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Schelme, Schalk und Schabernack von Peter Heisch Wer Schabernack treibt, hat offenbar den Schalk im Nacken sitzen. Obwohl Schalk und Schabernack ein symbiotisches Verhältnis zueinander haben, aus dem sie gemeinsamen Nutzen ziehen, wird man doch fragen dürfen, wie sie beide zu ihrem etwas befremdlichen Namen kamen. Ihre Herkunft liegt jedoch im Dunkel der Zeiten. Was den Schalk betrifft, so steht zu vermuten, dass er sich von Sklave herleitet, also einem Bediensteten, aus dem später südlich der Alpen ein ›scalco‹, ein Küchenmeister, Vorkoster oder Aufschneider wurde, der bald einmal zum Marschalk in seiner Eigenschaft als Rossknecht geriet, der in aristokratischen Hierarchien gar als Stallmeister eines Pferdegestüts und schließlich in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber eines Heeres zum Generalfeldmarschall avancierte, wozu es allerdings kaum des Schalks im Sinne von Witz und Humor bedurfte.
Es wäre denn auch entschieden zu viel verlangt, von einem Marschall ein Faible für Schalk und Schabernack erwarten zu wollen, dessen Sinnen und Trachten vorwiegend auf blutige Schelmenstücke gerichtet war, die sich auf Kriegsschauplätzen abspielten. Dort machte der Schelm einst seinem Namen alle Ehre, indem er von ›scalmo‹, ›scelmo‹, ›schalme‹ herkommt und als Scheltwort einst so viel wie Kadaver bedeutete und daher nicht die entfernteste Ähnlichkeit mit jenem listig-lustigen Schelm aufweist, der irgendwo heillosen Unfug anstellt, der uns zum Lächeln und Nachdenken anregt. Was hat es aber andererseits mit der gängigen Redensart auf sich, jemandem sitze förmlich der Schalk im Nacken? Rührt sie vielleicht daher, dass Hofnarren anlässlich überbordender Heiterkeitsausbrüche gelegentlich die Narrenkappe ins Genick gerutscht sein könnte? Oder spielt der Schalk im Nacken auf das sich häufig sträubende Nackenhaar bei jenen an, die zu unfreiwilligen Opfern des spöttischen Schabernacks wurden, vor dem es galt, auf der Hut zu sein, um ungeschoren davonzukommen? Genaues weiss man nicht. Deshalb kratzen sich die Sprachgelehrten zu diesem Thema verlegen die Nackenhaare, was zumindest die Hirnströme im Hinterkopf anregen soll. Als gesichert gilt immerhin, dass bei den alten Germanen ein ausrasierter Nacken als unehrenhaft galt, weshalb es völlig verfehlt gewesen wäre, sich der ›Wolle‹, also des ›Schalks im Nacken‹, zu entledigen. Man hätte sich damit höchstens selbst diffamiert und in die Kategorie der ›Gscherten‹ eingereiht, wie man in gewissen Alpengegenden die hochnäsigen Städter zu bezeichnen pflegte, die, elegant geschniegelt, glatt rasiert, mit Fassonschnitt ohne Nackenhaar, als eigentliche Deppen angesehen wurden. Hingegen standen die Schalksnarren als gesellschaftliche Aussenseiter im Widerspruch zu den ›besser Gestrählten‹. Bezeichnenderweise bestanden früher vor allem die Scharfrichter entschieden darauf, dass den Delinquenten vor ihrer Hinrichtung durch das Schwert die Nackenhaare ausrasiert wurden.
Einer anderen Hypothese zufolge soll es sich bei der stehenden Wendung vom ›Schalk im Nacken‹ um einen listigen Kobold gehandelt haben, der manch einem bisweilen impertinente Frechheiten ins Ohr flüsterte und ihn dazu ermunterte, ein loses Mundwerk zu führen. Das würde immerhin erklären, weshalb man von ihm sagte, er habe es faustdick hinter den Ohren. Welch aberwitziger Zufall, dass sich ausgerechnet ein Thomas Gottschalk zum wortgewandten Moderator der Fernsehunterhaltung mausern konnte, dessen Name gleichsam programmatisch für die Verbreitung von telegenem Schabernack steht. Wenn man allerdings die Allotria treibenden jungen Hupfdohlen des Entertainements betrachtet, könnte man leicht zur Überzeugung gelangen, ihre Darbietungen müssten eigentlich der spärlichen Bekleidung angemessen besser Schabernackt heissen. Wie ich auch immer wieder versucht bin, von Schlacke 04 zu sprechen, wenn die ominöse Fussballelf Schalke aus dem Kohlenpott spielt, die sich nach ihrem zahlungskräftigen russischen Sponsor fairerweise eigentlich längst Gazprom 06 nennen müsste. Doch sei dem, wie ihm wolle: »Von allen Geistern, die verneinen, ist mir der Schalk am wenigsten zur Last« lässt schliesslich Goethe seinen Faust im Prolog zum Himmel sagen. Dem ist nichts hinzuzufügen. |