Herbert Ammon ist Historiker und politischer Publizist. Bis 2003 lehrte er als Dozent für Geschichte und Soziologie am Studienkolleg für ausländische Studierende der Freien Universität Berlin. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen deutsche und amerikanische Geschichte, Ideengeschichte sowie Deutschlandpolitik.



Löw: Kommun. Manifest (Ammon) PDF Drucken E-Mail
28.02.2010
Mit grobem Knüppel gegen die Botschaft von St. Marx

Konrad Löw: Kam das Ende vor dem Anfang? 150 Jahre Manifest der Kommunistischen Partei, Köln (Kölner Universitätsverlag) 1998, 202 S.


von Herbert Ammon

Kaum ein Erzeugnis der politischen Literatur hat solch immense weltgeschichtliche Folgen gezeitigt wie das im Februar 1848 veröffentlichte Kommunistische Manifest. Und doch: Zum 150. Erscheinungsjahr fiel die Debatte über die berühmteste Schrift der Begründer des ›wissenschaftlichen Sozialismus‹ in Wissenschaft und Publizistik eher bescheiden aus,eine Spätfolge des eklatanten Scheiterns des realen Sozialismus anno 1989. Zu den spektakulären Ausnahmen gehörte ein Aufsatz des amerikanischen Sozialphilosophen Richard Rorty (1931-2007), der aus der sozialreformerischen Tradition der amerikanischen liberals heraus in das Programm der sozialistischen Weltrevolution die Lehre der Bergpredigt hineinlas. Ein Indiz für die alsbaldige Renaissance des Marxismus?

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Brumlik: Wer Sturm sät (Ammon) PDF Drucken E-Mail
28.02.2010
Vertreibungen: Ungereimtes und Unbequemes zum ungeliebten Thema

Micha Brumlik: Wer Sturm sät. Die Vertreibung der Deutschen, Berlin (Aufbau Verlag) 2005, 300 S.
Helga Hirsch: Schweres Gepäck. Flucht und Vertreibung als Lebensthema, Hamburg (Edition Körber-Stiftung) 2004, 257 S.

von Herbert Ammon

Der Pädagoge Micha Brumlik zielt mit seinem Essay auf um das von Erika Steinbach (CDU) und dem 2005 verstorbenen Peter Glotz (SPD) initiierte Zentrum gegen Vertreibungen. Anfangs gehörte er neben Persönlichkeiten wie György Konrad, Ralph Giordano und Alfred de Zayas zu den Befürwortern des Projekts. Er habe sich davon distanziert, als ihm »klar wurde, dass die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen...nicht wirklich willens und in der Lage war, sich von ihrem nationalkonservativen und völkischen Umfeld zu lösen« (135). Ungeachtet des von den Initiatoren bekundeten Konzeptes vermutet Brumlik als »das heimliche Motiv vieler vielen (nicht aller) Betreiber der Zentrumsidee« eine »Konkurrenz mit dem Gedenken an die Opfer der Shoah« (117) und meint, jüdische Intellektuelle wie Ralph Giordano, Julius H. Schoeps und Michael Wolffsohn seien »von Steinbach letztlich düpiert worden« (125).

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Haarmann: Dissidenten (Ammon) PDF Drucken E-Mail
22.02.2010
Patriotische Dissidenten vor 1989

Lutz Haarmann: »Die deutsche Einheit kommt bestimmt!« Zum Spannungsverhältnis von Deutscher Frage, Geschichtspolitik und westdeutscher Dissidenz in den 1980er Jahren, Berin (Berliner Wissenschafts-Verlag) 2005, 139 S.


