Herbert Ammon ist Historiker und politischer Publizist. Bis 2003 lehrte er als Dozent für Geschichte und Soziologie am Studienkolleg für ausländische Studierende der Freien Universität Berlin. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen deutsche und amerikanische Geschichte, Ideengeschichte sowie Deutschlandpolitik.
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Schröder: Jugendgewalt (Ammon) |
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01.03.2010 |
Weniger rechtsextremistisch als antizivil. Zur Bewusstseinslage von Jugendlichen in Ost und West
Klaus Schröder: Rechtsextremismus und Jugendgewalt in Deutschland: ein Ost-West-Vergleich, München (Bayerische Landeszentrale
für politische Bildungsarbeit) 2003, 617 S.
von Herbert Ammon
Wie real ist die ›braune Gefahr‹, wie verbreitet sind rechtsextremistische Tendenzen unter
Jugendlichen, was fasziniert an der Subkultur der Skinheads, an Nazi-Rock und martialischem ›Outfit‹? Wann immer von
›rechten‹ Gewalttaten zu berichten ist – da wird ein Obdachloser totgeprügelt, da wird ein Jugendlicher
wegen seines ›linken‹ Aussehens zusammengeschlagen und in der Jauchegrube versenkt – sind die Medien mit Erklärungen
schnell zur Hand: Schuld sei der nie überwundene Rechtsextremismus, der im Gefolge der Wiedervereinigung aufgelebt sei
und vor allem im östlichen Deutschland seinen Nährboden gefunden habe. Werden ›Experten‹ zu Rate gezogen, so dient
bezüglich der Ex-DDR als theoretisches Grundmodell vielfach noch der ›autoritäre Charakter‹ und die Faschismus-Skala,
welche die westdeutschen 68er einst bei Th. W. Adorno u.a. erlernten und auf ihre Vätergeneration anwandten... |
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01.03.2010 |
Von der Revolution überraschte Oppositionelle
Detlef Pollack: Politischer Protest. Politisch alternative Gruppen in der DDR, Opladen (Leske – Budrich) 2000, 282 S.
von Herbert Ammon
›Wende‹ oder Revolution? Zu den Vorzügen des vorliegenden Buches gehört, dass sein Autor sich nicht der Tendenz
unterwirft, die alles
umstürzenden Ereignisse im Herbst 1989 im Sprachduktus der zu demokratischen Sozialisten gewendeten Kommunisten zur bloßen
›Wende‹
zu verflachen, sondern als das zu benennen, was zum
Erstaunen der Welt wirklich stattfand: eine Revolution.
Wie aber kam es zu dieser friedlichen deutschen Herbstrevolution? War sie ein Werk der Bürgerrechtler und ihrer Gruppen, eine
Volksrevolution, ein Geschenk Gorbatschows oder eine bloße »exit-Revolution«...
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Löw: Kommun. Manifest (Ammon) |
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28.02.2010 |
Mit grobem Knüppel gegen die Botschaft von St. Marx
Konrad Löw: Kam das Ende vor dem Anfang? 150 Jahre Manifest der Kommunistischen Partei, Köln (Kölner Universitätsverlag) 1998, 202 S.
von Herbert Ammon
Kaum ein Erzeugnis der politischen Literatur hat solch immense
weltgeschichtliche Folgen gezeitigt wie das im Februar 1848
veröffentlichte Kommunistische Manifest. Und doch: Zum 150. Erscheinungsjahr
fiel die Debatte über die berühmteste Schrift der Begründer des
›wissenschaftlichen Sozialismus‹ in Wissenschaft und Publizistik eher
bescheiden aus,eine Spätfolge des eklatanten Scheiterns des realen
Sozialismus anno 1989. Zu den spektakulären Ausnahmen gehörte ein
Aufsatz des amerikanischen Sozialphilosophen Richard Rorty (1931-2007),
der aus der sozialreformerischen Tradition der amerikanischen liberals
heraus in das Programm der sozialistischen Weltrevolution die Lehre der
Bergpredigt hineinlas. Ein Indiz für die alsbaldige Renaissance des
Marxismus?
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Brumlik: Wer Sturm sät (Ammon) |
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28.02.2010 |
Vertreibungen: Ungereimtes und Unbequemes zum ungeliebten Thema
Micha Brumlik: Wer Sturm sät. Die Vertreibung der Deutschen, Berlin (Aufbau Verlag) 2005, 300 S.
