz des Globalisierungsprozesses zu verstehen. Manche Menschen waren Gewinner, manche Verlierer. Fakt war auch, dass die Globalisierung vor allem in Form der transnationalen Drogenindustrie nach Süd-LA kam. Das war die einzige Golbalisierungsform, die jemals Geld in diese Straßen investiert hat. Der Nachfolgeband zu City of Quartz sollte eine Geschichte der Rodney-King-Unruhen werden, erzählt auf der Grundlage der Nachbarschaftsstrukturen – die einzige Erzählstrategie, die die Komplexität der Ereignisse möglicherweise in den Griff zu bekommen versprach. Gleichsam durch Zufall hatte ich Zugang zu einigen der Schlüsselaktoren. Ich kannte bspw. die Mutter jenes Jungen, der wegen der Tötung des Lkw-Fahrers ins Gefängnis ging. Ich war auch befreundet mit der Familie von Dewayne Holmes, den Hauptinitiator der Kampfpause unter den Straßengangs in Watts.

Ich hoffte, diese Geschichten mit Nachbarschaftsgeschichten vereinen zu können, um einen Aufstand zu erklären, der gleichermaßen eine gerechte Explosion des Unmuts gegen die Polizei, ein postmoderner Brotaufstand und ein Pogrom gegen asiatische Ladenbesitzer gewesen ist. Doch mein Ehrgeiz ist an zwei Fronten in die Krise geraten. Ich konnte keinen moralisch ausreichenden Boden finden, um das Leben der Menschen für meine erzählerischen Ziele zu plündern. Gleichzeitig erschütterte mich dieses Projekt emotional zu sehr. Das Leben meiner Freunde und Bekannten war dafür zu sehr von Schwierigkeiten und Schmerz, von Trauer und Frustration betroffen. Dies mit ihnen zu durchleben, entschied ich mich, konnte ich nicht tun – ich hatte damals mehrere Jobs und wurde gerade alleinerziehender Vater eines Teenagers. Ich hatte ein in meinen Augen außerordentliches Konzept für ein Buch vor Augen, für das ich weder die Klarheit des Bewusstseins noch das emotionale Durchhaltevermögen hatte, um es zu schreiben.

Glücklicherweise kamen Naturkatastrophen zu meinem Projekt hinzu – und das Aufstandsbuch verwandelte sich in die Ökologie der Angst, eine Studie über den Fetischismus der Katastrophen Südkaliforniens, in der die Natur sozial (mit Kojoten und Pumas, die mit Straßengangs verglichen werden) und die sozialen Probleme (wie Straßengangs) als Naturereignisse betrachtet werden. Ökologie der Angst behandelt die Unmöglichkeit der angloamerikanischen Kultur, jenen mediterranen Stoffwechsel zu verstehen, dessen Teil sie dort ist – ein Missverständnis, das die ganze Essenz Südkaliforniens ausmacht.

So hab ich mich in die Wissenschaft zurückgezogen und bin von der Mikroebene der Biografien zur Makroebene der Erdplattentektonik und von El Niño gewechselt. Die Wissenschaft war meine erste Liebe und ich endete damit, das Buch überwiegend in der geologischen Bücherei zu schreiben und nicht in den Lebensräumen der Menschen, die ich in Süd- und Zentral-LA kenne.

Der Planet der Slums

Wenn wir 15 Jahre weiter springen, zu deinem neuesten Buch Planet der Slums mit seinen gewaltigen urbanen Gemälden, müssen wir uns vorstellen, dass du deine Anweisungen nun von einem gleichsam globalem Zentralkomitee empfängst?

Erstaunlich genug, aber die klassische Gesellschaftstheorie hat weder bei Marx oder Weber noch im Falle der Modernisierungstheorie des Kalten Krieges vorausgeahnt, was den Städten in den letzten 30 oder 40 Jahren zugestoßen ist. Keiner von denen hat den Aufstieg einer umfangreichen Klasse antizipiert, die vor allem aus jungen Menschen besteht und in Städten lebt, die weder einen formalen Zusammenhang zur Weltökonomie haben noch ihn je bekommen können. Diese informelle Arbeiterklasse ist nicht das Marx’sche Lumpenproletariat und auch nicht jener „Slum der Hoffnung“, wie man es sich vor 20 oder 30 Jahren vorgestellt hat, gefüllt mit Menschen, die eventuell in die formale Ökonomie aufsteigen. Abgeladen in den Peripherien der Städte, normalerweise mit wenig Zugang zur traditionellen Kultur dieser Städte, repräsentiert diese informelle globale Arbeiterklasse eine unerwartete und von der Theorie unvorhergesehene Entwicklung.

Kannst du uns einige Ausmaße dieser Verslumung darlegen?

Erst in den letzten Jahren ist es uns möglich geworden, die Urbanisierung in ihren globalen Ausmaßen deutlich zu erkennen. Zuvor war den Zahlenangaben mit Misstrauen zu begegnen, aber die United Nations Habitat hat heroische Bemühungen unternommen, neue Datenerhebungen, Haushaltsumfragen sowie Fallstudien, um zuverlässige Basisdaten für die Diskussion unserer urbanen Zukunft zu präsentieren. Der von ihr vor drei Jahren veröffentlichte Report Die Herausforderung der Slums ist so bahnbrechend wie die großen Studien urbaner Armut im 19.Jahrhundert – von Engels oder Mayhew oder Charles Booth oder, in den USA, von Jacob Riis.

Eher vorsichtig geschätzt leben gegenwärtig eine Milliarde Menschen in Slums und mehr als eine Milliarde Menschen als informelle Arbeiter, die um ihr Überleben kämpfen. Das reicht von Straßenverkäufern bis Tagelöhnern, von Tagesmüttern zu Prostituierten bis zu Menschen, die ihre Organe verkaufen. Dies sind atemberaubende Angaben, umso mehr als unsere Kinder und Enkelkinder die endgültige Ausbreitung der menschlichen Rasse erleben werden. So ungefähr 2050 oder 2060 wird die menschliche Population mit etwa 10–10,5 Milliarden Menschen ihr maximales Wachstum erreichen. Nicht ganz so groß wie frühere apokalyptische Vorhersagen, aber 95% dieses Wachstums wird in den Städten des Südens stattfinden.