von Herbert Ammon

Die Dynamik der Ereignisse des Jahres 1989, die zum Mauerfall führten, traf die classe politica der alten Bundesrepublik, kaum anders als die SED-Führung in der DDR, wie ein Naturereignis. Von Differenzen in der politischen Rhetorik zur ›Offenheit‹ der Deutschen Frage sowie in der geschichtspolitischen Ausdeutung der deutschen Katastrophe 1933-45 abgesehen, hatten sich alle Parteien mit dem Status quo der deutschen Teilung abgefunden. Aus parteitaktischen Gründen wehrte Bundeskanzler Kohl auf dem CDU-Parteitag 1988 einen Vorstoß ab, den Vorrang der europäischen Einigung im Parteiprogramm zu verankern. Auf der anderen Seite räumten SPD-Politiker die noch in der neuen Ostpolitik auf »Wiedererlangung der deutschen Einheit in freier Selbstbestimmung« abgestellten Positionen. In Wissenschaft und Publizistik ging es um die »Selbstanerkennung« der Bundesrepublik, Historiker wie Hans Mommsen und Lutz Niethammer redeten der Herausbildung der deutschen Binationalität das Wort.

 

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Eckert: Konservative Revolution (Ammon) PDF Drucken E-Mail
22.02.2010
Weder rechts noch links«. Französische Geistesverwandte der Konservativen Revolution

Hans-Wilhelm Eckert: Konservative Revolution in Frankreich? Die Nonkonformisten der Jeune Droite und des Ordre Nouveau in der Krise der 30er Jahre, München (R. Oldenbourg Verlag) 2000, 267 S.


von Herbert Ammon

Die ideengeschichtlich schillernde Konservative Revolution steht noch immer als Synonym für die Verirrungen des deutschen Geistes, für alles, was einst Kurt Sontheimer als »antidemokatisches Denken in der Weimarer Republik« indizierte. Kenner der Materie, von Armin Mohler bis zu Stefan Breuer und Rolf Peter Sieferle, haben dagegen längst gezeigt, dass die in den zwanziger Jahren in Deutschland eklatierende Bewußtseinskrise, das Unbehagen an positivistischem Fortschrittsglauben, die Kritik an Kapitalismus und industrieller Massengesellschaft, die Ablehnung der parlamentarischen Demokratie, kurz: die ideelle Revolte gegen das liberale System gesamteuropäische Dimensionen hatte.

 

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Ammon: Weiße Rose PDF Drucken E-Mail
18.02.2010
Die geschichtliche Tragik der »Weißen Rose« und die politische Moral der Nachgeborenen

von Herbert Ammon

Es lebe die Freiheit!
(Hans Scholl vor seinem Tod am 22. Februar 1943)

Freut Euch mit mir! Ich darf für mein Vaterland, für ein gerechtes und schöneres Vaterland, das bestimmt aus diesem Krieg hervorgehen wird, sterben.
(Kurt Huber an seine Familie vor seinem Tod am 13. Juli 1943).

I

Der ideelle Zustand einer Nation – wenn es denn den historisch-politischen Bezugsrahmen in der globalisierten, universalethisch-ideologisch überhöhten Gegenwart noch gibt (oder noch geben soll) – manifestiert sich in ihrer ›kollektiven Erinnerung‹, in lieux de mémoire, in Namen und Symbolen. Eines der schönsten und bewegendsten Zeichen der jüngeren deutschen Geschichte ist die »Weiße Rose«. Dass im Auseinanderfallen von Mythos und Wirklichkeit, im Hinblick auf deutsche Einzelschicksale wie auf die vom Nazismus herbeigeführte deutsche Katastrophe, der Mythos die historische Wahrheit birgt, wäre an der Tragik der »Weißen Rose« beispielhaft zu zeigen.

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ten Brink: Neue Geopolitik (Ammon) PDF Drucken E-Mail
12.07.2009
 
Neue Geopolitik? Vom begrenzten Nutzen der reinen Frankfurter Theorie

Tobias ten Brink: Geopolitik. Geschichte und Gegenwart kapitalistischer Staatenkonkurrenz. Mit einem Vorwort von Bob Jessop, Münster 2008: Westfälisches Dampfboot, 307 S.

von Herbert Ammon

Mit Geopolitik, den geographischen und historisch-kulturellen Bedingungen politischen Handelns, hat sich die ›kritische Linke‹ im 20. Jahrhundert kaum je befasst. Als ideologisch aufgeladenes Synonym für den Imperialismus, dereinst im Weltkriegsjahr 1916 (veröffentlicht 1917) von Lenin »gemeinverständlich« definiert »als höchstes Stadium des Kapitalismus«, war der Begriff verpönt...

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