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Nietzsche-Haus in Sils-Maria erweitert - Nachlass Oscar Levy
von Steffen Dietzsch In Sils-Maria wurde am 15. Juli 2004 im Nietzsche-Haus ein Bibliotheks-Anbau eingeweiht, der den Nachlass des Nietzsche-Forschers Oscar Levy (1867-1946) beherbergt. Oscar Levy, ein deutscher Jude aus Stargard (Pomm.), in Freiburg 1892 zum Dr. med. promoviert, lebte seit 1894 in England. Hier versammelte er bald einen Kreis junger Literaten um sich, mit denen er eine englische Gesamtausgabe der Werke Friedrich Nietzsches vorbereitete und zwischen 1909 und 1913 in achtzehn Bänden herausgab.
Zwischen den beiden Weltkriegen wirkte Levy als ein europäischer Flaneur in der südlichen Landschaft Zarathustras. Er sah sich immer im Dienste der ‚europäischen Botschaft' Nietzsche, d.h. gegen Nationalismus - gleich welcher Couleur, und gegen den geistigen Ruin, den die beiden totalitären Mächte ‚Nationalsozialismus' und ‚Bolschewismus' über Europa zu verhängen drohten. Levy war dabei im vielfältigen brieflichen Kontakt oder persönlichen Gespräch mit maßgeblichen Intellektuellen seiner Zeit, wie Heinrich & Thomas Mann, Annette Kolb, René Schickele, Georges Bernard Shaw, Paul Nicolas, Norman Douglas oder mit Theodor Herzls Sohn Hans Heval, der z.B. Anfang der zwanziger Jahre vorschlug, Oscar Levy als Vertreter der Zionistenorganisation in den Völkerbund zu entsenden. Die Eröffnungsausstellung in Sils gab nun einen ersten Eindruck vom bemerkenswerten Umfang der Hinterlassenschaft Levys. Bücher, Bilder und Korrespondenzen aus den Jahren von vor der Jahrhundertwende bis nach dem Zweiten Weltkrieg lassen auf ganz neue Dimensionen für die Rezeptions-Forschung zur internationalen Wirkung Nietzsches jener Jahre hoffen. Eine ganz besondere - sozusagen ‚historische' - Atmosphäre lag über der Eröffnungsveranstaltung, weil als Ehrengäste die Spenderfamilie anwesend war: die - inzwischen fünfundneunzigjährige - Tochter Oscar Levys, Maud, und ihr Mann Albi Rosenthal aus Oxford, der seinerseits aus einer alten deutschen Antiquarsdynastie stammt. Oscar Levys Enkelin Julia Rosenthal erinnerte in ihrer Eröffnungsrede an den singulären Rang Levys als ungebundener und von akademischen Rücksichten freier Forscher, der vielleicht zu den authentischsten Lesern Nietzsches seiner Generation und zu den frühen Verfechtern der Idee eines vereinten Europas gehörte. Julia Rosenthal gibt zusammen mit Steffen Dietzsch eine Ausgabe Gesammelter Schriften Oscar Levys heraus.
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