Vor allem in den Slums…

Das ganze zukünftige Wachstum der Menschheit wird in den Städten stattfinden, überwiegend in armen Städten, und zum größten Teil in den Slums.

Das klassische Urbanisierungsmodell à la Manchester/Chicago/Berlin/St.Petersburg erleben wir derzeit noch in China und an einigen wenigen anderen Orten. Es ist wichtig zu erwähnen, dass gerade die urbane industrielle Revolution in China vergleichbare Prozesse woanders ausschließt, denn sie absorbiert so alle Kapazitäten leichtindustrieller Waren – und zunehmend auch alles andere. In China und einigen angrenzenden Ökonomien können wir auch weiterhin ein Wachstum der Städte beobachten, das einen industriellen Motor aufweist. Überall sonst findet dies ohne Industrialisierung statt. Und oftmals, noch schockierender, ohne eine Entwicklung in jedwedem Sinne. Mehr noch, die großen historischen Industriestädte des Südens – Johannesburg, São Paulo, Mumbai, Belo Horizonte, Buenos Aires – mussten in den letzten zwanzig Jahren alle eine massive Deindustrialisierung erleiden, mit einem absoluten Beschäftigungsrückgang im Manufakturgewerbe von 20–40%.

Die heutigen Megaslums wurden überwiegend in den 70er und 80er Jahren angelegt. Vor 1960 war eher die Frage, warum Dritte-Welt-Städte so langsam wuchsen. Damals gab es große institutionelle Hindernisse einer allzu schnellen Urbanisierung. Kolonialreiche behinderten noch den Zugang zu den Städten, während in China und anderen stalinistischen Ländern ein inländisches Passsystem soziale Rechte und innere Migrationen kontrollierte. Der große urbane Boom kam in den 60er Jahren, mit der Dekolonialisierung. Doch dann gab es noch revolutionäre nationalistische Staaten, die darauf setzten, dass der Staat eine integrale Rolle spielt bei der Bereitstellung von Häusern und Infrastruktur. In den 70er Jahren begann der Staat auszusteigen, und mit den 80ern – der Epoche der Strukturanpassungsprogramme – haben wir eine Rückwärtsentwicklung in Lateinamerika und mehr noch in Afrika. Seitdem haben wir es mit Städten südlich der Sahara zu tun, die mit einer größeren Geschwindigkeit wachsen als die viktorianischen Industriestädte in ihren Boomperioden – bei gleichzeitigem Arbeitsplatzabbau.

Doch wie können Städte Bevölkerungswachstum regeln ohne eine klassische ökonomische Entwicklungsperspektive? Oder, anders gesagt, warum explodieren Dritte-Welt-Städte nicht angesichts dieser Widersprüche? Nun, zum Teil haben sie dies getan. Am Ende der 80er und in den frühen 90er Jahren hatten wir überall in der Welt Anti-IWF-Unruhen, Aufstände gegen die Verschuldungspolitik.

Und die Unruhen von 1992 in LA sind ein Teil davon?

Weil Los Angeles Aspekte der Dritten Welt mit denen der Ersten Welt kombiniert, passt dies ins globale Muster des Aufbegehrens. Was für die damaligen Führungen von Politik und Polizei in LA unsichtbar, für „die Straße“ aber offensichtlich war, waren die Auswirkungen der tiefsten Rezession Südkaliforniens seit 1938, deren schlimmste Zerstörungen gar nicht die Flugzeugindustrie betrafen (darüber wurde damals viel geschrieben), sondern die Nachbarschaftssiedlungen der Armen und Immigranten. In einem Jahr – als ich in der City wohnte – hatten sich an einem Abhang, der bislang nur von einer Handvoll obdachloser männlicher Schwarzer mittleren Alters bevölkert war, plötzlich etwa 100 oder 150 Latinos niedergelassen. Sie waren sechs Monate zuvor Tagelöhner oder Tellerwäscher gewesen.

Wenn das auslösende Moment die gegen Rodney King verbrochenen Gräuel und der angestaute Groll einer schwarzen Jugend in einer Gemeinschaft waren, in der Beschäftigung Crack und Kokain meint, so wurde es zum komplexen Großereignis aufgrund der umfangreichen Plünderungen in den Latino-Gegenden, in denen Menschen hungrig waren und am Rande der Obdachlosigkeit lebten.

Die beiden bedeutendsten Armenstädte des 19.Jahrhunderts, die unser gegenwärtiges Modell bilden, sind Dublin und Neapel. Aber niemand betrachtet sie als die Zukunft. Der Grund, dass es nicht mehr Dublins und Neapels gab, war vor allem die transatlantische Emigration. Heute ist jedoch die Emigration aus dem Süden faktisch blockiert. Es gibt keine Vorläufer für die Art von Grenzen, die bspw. Australien und Westeuropa errichtet haben, konstruiert vor allem für die totale Ausschließung – außer für eine kleine Schicht bestausgebildeter Arbeitskraft. Die US-amerikanische Grenze zu Mexiko war historisch von anderer Art. Sie funktionierte als Damm, um das Arbeitskräfteangebot zu regulieren, nicht dieses ganz auszuschließen. Im Allgemeinen haben die heutigen Menschen aus armen Ländern nicht die Möglichkeiten, die damals arme Europäer hatten.

Wie wurde das, was in den Städten passierte, von den Politikern und Führern interpretiert?

Die Entdeckung von Weltbank, Entwicklungsökonomen und großen NGOs in den 80er Jahren, dass die Menschen trotz der fast totalen Abdankung der Rolle des Staates bei der Planung und Bereitstellung von Wohnraum für arme Stadtbewohner schon irgendwie Schutz und Möglichkeiten des Wohnens und Lebens finden würden, führte zum Aufstieg einer „Bootstrap-Schule“ der Urbanisierung: Gebt den armen Leuten die Mittel und sie bauen sich ihr eigenes Haus und organisieren ihre eigene Nachbarschaft. Dies war, zum Teil, ein ganz und gar gerechtfertigtes Anpreisen der Basisurbanisierung. In den Händen der Weltbank jedoch wurde es zu einem ganz neuen Paradigma: Der Staat ist erledigt. Kümmere dich nicht um den Staat. Arme Menschen können ihre Stadt selbst in die Hand nehmen. Sie brauchen bloß einige Kleinkredite…

zu hohen Zinsraten.

