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Seite 1 von 2 Gab es zur Westintegration die Alternative der Deutschen Einheit? von Wolfgang Seiffert [Vorb. d. Red.:] Der folgende Beitrag des emeritierten Völkerrechtlers Wolfgang Seiffert ist u. E. aus mehreren Gründen von Interesse. Es liegt auf der Hand: Wenn bereits Jahrzehnte vor 1990 die Möglichkeit einer Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands im Status der Blockfreiheit bestanden hat, berührt dies die Legitimität der bundesdeutschen Außen- und Sicherheits-, Ost- und Deutschlandpolitik in der Teilungsperiode. Seit langem existiert unter professionellen Historikern über diese Frage eine grundsätzliche Kontroverse, die mit der besseren Zugänglichkeit vor allem der russischen Archivalien seit den frühen 90er Jahren heftig wiederaufgelebt ist. Dabei geht es vorrangig um die Deutung sowjetischer Initiativen während der 50er Jahre, von denen die Stalin-Noten vom März und April 1952 die spektakulärsten, aber nicht die einzigen waren.
Trotz dieser offenkundigen politischen Brisanz findet die Deutschlandpolitik der Teilungszeit im Spannungsfeld von Wiedervereinigungsfrage und doppelseitiger Blockintegration öffentlich kaum noch Interesse. Der Mainstream hatte sich spätestens in den 80er Jahren auf die Formel verständigt: Die von Adenauer durchgesetzte segensreiche Westbindung sei später durch die von Brandt und Schmidt realisierte, wirklichkeitsangemessene Verständigung mit dem Osten ergänzt worden. Beides zusammen, so heißt es inzwischen außerdem, hätte schließlich die Neuvereinigung Deutschlands ermöglicht. Wolfgang Seiffert gehört zu denen, die die Alternativlosigkeit der Entwicklung der deutschen Nachkriegsgeschichte bestreiten, und das nicht erst seit 1989/90. Als jemand , der die beiden deutschen Staaten und ihre Machteliten aus eigenem Erleben kannte, gehörte er zu jenen wenigen Wissenschaftlern und Publizisten verschiedener Couleurs, die auf der Brisanz der deutschen Frage und der Notwendigkeit ihrer Lösung durch Überwindung des Status quo beharrten. Angesichts dessen wirkt es befremdlich, dass für den hier vorliegenden Artikel im Deutschland-Archiv kein Platz war – dort hätte er der Absicht des Autors gemäß zunächst veröffentlicht werden sollen. Als ein Organ des freien Wortes, auch jenseits diverser politischer oder anderer Korrektheiten, geben wir den Argumenten und Appellen Seifferts Raum. Über seine Person informiert die ebenfalls hier eingestellte Rezension seines 2006 erschienenen Erinnerungsbuches von Peter Brandt.
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