Helga Hirsch: Schweres Gepäck. Flucht und Vertreibung als Lebensthema, Hamburg (Edition Körber-Stiftung) 2004, 257 S.
von Herbert Ammon
Micha Brumlik zielt mit seinem Essay auf um das von Erika Steinbach
(CDU) und dem 2005 verstorbenen Peter Glotz (SPD) initiierte
Zentrum gegen Vertreibungen. Anfangs gehörte er neben Persönlichkeiten
wie György Konrad, Ralph Giordano und Alfred de Zayas zu den
Befürwortern des Projekts. Er habe sich davon distanziert, als ihm
»klar wurde, dass die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen...nicht
wirklich willens und in der Lage war, sich von ihrem
nationalkonservativen und völkischen Umfeld zu lösen« (135). Ungeachtet
des von den Initiatoren bekundeten Konzeptes vermutet Brumlik als »das
heimliche Motiv vieler vielen (nicht aller) Betreiber der Zentrumsidee«
eine »Konkurrenz mit dem Gedenken an die Opfer der Shoah« (117) und
meint, jüdische Intellektuelle wie Ralph Giordano, Julius H. Schoeps
und Michael Wolffsohn seien »von Steinbach letztlich düpiert worden«
(125).
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Haarmann: Dissidenten (Ammon) |
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22.02.2010 |
Patriotische Dissidenten vor 1989
Lutz Haarmann: »Die deutsche Einheit kommt bestimmt!« Zum
Spannungsverhältnis von Deutscher Frage, Geschichtspolitik und
westdeutscher Dissidenz in den 1980er Jahren, Berin (Berliner
Wissenschafts-Verlag) 2005, 139 S.
von Herbert Ammon
Die Dynamik der Ereignisse des Jahres 1989, die zum Mauerfall führten, traf die classe politica der alten Bundesrepublik, kaum
anders als die SED-Führung in der DDR, wie ein Naturereignis. Von Differenzen in der politischen Rhetorik zur ›Offenheit‹ der
Deutschen Frage sowie in der geschichtspolitischen Ausdeutung der deutschen Katastrophe 1933-45 abgesehen, hatten sich alle
Parteien mit dem Status quo der deutschen Teilung abgefunden. Aus parteitaktischen Gründen wehrte Bundeskanzler Kohl auf dem
CDU-Parteitag 1988 einen Vorstoß ab, den Vorrang der europäischen Einigung im Parteiprogramm zu verankern. Auf der anderen
Seite räumten SPD-Politiker die noch in der neuen Ostpolitik auf »Wiedererlangung der deutschen Einheit in
freier Selbstbestimmung« abgestellten Positionen. In Wissenschaft und Publizistik ging es um die »Selbstanerkennung« der
Bundesrepublik, Historiker wie Hans Mommsen und Lutz Niethammer redeten der Herausbildung der deutschen Binationalität das Wort. |
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Eckert: Konservative Revolution (Ammon) |
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22.02.2010 |
Weder rechts noch links«. Französische Geistesverwandte der Konservativen Revolution
Hans-Wilhelm Eckert: Konservative Revolution in Frankreich? Die
Nonkonformisten der Jeune Droite und des Ordre Nouveau in der Krise der
30er Jahre, München (R. Oldenbourg Verlag) 2000, 267 S.
von Herbert Ammon
Die ideengeschichtlich schillernde Konservative Revolution steht noch
immer als Synonym für die Verirrungen des deutschen Geistes, für alles,
was einst Kurt Sontheimer als »antidemokatisches Denken in der Weimarer
Republik« indizierte. Kenner der Materie, von Armin Mohler bis zu
Stefan Breuer und Rolf Peter Sieferle, haben dagegen längst gezeigt,
dass die in den zwanziger Jahren in Deutschland eklatierende
Bewußtseinskrise, das Unbehagen an positivistischem
Fortschrittsglauben, die Kritik an Kapitalismus und industrieller
Massengesellschaft, die Ablehnung der parlamentarischen Demokratie,
kurz: die ideelle Revolte gegen das liberale System gesamteuropäische
Dimensionen hatte. |
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