Ja, das ist richtig, und dann können arme Leute auf wundersame Weise ihre eigenen urbanen Welten schaffen, und ihre eigene Jobs.

Planet der Slums nimmt sich vor, dem UN Challenge Report zu folgen, der unseren Blick dafür geschärft hat, dass die globale Krise der Arbeitslosigkeit in den Städten als Bedrohung unserer kollektiven Zukunft mit dem Klimawandel vergleichbar ist. Zugegebenermaßen eine Reise mit dem Finger auf der Landkarte der Städte der Armen, ist das Buch ein Versuch, die ausgedehnte Spezialliteratur zur urbanen Armut und zur informellen Siedlungsbewegung zusammenzuführen. Zwei grundsätzliche Ergebnisse haben sich dabei ergeben.

Erstens gibt es keinerlei Angebot mehr von freiem Siedlungsland, in manchen Fällen schon seit langem. Der einzige Weg, auf dem man heute noch eine Hütte auf freiem Land bauen kann, ist die Wahl eines so gefährlichen Ortes, dass dieser keinerlei Marktwert mehr besitzt. Siedlung ist hier eine zunehmend gefährliche Wette mit der Katastrophe. Wenn man bspw. ein paar Meilen südlich und jenseits der Grenze nach Tijuana [Mexiko] geht, kann mandas Land sehen, das einmal Nachbarschaftssiedlungen beherbergte, die nun verkauft sind, manchmal sogar unterteilt und entwickelt. Sehr arme Menschen siedeln nun auf traditionelle Weise an den Rändern von Schluchten und in Landstrichen, in denen ihre Häuser in wenigen Jahren kollabieren werden. Dies gilt für die ganze Dritte Welt.

Siedlungen wurden privatisiert. In Lateinamerika wird dies die „Piratenurbanisierung“ genannt. Wo Menschen zwanzig Jahre zuvor brachliegendes Land besetzt hätten, sich ihrer Vertreibung widersetzt und vom Staat damit eventuell anerkannt worden wären, bezahlen sie nun hohe Preise für kleine Landparzellen, oder, wenn sie sich dies nicht leisten können, mieten sie von anderen armen Menschen. In manchen Slums besteht die Mehrzahl der Bewohner nicht aus Hausbesetzern, sondern aus Hausbesitzern. Wenn du nach Soweto kommst, sieht man Leute die auf ihren Hinterhöfen Baracken bauen, die sie vermieten. Die vorherrschende Überlebensstrategie von Millionen armer Stadtbewohner, die lang genug in der Stadt sind, um sich ein kleines Eigenheim erworben zu haben, ist, dieses zu teilen und „Feudalherren“ von noch ärmeren Menschen zu werden, die wiederum teilen und an andere weiter vermieten. Ein grundlegendes Sicherheitsventil, die so stark romantisierte Grenze zu freiem städtischen Land, ist so weitgehend beendet worden.

Das zweite große Ergebnis betrifft die informelle Ökonomie – die Möglichkeit der armen Menschen, ihre Lebensumstände durch ungeregelte ökonomische Aktivität wie Straßenverkauf, Tagelöhnerei, Heimarbeit oder selbst Subsistenzkriminalität zu regeln. Die informelle Ökonomie ist mehr noch als die illegalen Hausbesetzungen mit ausufernden Behauptungen über die Möglichkeit, mittels Kleineigentum aus der Armut herauszukommen, romantisiert worden. Die Ergebnisse von Fallstudien überall auf der Welt zeigen jedoch immer mehr Menschen, die in einer begrenzten Zahl von Überlebensnischen eingezwängt sind: Zu viele Rikschafahrer, zu viele Straßenverkäufer, zu viele afrikanische Frauen, die ihre Hütten in eine Townshipkneipe verwandeln, um Schnaps zu verkaufen, zu viele Menschen, die fremder Leute Wäsche waschen, zu viele Leute, die vor Arbeitsstellen Schlange stehen.

Willst du damit sagen, dass die ehemals Dritte Welt in so etwas wie die Dreihundertste Welt verwandelt wurde?

Was ich sage ist, dass die zwei prinzipiellen Mechanismen, um die Armen in die Städte zu integrieren, in welche der Staat vor langer Zeit zu investieren versuchte, ihre Grenzen erreicht haben, wenn wir auf die beiden nächsten Generationen kontinuierlichen Schnellwachstums der armen Städte schauen. Die ominöse, aber nahe liegende Frage ist: Was liegt hinter dieser Grenze?

Hier ein Zitat aus Planet der Slums: „Bei einer buchstäblichen Großen Mauer der Hightech-Grenzsicherung zur Verhinderung einer Migration großen Ausmaßes in die reichen Länder bleibt nur der Slum als einzige autorisierte Lösung für das Problem, die überschüssige Menschheit dieses Jahrhunderts unterzubringen.“

Unerbittliche Kräfte vertreiben Menschen vom Lande. Und dieser von der globalisierten Ökonomie geschaffene Überschuss sammelt sich in den Slums an, an den Peripherien der Städte, die weder wirklich Land noch wirklich Stadt sind und bei denen es den Stadttheoretikern schwer fällt, sich Gedanken zu machen.

In den USA würden wir sie Vorstädte nennen, aber Vorstädte sind hier ein ganz anderes Phänomen. Wenn man sich US-amerikanische Städte anschaut, so ist diese Vorstadt-Besiedlung ihr am meisten ins Auge fallendes Merkmal – Leute, die aus dem früheren ländlichen Bereich in die Randstädte pendeln, leben nun in so genannten McMansions, Riesenvillen mit immer größeren Grundstücken und den davor parkenden Geländewagen. Sie lassen die traditionellen Vorstädte der 50er Jahre mit ihren langweiligen, immer gleich aussehenden Reihenhäusern geradezu umweltgerecht aussehen. Mit anderen Worten, wenn die Leute aus der Mittelschicht weiter raus ziehen, werden die Fußabdrücke, die sie dort in der Umwelt hinterlassen um zwei bis drei Schuhgrößen zunehmen.

