
Steffen Dietzsch ist Professor für Philosophie und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität Berlin. Er ist Direktor des Kondylis-Instituts für Kulturanalyse und Alterationsforschung (Kondiaf). Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Kantforschung und -biographik, Philosophie des Deutschen Idealismus und europäische Nietzsche-Rezeption.
Bannkreis: Neulich im Einstein... Das Einstein
in der Kurfürstenstraße - mit Dependancen ›Unter den Linden‹ und in der
Friedrichstraße - ist das schönste und legendärste Caféhaus Wiener
Prägung in Berlin. Man findet dort die tägliche Weltpresse ebenso wie
Leute ›von Welt‹ (oder solche, die sich dafür halten): ›Monde‹ &
›Demi-Monde‹ reichlich, glücklich vereint. Dort auch sitzt
der Flaneur, trifft sich mit Leuten, mit denen er beruflich zu tun hat,
liest Zeitung, sieht schönen Frauen nach, unterhält sich über
Ausstellungen, Theater etc. Die Kolumne von Steffen Dietzsch, Bannkreis, versammelt - in loser Folge - die Resultate seines Flanierens: kleine Glossen, Artikel zur Sache.
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16.01.2007 |
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…überraschte mich beim gelegentlichen Blick auf den derzeitigen Verlauf des Aufstands der Anständigen eine ihrer momentanen Frontbegradigungen: mit der rhetorisch-strategischen Frage Dürfen wir über Hitler u. Co. lachen wurden defätistische Kombattanten wie Charlie Chaplin, Lubitsch, ›Arturo Ui‹, Schlingensief, Karmakar, Radu Mihaileanu (Zug des Lebens) oder Roberto Benigni in die Etappe zurückversetzt. - Nun, der Ausfall mit Dani Levys Mein Führer brachte leider auch keine nennenswerte Klärung im Gerangel um dessen ›wirklich wahrste Wahrheit‹. |
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Wissenschaft und Öffentlichkeit |
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23.12.2006 |
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wurde ich wieder einmal mit allzubekannten Szenen aus der ›Vernunftehe‹ zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit erschreckt, deren Verkehrswert sich nur deshalb weiter fortschreibt, weil diese Mésalliance sowohl den Gang zur Eheberatung als auch zum Scheidungsanwalt scheut. - Es ging diesmal um den global raunenden Streit um das Phänomen des Klimawandels. |
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14.11.2006 |

...schwenkte Magda, eine Kommilitonin aus Warschau, mit der neuesten Ausgabe der Gazeta Wyborcza auf meinen Platz zu. Ob ich den Typ hier kennen würde, fragte sie mich und zeigte auf das Bild einer Statue. Der ›Mann aus Marmor‹ war Roman Dmowski (1864-1939) und er steht seit kurzem an einem markanten Platz in Warschau, an der Aleje Szucha. Kein guter Tag für Europas Erinnerungskultur, meinte Magda. - Dmowski propagierte seit 1903 - in den Gedanken eines modernen Polen - die fundamentalistische Idee eines ›nationalen Egoismus‹ (Egoizm narodowy), der rassisch begründet wird, nämlich dass die Polen einer allen anderen überlegenen (ups, das kommt uns bekannt vor…) arischen Rasse der (iranischen) Sarmaten angehören! |
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Demographischer Materialismus? |
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31.10.2006 |
 ...es war wohl noch Ramadan, am Abend saß eine lustige palästinensische Familiengesellschaft am Nachbartisch, alle ganz westlich gekleidet, in bester Stimmung, die Geschwister kringelten sich vor Lachen, mein Blick blieb aber an zwei nachdenklichen Bübchen hängen und ich dachte an Gunnar Heinsohns neue Theorie von der Geburt des Terrorismus aus der Not der Nachgeborenen… |
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