Christoph Jünke ist Historiker, politischer Publizist und Vorsitzender der Leo Kofler-Gesellschaft e.V. Die Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit liegen in der Zeitgeschichte und der politischen Ideengeschichte, speziell der Geschichte und Theorie der Arbeiterbewegung und des Sozialismus.



Jünke: Viktor Agartz (1897-1964) PDF Drucken E-Mail
28.02.2010
Viktor Agartz und die alternative Elitenbildung

von Christoph Jünke

I.

Warum sollten sich Historiker, Sozialwissenschaftler und, vor allem, gewerkschaftlich Interessierte mit Leben und Werk von Viktor Agartz (1897-1964) auseinandersetzen? Nicht nur, aber vor allem weil Agartz einer der herausragendsten und umstrittensten Gestalten der deutschen Nachkriegszeit gewesen ist. Der bereits in den 1920ern aktive linke Sozialdemokrat gehört zu den wenigen Deutschen, die während des Nazi-Faschismus eine unbefleckte Weste ihr eigen nennen konnten. Er hat sich, soweit ihm dies möglich war, im antifaschistischen Widerstand innerhalb des Deutschen Reiches engagiert. Unmittelbar nach Krieg und Faschismus war er der neben Kurt Schuhmacher und Hans Böckler wohl wichtigste Funktionär und Vordenker von SPD, Gewerkschaften und Konsumgenossenschaftsbewegung, führend mitbeteiligt am ökonomischen und politischen Wiederaufbau des zerstörten Landes. Als Politiker und Gewerkschafter der ersten Stunde war er wesentlich mitverantwortlich für die von der SPD und den Gewerkschaften nach dem Zusammenbruch des Nazi-Faschismus propagierte und betriebene Wirtschaftspolitik, die sich auch nach der Gründung des westdeutschen Staates im Münchner DGB-Programm von 1949 praktisch niederschlug. Als langjähriger Leiter des gewerkschaftseigenen Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes (WWI) hat er diese Politik auch öffentlichkeitswirksam maßgeblich mitgestaltet...

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Jünke: Rudi Dutschke (1940-1979) PDF Drucken E-Mail
06.02.2010
Rudi Dutschke und die Theorie der antiautoritären Revolte

von Christoph Jünke

Rudi Dutschke, der am 7. März diesen Jahres gerade mal 70 Jahre alt geworden wäre und doch schon seit 30 Jahren tot ist, gilt als Aktivist, als Praktiker der Revolte, seine Theorie dagegen als wenig systematisch, als eklektizistisch gar. Entsprechend beschäftigt man sich zumeist mit der Person und hält dessen Ideen für vernachlässigbar. Doch ob als existentialistisch beeinflusster Student im Berlin der beginnenden 1960er Jahre oder als antiautoritärer, revolutionär-sozialistischer Agitator des SDS und der APO, ob als aufrechter Einzelkämpfer im dänischen Exil Mitte oder als grün-alternativer Stratege am Ende der 1970er Jahre, immer ging es Dutschke mit der Erneuerung radikal-sozialistischer Politik auch um die Erneuerung ihrer theoretischen Grundlagen, denn eine »tiefe Auseinandersetzung mit der geschichtlich-gesellschaftlichen Wirklichkeit der Gegenwart kann und darf«, wie er 1968 schrieb, »nicht von den bisherigen Resultaten der revolutionären Theorie abstrahieren«.

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Anderson: Türkei (Jünke) PDF Drucken E-Mail
24.07.2009
Kulturkampf in der Türkei?

Perry Anderson: Nach Atatürk. Die Türken, ihr Staat und Europa, Berlin (Berenberg Verlag) 2009, 184 Seiten

von Christoph Jünke

Von türkischen Turbulenzen sprechen politische Kommentatoren und Analysten, von einem sich zuspitzenden Kulturkampf am Bosporus, und was wir gelegentlich über die Nachrichtenticker wahrzunehmen vermögen, klingt schon recht kurios. So erklärte das türkische Verfassungsgericht 2007 die türkische Regierungspartei AKP für verfassungswidrig und scheiterte nur knapp damit, sie deswegen verbieten zu lassen. Die gemäßigt islamische AKP wiederum setzte auf parlamentarischem Wege einen Verfassungszusatz in Kraft, der es türkischen Frauen ›ermöglicht‹, mit Kopftuch zu studieren, was daraufhin von den kemalistischen Verfassungswächtern wiederum für null und nichtig erklärt wurde.

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Hoffrogge: Novemberrevolution (Jünke) PDF Drucken E-Mail
04.04.2009
Sisyphus: Richard Müller

Ralf Hoffrogge: Richard Müller. Der Mann hinter der Novemberrevolution, Berlin (Karl Dietz-Verlag) 2008, 234 Seiten

von Christoph Jünke

Biografien waren einst den großen Männern der Geschichte vorbehalten und galten – je nachdem, welcher Weltanschauung man anhing – mal als die Krönung der geschichtswissenschaftlichen Kunst und mal als deren zu vernachlässigendes Hinterteil. Mit dem nachhaltigen Einbruch...

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Eagleton: Sinn des Lebens (Jünke) PDF Drucken E-Mail
25.03.2009
139 plus minus eins 

von Christph Jünke

Es gibt nur wenige Fragen, die die menschliche Vorstellungskraft in solche Höhen und Tiefen zu treiben vermögen wie die Frage nach dem Sinn des Lebens. Und doch stellt sie sich als ewige, als zutiefst menschliche Frage...

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Rancière: Demokratie (Jünke) PDF Drucken E-Mail
24.01.2009
Der neue Abscheu vor der Demokratie

Jacques Rancière: Hatred of Democracy, London (Verso) 2006, 106 Seiten

von Christoph Jünke

Wahlabstinenz, politische Apathie und Politikerverachtung haben sich im Alltagsleben unserer Gesellschaften nachhaltig verankert. Dass die Bürgerinnen und Bürger demokratiemüde geworden seien, heißt es nicht ganz zu Unrecht...

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