Die andere Seite dieser Medaille sind die Ärmsten, die an die gefährlichsten Orte verdrängt werden, auf rutschende Abhänge, in die unmittelbare Nähe von Giftmüll, auf überfluteten Ebenen, und so zu der in jedem Jahr weiter zunehmenden Todesrate durch Naturkatastrophen beitragen – was weniger ein Maß für die sich wandelnde Natur ist denn für die verzweifelten Risiken, die die Armen eingehen müssen. In den großen Städten der Dritten Welt erleben wir die Flucht eines Teils der Reichen in abgezäunte Gemeinschaften, weit außerhalb in den Vorstädten. Aber das wesentliche Phänomen ist, dass zwei Drittel der Slumbewohner der Welt sich in einer Art städtischem Niemandsland ansammeln.

Verbranntes Land

Du nennst dies den „existenziellen Ground Zero“.<

Dies deswegen, weil es sich um Urbanisierung ohne Urbanität handelt. Ein Beispiel dafür ist die radikal islamistische Gruppe, die vor einigen Jahren Casablanca angegriffen hat – etwa 15 oder 20 arme Kinder, die in der Stadt zwar groß geworden, aber in keiner Weise Teil derselben waren. Sie sind auf der Kante geboren, nicht in den traditionellen Vierteln der Armen und der Arbeiterklasse, die zwar einen fundamentalistischen, aber keinen nihilistischen Islamismus unterstützen. Sie wurden vom Lande vertrieben, aber niemals in der Stadt integriert. In ihrer Slumwelt bildeten Moscheen und islamistische Organisationen die einzige Form von Gesellschaft. Als diese Kinder die Stadt angriffen, kamen sie erstmals in ihr Zentrum. Das ist mir die Metapher für das, was weltweit passiert: eine Generation nicht nur der armen und verelendeten Städte, sondern der urbanen Müllhalden.

Nehmen wir Haidarabad, Indiens Vorzeige-Hightechstadt, eine Stadt von 60.000 Softwarearbeitern und -technikern, in der die Menschen den kalifornischen Lebensstil in Vorstädten nachahmen, die wie Santa Clara Valley aussehen, und wo man zu Starbucks gehen kann. Dieses Haidarabad ist umgeben von endlosen Slums und mehreren Millionen Menschen. Dort gibt es mehr Lumpensammler als Softwareingenieure. Einige dieser die Krumen der Hightechökonomie einsammelnden Stadtbewohner sind aus dem Inneren der Stadt vertrieben worden, um Raum für die Themenparks der neuen Mittelklasse zu machen.

Es erscheint mir, dass die Bush-Administration in Bagdad eine unheimliche Version jener urbanen Welt erschaffen hat, die du in Planet der Slums beschrieben hast. Da ist eine imperiale, mit einer Mauer umgebende Grüne Zone im Zentrum der Stadt, inklusive Starbucks, und außerhalb davon die Hauptstadt selbst und der weitreichende Slum von Sadr City – und der einzige Austausch zwischen beiden sind die mit Missiles bestückten Hubschrauber in die eine und die Autobomber in die andere Richtung.

Ganz genau. Bagdad wird zum Paradigma mit seinem Zusammenbruch des öffentlichen Raums und dem immer geringer werdenden Abstand zwischen beiden Extremen. Die einstmals zwischen Sunniten und Schiiten gemischten Stadtviertel werden immer schneller gespalten, nicht nur von den US-amerikanischen Aktionen, sondern auch vom religiös-konfessionellen Terror.

Sadr City, das früher Saddam City hieß, das östliche Viertel von Bagdad, ist in groteske Dimensionen gewachsen – 2 Millionen arme Menschen, überwiegend Schiiten. Und es wächst weiterhin, so wie im Übrigen auch sunnitische Slums, nun nicht mehr dank Saddam, sondern dank der katastrophalen US-amerikanischen Politik gerade im Bereich der Agrarwirtschaft, in die die USA fast keinerlei Rekonstruktionsgeld gesteckt haben. Große Farmländer sind zurückverwandelt in Wüste, während sich alles vergeblich auf den Wideraufbau der Ölindustrie konzentriert. Entscheidend wäre die Erhaltung eines Gleichgewichts zwischen Stadt und Land, aber die US-amerikanische Politik hat die Flucht vom Land beschleunigt.

Grüne Zonen sind eine Art eingeschlossener Viertel, Zitadellen innerhalb größerer Festungen. Man sieht diese auch anderswo auf der Welt sich herausbilden. In meinem Buch stelle ich dem das Wachstum der peripheren Slums entgegen. Die Mittelklasse gibt mit dem städtischen Zentrum ihre traditionelle Kultur auf, um in abseitige Welten mit kalifornischen Lifestyleparks zu flüchten. Manche dieser neuen Viertel sind unglaublich sicherheitsbewusst, wirkliche Festungen. Andere sind mehr typisch US-amerikanische Vororte. Alle aber drehen sich um die Leidenschaft für ein imaginiertes Amerika, vor allem um jenes Fantasie-Kalifornien, das durch das Fernsehen weltweit vermarktet wird.

Die neuen Reichen von Peking können mittels Autobahnen zu abgegrenzten Vierteln mit Namen wie Orange County und Beverly Hills pendeln. Auch in Kairo gibt es ein Beverly Hills und ein ganzes von Walt Disney thematisch gestaltetes Viertel. Auch Jakarta hat das gleiche – Siedlungen, in denen die Menschen in imaginären Amerikas leben. Diese Verbreitung betont nur die fehlenden Wurzeln der neuen weltweiten urbanen Mittelklasse. Und einher geht damit eine Besessenheit, Dinge in einer Form zu bekommen, wie sie dem durchs Fernsehen transportierten Bild entspricht. So erleben wir derzeit Architekten aus Orange County, die „Orange County“ außerhalb von Peking designen. Wir haben es hier mit einer phänomenalen Treue zu jenen Dingen zu tun, die die globale Mittelklasse im Fernsehen oder in den Kinos zu sehen bekommt.

