Voegelin: Ordnung und Geschichte PDF Drucken E-Mail
23.03.2008

Eric Voegelin: Ordnung und Geschichte
Hg. v. Peter J. Opitz und Dietmar Herz
10 Bde., München (Fink) 2002-04


Die deutsche Übersetzung von Order and History, dem (im Original fünf Bände umfassenden) Hauptwerk Eric Voegelins, dessen Anfänge von ihm selbst in die Zwanziger Jahre verlegt wurden und an dem er bis zu seinem Tod 1985 schrieb, erschien 2002-2004 in zehn Bänden unter dem Titel Ordnung und Geschichte. Der erste Band (Die kosmologischen Reiche des alten Orients – Mesopotamien und Ägypten) wurde von dem Ägyptologen Jan Assmann herausgegeben. Assmanns Einleitung, vor allem aber das Nachwort zu diesem Band ist von programmatischem Interesse. In Anbetracht einer formal dürftigen, in der Sache unübersichtlichen Rezeptionslage dürfte die Aufmerksamkeit, die Voegelins Werk seitens der Forschung zum kulturellen Gedächtnis erfährt, im Hinblick auf die Wahrnehmung seiner thematischen Leitlinien Fakten schaffen. Allerdings gilt Voegelins Forschungsintention erst in zweiter Linie der ›Konnektivität‹ (Assmann) stiftenden Funktion von Kultur. Primär ist die platonische Frage nach der Ordnung der Seele und ihrer angemessenen bzw. unangemessenen Repräsentation in den politischen Symbolen und Ordnungskonzepten, wie sie im Lauf der Menschheitsgeschichte auftreten und einander verdrängen oder nebeneinander existieren. Geschichtsphilosophisch ist dieser Ansatz insofern, als er die frühe Abfolge der Ordnungssymbole und -systeme als Entfaltung der transzendenten Struktur von Erfahrung beschreibt. Im achten Band (Das ökumenische Zeitalter – Die Legitimität der Antike) bricht Voegelin mit dem geschichtsphilosophischen Ansatz. Was auf die Darstellung der ökumenischen Reiche der Antike folgt, ist philosophische Kritik. In ihrem Zentrum steht die ›deutsche Revolution des Bewusstseins‹ an der Wende vom achtzehnten zum neunzehnten (und erneut vom neunzehnten zum zwanzigsten) Jahrhundert, die als eine Abfolge von spekulativ-begrifflichen Deformationen primärer Bewusstseinserfahrung verstanden wird. Der abschließende, unvollendet gebliebene Band 10 (Auf der Suche nach Ordnung) entfaltet die Struktur der ›Suche‹ selbst als die der transzendenten Erfahrung, die in den konkreten historischen Formationen prinzipiell nur unvollkommenen Ausdruck findet.

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