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 … las ich von einem neuerlich erhobenen vornehmen Ton in der Phalanx der
DDR-Versteher; diesmal wackelten nicht die Sbirren aus dem Mal d’Archive (Derrida) mit ihren Faszikeln, sondern ein veritabler
Historiker brachte eine wirkliche Antiquität mit ins Tribunal – die Satrapie! Mein Gott, was für ein Wort!
Das war nun wirklich mal was Neues – ein bestaunenswertes Mitbringsel aus dem
intellektuellen Intershop.
Das klingt irgendwie so, wie die DDR schien: beängstigend, fremd-orientalisch,
ja ostisch. Mein guter Petri (von
1886) belehrt mich über dieses – aus dem Persischen kommende – Wort: die
Satrapen waren u.a. Landpfleger (bitte?),
sie waren gewalttätig und schwelgerisch (kann damit Wandlitz gemeint sein – wo
die ›Satrapen‹ saßen – mit dem ›Luxus‹ der unteren Mittelklasse?). Tja,
Metaphern sind immer wieder Glückssache… Davon kann der Satrapianer, - trapist
(nein, Trappisten zeichnen sich durch Schweigen aus) ein Lied singen. Was mussten
wir nicht schon alles über uns hören? Wir waren ursprünglich eine Diktatur
des Proletariats (das erste verstanden wir, das zweite schon nicht mehr),
dann eine Sozalistische
Menschengemeinschaft (hier war beides unverständlich), dann ein Unrechts-Staat, nun eben eine Satrapie. – Aber wie auch immer, da die
Leute in der Satrapie selig naturwüchsige Nominalisten waren, konnte man ihnen
noch nie begriffsrealistische Angst machen. Namen waren zum Lachen da!
Sollte man nicht vielleicht die alte Historiker-Definition (Friedrich
Schlegels) ein wenig zeitgeistgemäß variieren und sagen: Historiker sind
rückwärts gewandte Semantiker.
Merkwürdig nur, wie die alte heruntergekommene vieille Salope immer
wieder neue Begehrlichkeiten nach Begreiflichkeit erweckt – dann also: der
nächste Tui dieselbe Dame.
Steffen Dietzsch]
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