Um zum anderen urbanen Bush-Projekt zu wechseln: etwas Vergleichbares scheint auch in New Orleans vorzugehen?

Absolut. Ein großer Teil der weißen Oberschicht in New Orleans möchte leider in einer völlig erfundenen Themenparkversion des historischen New Orleans leben anstatt sich der wirklichen Aufgabe des Wiederaufbaus der Stadt und dem Leben mit der afroamerikanischen Mehrheit zu widmen. Die Vorstellungen dieser Menschen von Authentizität haben längst jeden Bezugspunkt zur Realität verloren. In Ökologie der Angst habe ich auf das Beispiel hingewiesen, wie Universal Studios die Ikonen von Los Angeles herausdestilliert, miniaturisiert und sie an einen umgrenzten, sicheren Platz versetzt hat, den sie den City Walk nennen. Nun gehen Touristen dorthin – etwas Vergleichbares finden wir in Las Vegas –, wenn sie „die Stadt“ besichtigen wollen. Doch man besucht einen städtischen Themenpark, der nicht mehr ist als eine Straße. Die Armen werden in diesem Prozess zunehmend von jedem Zugang zu Kultur und öffentlichem Stadtraum abgeschnitten, während die Wohlhabenden freiwillig darauf verzichten, um sich in einen universellen Raum zu begeben, der sich von Land zu Land kaum unterscheidet. Was dazwischen ist, verschwindet.

Noch immer gibt es jedoch große Unterschiede zwischen den Kulturzonen und Kontinenten. Was bspw. in Lateinamerika am beängstigendsten ist, ist das Ausmaß der vor sich gehenden politischen Polarisierung, die grimmige Schärfe, mit der die Mittelklasse den Bedürfnissen und Forderungen der Armen begegnet. Chávez muss auf kubanische Ärzte zurückgreifen, weil er gerade mal eine Handvoll venezolanischer Ärzte bekommt, die in den Slums arbeiten wollen.

Der Mittlere Osten ist ganz verschieden. In Kairo bspw., wo sich der Staat zurückgezogen hat oder zu korrupt ist, um elementare Dienste anzubieten, wird deren Bedarf von islamischen Fachkräften bedient. Die Moslembruderschaft hat den Ärzteverband übernommen, ebenso den Verband der Ingenieure. Anders als die lateinamerikanische Mittelklasse, die sich nur zur Sicherung ihrer Privilegien mobilisiert, organisieren sich diese, um die betreffenden Dienste für die Armen in einer parallelen Zivilgesellschaft zu sichern. Zum Teil kommt dies von der vom Koran vorgeschriebenen Pflicht ein Zehntel den Armen zukommen zu lassen, doch haben wir es hier mit einem auffallenden Unterschied zu tun, mit enormen Auswirkungen auf das städtische Leben.

Die Ökologie der Grippe

Ich möchte einen kurzen Abstecher machen. Das Buch, das du vor Planet der Slums geschrieben hast, war das über die Vogelgrippe. Während wir miteinander sprachen, ist mir aufgefallen, dass dies thematisch mit Planet der Slums verbunden ist, weil es auch hier um eine Art der planetarischen Verslumung geht, der agrikulturellen Verslumung.

Ein an Dickens erinnerndes viktorianisches Elend ist hier neu entstanden, auf einem Niveau, das selbst die Menschen des viktorianischen Zeitalters verblüfft hätte. Und es fragt sich dabei, warum nicht auch jene intensive Beschäftigung mit den Krankheiten der Armen wiederkehrt, wie sie die viktorianische Mittelklasse kennzeichnet. Auch deren erste Reaktion auf die um sich greifenden Epidemien war, nach Hampstead zu gehen, aus der Stadt zu flüchten und zu versuchen, sich von den Armen zu separieren. Als aber klar wurde, dass die Cholera von den Slums auch in die Gebiete der Mittelklasse zu springen vermag, begannen die Investitionen in ein minimales Gesundheitssystem und die Infrastruktur öffentlicher Gesundheit. Eine ähnliche Illusion ist heute, dass wir uns irgendwie abschirmen oder isolieren oder vor den Krankheiten der Armen flüchten können. Ich glaube, dass die wenigsten von uns die massive, wirklich explosive Konzentration möglicher Krankheiten wahrnehmen, die existiert.

Vor über zwanzig Jahren haben die führenden Erforscher infektiöser Krankheiten in einer Reihe von Veröffentlichungen auf neue und wiedererstehende Krankheiten hingewiesen. Die Globalisierung, haben sie beobachtet, verursachte eine planetare ökologische Instabilität und Veränderung, die das Gleichgewicht zwischen den Menschen und ihren Mikroben in einer Weise verändert, die neue Plagen heraufbeschwört. Sie haben auch vor dem Scheitern gewarnt, eine der Globalisierung angemessene Infrastruktur von Krankheitsbeobachtung und öffentlichem Gesundheitssystem aufzubauen.

In meinem Buch untersuche ich die Beziehung zwischen dem um sich greifenden globalen Slum, überall verbunden mit sanitären Katastrophen und den klassischen Konditionen, die eine schnelle Ausbreitung von Krankheiten über menschliche Populationen erlaubt, und, auf der anderen Seite, den Veränderungen der Lebensmittelproduktion, die ganz neue Bedingungen schaffen für die Entstehung und Verbreitung von Krankheiten zwischen Tieren und ihres Übergreifens auf Menschen.

Die (Vogel-)Grippe ist ein wichtiges Paradigma von Infektionskrankheiten. Ihr klassisches Reservoir liegt in dem einzigartig produktiven agrikulturellen System des südlichen China mit seiner langen und engen ökologischen Verbindung zwischen Wildvögeln, domestizierten Vögeln, Schweinen und Menschen. Auf der einen Seite haben wir in der modernen Welt optimale Bedingungen geschaffen für die Ausbreitung der Vogelgrippe. Und andererseits hat das Wachstum der armen Städte auch die Nachfrage nach Proteinformen verstärkt, die nicht mit traditionellen Proteinressourcen befriedigt werden kann und entsprechend durch die industrielle Lebensmittelproduktion bedient wird.

Das bedeutet schlicht und einfach die Urbanisierung der Lebensmittelproduktion. Anstatt von 15 oder 20 Hühnern und einer Reihe von Schweinen auf einem kleinen Bauernhof sprechen wir, bspw. um Bangkok herum, von ganzen Landstrichen von Hühneraufzuchtfarmen, vergleichbar dem, was wir in Arkansas oder dem nordwestlichen Georgia finden können: Millionen von Hühnern leben in Lagerhäusern und Industriefarmen. Vogelansammlungen dieser Größenordnung haben niemals zuvor in der Natur existiert und befördern höchstwahrscheinlich – das haben mir die Epidemologen bestätigt, mit denen ich gesprochen habe – ein Maximum an Virulenz, die beschleunigte Evolution von Krankheiten.

Gleichzeitig wurden in der ganzen Welt Feuchtgebiete zerstört und Wasser, gewöhnlich zur Bewässerung in der Landwirtschaft, umgelenkt, weshalb Zugvögel bewässerte Felder und Reisfarmen aufsuchen. Und all dies – die Revolution der Lebensmittelherstellung, die wachsende Nachfrage der Städte vor allem nach Geflügel (nun die weltweit zweitwichtigste Proteinressource), das Wachstum der Slums, die Zerstörung der Feuchtgebiete – ist in den letzten 10–15 Jahren mit einer besonderen Schnelligkeit vonstatten gegangen. Und vor all dem sind wir vor über einer Generation von Experten für Infektionskrankheiten gewarnt worden. Dies ist eine ökologische Unordnung der ganz besonderen, verschärften Art, die die Ökologie der Grippe und die Bedingungen verändert hat, unter denen Tierkrankheiten auf Menschen übergreifen. Dies ist zudem zu einer Zeit geschehen, als sich die öffentliche Gesundheitsfürsorge im Großteil der urbanen Dritten Welt zurückentwickelt hat. Eine der Konsequenzen der Strukturanpassungsprogramme der 80er Jahre war, Hunderttausende von Ärzten, Krankenschwestern und Beschäftigten des staatlichen Gesundheitswesens in die Emigration zu treiben, Kenia oder die Philippinen zu verlassen, um in England oder Italien zu arbeiten.

Dies ist ein Patentrezept für biologische Katastrophen und die Vogelgrippe ist die zweite Pandemie der Globalisierung. Es ist heute recht klar, dass sich das HIV-Virus über das afrikanische Buschfleisch verbreitet hat, als die Westafrikaner sich dem Buschfleisch zuwandten, weil die großen europäischen Fangflotten den gesamten Fischbestand aus dem Golf von Guinea – die traditionelle Hauptressource des urbanen Proteinbedarfs –abfischten. Es gibt auch Hypothesen mit einer gewissen Glaubwürdigkeit, dass HIV wahrscheinlich in Kinshasa den kritischen Massepunkt erreichte, jener großen Stadt im Kongo, die ein herausragendes Beispiel dafür darstellt, was passiert, wenn der Staat zusammenbricht oder sich zurückzieht.

HIV, Vogelgrippe, SARS – eine andere Krankheit, die sich aus dem Handel mit Buschfleisch entwickelt hat, diesmal in den Städten des südlichen China, und sich über die Erde mit erschreckenden Schnelligkeit ausbreitet. Dies ist die Zukunft der Krankheiten…

und der Verslumung.

Ja, Krankheiten in einer Welt der Slums. Nimmt man die Kombination aus globalen Slums und weitreichender Veränderung der Ökologie von Mensch und Tier, ist so etwas wie der Übergriff der Vogelgrippe auf die Menschen unvermeidbar. Und was noch problematischer ist als die Vogelgrippe selbst, ist der Umgang mit ihr, das unverzügliche Horten Impfstoffen und Antivirenmitteln, der exklusive Zugang zum gesundheitlichen Schutz der Bevölkerung in einer Handvoll reicher Länder, die auch die Produktion dieser lebenswichtigen Medizin monopolisieren. Mit anderen Worten: das bewusste Abhängen der Armen ohne groß nachzudenken. Wenn die Vogelgrippe nicht dieses Jahr, sondern in fünf Jahren ausbricht, wird der einzige Unterschied im Ausmaß des Schutzes in den USA, Deutschland oder England liegen. Die Armen wären in derselben Lage, vor allem die afrikanische Bevölkerung, die durch den HIV-Virus so geschwächt ist, dass sie für andere Infektionen weitgehend empfänglich sein wird.

Im Dschungel der Gewalt

Dies ist die eine Art des möglichen Austauschs zwischen der imperialen Stadt und der Slumstadt. Die andere virulente Art des Austauschs ist die Gewalt, unsere Kriege gegen den Terror und die Drogen, gegen was auch immer. Wenn wir an Vietnam und dann an den Irak denken, wird der Dschungel im Rahmen moderner Kriegführung zum Slum.

Ohne die auch weiterhin existierenden explosiven sozialen Widersprüche auf dem Lande minimieren zu wollen, ist klar, dass die Zukunft der Guerilla-Kriegführung, des Aufstands gegen das Weltsystem, in die Stadt gewandert ist. Niemand hat dies mit solcher Klarheit verstanden wie das Pentagon, das mit großer Leidenschaft die empirischen Konsequenzen in den Griff zu bekommen versucht. Die Pentagon-Strategen sind den Geopolitikern und traditionellen Außenpolitikern einen gehörigen Schritt voraus beim Verständnis der Bedeutung einer Welt der Slums…

und der globalen Erwärmung.

Ja, weil sie die potenzielle Instabilität verstanden haben, die diese schaffen wird, und sich vielleicht vorstellen können, welche vorteilhaften Veränderungen sie im Gleichgewicht der Macht in deren Folge durchsetzen können.

Was die USA in den letzten Jahren gezeigt haben, ist ihre außerordentliche Fähigkeit, die hierarchischen Strukturen der modernen Stadt außer Kraft zu setzen, ihre zentrale Infrastruktur und deren Knotenpunkte anzugreifen: Fernsehstationen in die Luft zu jagen, Versorgungswege und Brücken. „Smarte“ Bomben, kleine Bomben können dies. Gleichzeitig hat jedoch das Pentagon herausgefunden, dass diese Technologie auf die Peripherie der Slums nicht anzuwenden ist, nicht auf jenes Labyrinth nicht verzeichneter, geradezu unbekannter Teile der Stadt, die jede Hierarchie ebenso vermissen lassen wie zentralisierte Infrastrukturen oder große Gebäude. Es gibt eine wirklich extensive Militärliteratur, die das aufzuhellen versucht, was das Pentagon als das neueste Terrain dieses Jahrhunderts betrachtet und, in den Slums von Karachi, Port-au-Prince und Bagdad, vorfindet und nachbildet. Vieles hiervon geht zurück auf die Erfahrung in Mogadishu [1993]. Das war ein großer Schock für die USA und zeigte, dass die traditionellen urbanen Methoden der Kriegführung in der Stadt der Slums nicht funktionieren.

Während wir wegen einer kleinen Anzahl von in den Straßen Mogadishus getöteten amerikanischen Soldaten geschockt waren, ist eine unbekannte, aber große Zahl von Somalis getötet worden.Sie können Blutbäder auf hohem Niveau veranstalten und Tausende Menschen töten. Was ihnen aber abgeht, ist die Fähigkeit, entscheidende Knotenpunkte operativ zu entfernen, einfach, weil diese kaum existieren, weil sie es nicht zu tun haben mit einem hierarchischen Raumsystem, auch nicht mit hierarchischen Organisationen. Ich weiß nicht, ob der Nationale Sicherheitsrat dies verstanden hat, aber sicherlich viele Militärdenker. Wenn man bspw. Studien des Army War College liest, findet man eine andere Geopolitik als die von der Bush-Administration verfolgte. Die Kriegsplaner betonen nicht Achsen des Bösen oder umfassende Verschwörungen. Sie betonen stattdessen das Terrain – den wild wuchernden Slum und die Möglichkeiten, die dieser einer bunten Mischung von Gegnern – Drogenbaronen, Al Qaeda, revolutionären oder religiösen Organisationen und Gruppen – bietet, um sich eine Hochburg zu schaffen. Ein Ergebnis ist, dass die Theoretiker des Pentagon Architektur und Theorie der Stadtplanung studieren. Sie benutzen Geoinformationssysteme und Satelliten, um ihre Wissenslücken zu füllen, weil der Staat normalerweise nur sehr wenig von seiner eigenen Peripherie der Slums weiß.

Hiermit verbunden ist eine andere Frage, die Frage nach den Subjekten der Veränderung. Wie wird die ausgesprochen große Minderheit der Menschheit, die nun in den Städten lebt, aber aus der formellen Weltökonomie ausgeschlossen ist, ihre Zukunft finden? Wo sind die Fähigkeiten zur historischen Veränderung? Die traditionelle Arbeiterklasse, wie sie Marx im Kommunistischen Manifest dargestellt hat, war eine revolutionäre Klasse aus zwei Gründen: weil sie keine „Aktien“ in der herrschenden Ordnung hatte, aber auch, weil im modernen Prozess industrieller Produktion zentralisiert worden war. Sie besaß ein enormes Potenzial sozialer Macht – um zu streiken, die Produktion einzustellen oder die Fabriken zu übernehmen.

Hier haben wir es aber mit einer informellen Arbeiterklasse zu tun ohne strategischen Platz in der ökonomischen Produktion, die dennoch eine neue soziale Macht entdeckt hat – die Macht, das Leben der Stadt zu unterbrechen, die Stadt zu bestreiken. Das reicht von der kreativen Gewaltlosigkeit der Menschen in El Alto, dem ausufernden Doppelslum von La Paz, wo Bewohner immer wieder den Weg zum Flughafen verbarrikadieren oder den Verkehr zum Stillstand bringen, um ihre Forderungen zu stellen, bis zu dem nun universellen Gebrauch der Autobomben durch nationalistische und religiöse Gruppen, die gegen die Viertel der Mittelschichten, die Finanzviertel und selbst die Grünen Zonen gerichtet sind. Ich glaube, dass wir hier eine Menge globaler Experimente beobachten können, um den möglichen Gebrauch der Macht der Unterbrechung herauszufinden.

Ich glaube ja, dass die größte Macht dieser Unterbrechungen die Macht ist, die globalen Energieflüsse zu unterbrechen. Arme Menschen sind auch mit minimaler Technologie in der Lage, dies auf Tausenden von unbewachten Meilen zu tun.

In diesem Kontext sieht man bereits die ersten Elemente einer aufkommenden Kampagne. Allein im letzten Monat gab es den ersten Autobombenversuch in Saudi-Arabiens größtem Ölzentrum und die erste Autobombe im Nigerdelta in Nigeria. Niemand wurde verletzt, aber der Einsatz erhöht.

Du beendest Planet der Slums mit der Bemerkung: „Während das Imperium über ein Orwell’sches Arsenal an Repressionstechnologien verfügt, haben die Geächteten die Götter des Chaos auf ihrer Seite.“

Denn Chaos ist nicht immer eine Kraft zum Schlechten. Das schlimmste Szenario ist, wenn die Menschen zum Schweigen gebracht würden. Dann wäre ihre Abwesenheit permanent. Es vollzieht sich eine stillschweigende Selektion der Menschheit. Menschen werden zum Sterben bestimmt und sie werden genauso vergessen wie die von AIDS oder Hungerkatastrophen Betroffenen.

Der Rest der Welt muss dagegen aufgeweckt werden. Und die Armen der Slums experimentieren mit einer großen Vielfalt von Ideologien, Ansätzen und Mitteln, die Unordnung anzuwenden – von geradezu apokalyptischen Angriffen auf die Modernität selbst bis zu Avantgardeversuchen, neue Modernitäten in Gang zu setzen, neue Arten sozialer Bewegung. Doch eines der fundamentalen Probleme, wenn so viele Menschen für Jobs und Raum kämpfen, ist, dass der nahe liegende Weg, sie zu regulieren, der durch Paten, Stammeshäuptlinge, ethnische Führer ist, die nach Prinzipien ethnischer, religiöser oder rassischer Ausgrenzung operieren. Dies tendiert zu sich im Kreislauf bewegenden ewigen Kriegen zwischen den Armen selbst. So findet man in derselben Stadt der Armen eine Reihe sich widersprechender Tendenzen – Menschen, die den Heiligen Geist bemühen oder Straßengangs beitreten oder radikale soziale Organisationen unterstützen oder Anhänger von religiösen oder populistischen Politikern werden.

Eine letzte Beobachtung: Du wirst oft als Apokalyptiker betrachtet, als Prophet der hoffnungslosen, katastrophalen Untergangs, aber geradezu alles, was du schreibst, behandelt den menschlichen Beitrag zur Katastrophe, die Art, wie wir uns weigern, die Realitäten dieser Welt angemessen anzugehen. So enthält dein Werk in meinen Augen immer auch ein Element der Aktivität und Hoffnung. Wenn schließlich alles eine Tat von Menschen ist, ist es auch möglich, dass Menschen so etwas vermeiden oder anders machen können.

Nun, meine Verpflichtung ist es, so klarsichtig und ehrlich wie möglich zu sein in meinen Ansichten, zu denen ich durch Forschung und Beobachtung gelangt bin – und durch meine bescheidende Lebenserfahrung. Ich fühle mich nicht verpflichtet, irgendetwas mit Dosen von sog. Optimismus zu versüßen. Irgendjemand hat einmal Ökologie der Angst wegen der angeblichen erotischen Freude an der Apokalypse angegriffen. Das heißt für mich, dass es entweder schlecht geschrieben oder schlecht gelesen wurde, denn in dem Kapitel über die apokalyptische LA-Literatur habe ich klar gemacht, dass die Freude an der Apokalypse normalerweise zu einer Art des rassistischen Voyeurismus tendiert.

Schließlich ist es jedoch wichtig, sich an die wahre Bedeutung der Apokalypse in den Religionen Abrahams zu erinnern, die letztendlich, am Ende der Zeit, am Ende der Geschichte, die Offenbarung des wahren Textes der Geschichte, der nicht von der herrschenden Klasse und ihrer Schriftgelehrten geschriebenen wahren geschichtlichen Erzählung ist. Das ist die Geschichte von unten. Deswegen hatte ich auch immer ein großes Interesse für die Religionen der Unterdrückten, weshalb ich Phänomenen wie der Pfingstbewegung – manche sagen: unkritische – Aufmerksamkeit geschenkt habe.

Ist also unsere gemeinsame Zukunft eine zerstörerische Abwärtsspirale?

Die Stadt ist unsere Arche, in der wir die Umweltturbulenzen des nächsten Jahrhunderts zu überleben versuchen. Wirklich urbane Städte sind die umweltmäßig effektivste Form des Lebens mit der Natur, die wir besitzen, weil sie die rein private oder familiäre Konsumtion durch öffentlichen, gesellschaftlichen Luxus ersetzen und weil sie einen Zusammenhang stiften kann zwischen ökologischer Nachhaltigkeit und einen anständigen Lebensstandard. Wie groß auch immer unsere Bibliothek oder unser Swimming Pool ist, es wird nie dasselbe sein wie die öffentliche Bibliothek von New York oder ein großes öffentliches Schwimmbad. Nichts wird je dem Central Park oder dem Broadway vergleichbar sein.

Eines unser größten Probleme ist: Wir bauen Städte ohne urbane Qualität. Gerade die armen Städte verbrauchen jene Naturgebiete und Wasserreserven, die für ihr ökologisches Funktionieren und ihre ökologische Nachhaltigkeit elementar sind. Und sie zerstören diese entweder aus destruktiv-privaten Spekulationsgründen oder einfach weil die Armut in alle Räume strömt. Überall auf der Welt sind die entscheidenden Wasserreserven und grünen Räume, die Städte für ihr ökologisches Funktionieren und als wirkliche Städte brauchen, mit Armut und durch private Spekulation urbanisiert. Als Ergebnis sind die armen Städte zunehmend empfindlich geworden für Katastrophen, Pandemien und katastrophische Ressourcenengpässe, speziell beim Wasser.

Umgekehrt ist der wichtigste Schritt, um mit den globalen Umweltveränderungen zurechtzukommen, massiv in die soziale und physische Infrastruktur unserer Städte zu investieren und dabei Dutzende Millionen armer Jugendlicher zu beschäftigen. Es sollte uns nicht ruhen lassen, dass Jane Jacobs [1916–2006] – die so klar gesehen hat, dass der Reichtum der Nationen nicht von den Nationen, sondern den Städten begründet wurde – ihr letztes visionäres Buch [Dark Age Ahead,2004] dem Gespenst eines drohenden dunklen Zeitalters widmen sollte.

* Das Gespräch mit Mike Davis führte der US-amerikanische Autor und Herausgeber Tom Engelhardt für www.tomdispatch.com. Das hier mit freundlicher Genehmigung der beiden veröffentlichte Gespräch (die Übersetzung besorgte Christoph Jünke für die Sozialistischen Hefte 12, Dezember 2006) behandelt vor allem Themen, die Davis in seinem Anfang 2007 im Berlin/Hamburger Verlag Assoziation A auch auf Deutsch erschienenen Buch Planet der Slums behandelt. Ende 2006 ist dort auch die Neuauflage von Mike Davis’ Klassiker City of Quartz. Ausgrabungen der Zukunft in Los Angeles erschienen. Außerdem erhältlich sind über den Verlag Assoziation A Davis’ Bücher Casino-Zombies und andere Fabeln aus dem Neon-Westen der USA (1999), Geburt der Dritten Welt. Hungerkatastrophen und Massenvernichtung im imperialistischen Zeitalter (2004), Vogelgrippe. Zur gesellschaftlichen Produktion von Epidemien (2005), Eine Geschichte der Autobombe (2007) sowie, zusammen mit Justin Akers Chacón Crossing the Border. Migration und Klassenkampf in der US-amerikanischen Geschichte (2007). Davis’ Buch Ökologie der Angst. Los Angeles und das Leben mit der Katastrophe ist 1999 im Verlag Antje Kunstmann erschienen.

 

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