Steffen Dietzsch ist Professor für Philosophie und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität Berlin. Er ist Direktor des Kondylis-Instituts für Kulturanalyse und Alterationsforschung (Kondiaf). Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Kantforschung und -biographik, Philosophie des Deutschen Idealismus und europäische Nietzsche-Rezeption.


Bannkreis: Neulich im Einstein...

Das Einstein in der Kurfürstenstraße - mit Dependancen ›Unter den Linden‹ und in der Friedrichstraße - ist das schönste und legendärste Caféhaus Wiener Prägung in Berlin. Man findet dort die tägliche Weltpresse ebenso wie Leute ›von Welt‹ (oder solche, die sich dafür halten): ›Monde‹ & ›Demi-Monde‹ reichlich, glücklich vereint.

Dort auch sitzt der Flaneur, trifft sich mit Leuten, mit denen er beruflich zu tun hat, liest Zeitung, sieht schönen Frauen nach, unterhält sich über Ausstellungen, Theater etc. Die Kolumne von Steffen Dietzsch, Bannkreis, versammelt - in loser Folge - die Resultate seines Flanierens: kleine Glossen, Artikel zur Sache.



Bannkreis (9) Gott würfelt nicht... hält er die Bank? PDF Drucken E-Mail
28.07.2007

 Dietzsch, Einstein

…las ich wieder einmal von den alt-neuesten Versuchen, dem Alten Testament diesseits der Grenzen bloßer Vernunft ersatzweise Raum zu verschaffen. Das Toleranzgebot der Vernunft sei doch zuallererst auf sie selber anzuwenden, hört man Bischöfe und Minister sagen. Das gab die Gelegenheit, mir über mein Königsberger Credo klarzuwerden.

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Geist aus der Sodafabrik PDF Drucken E-Mail
24.05.2007

Dietzsch,  Einstein

...genauer bei Einstein Bros. in Boulder, Colorado, allerdings ohne meinen roten Portwein – und überhaupt without any alcohol! – an diesem Vormittag, las ich vom Ableben Jerry Falwell’s am 15. Mai. Er verkörperte sozusagen den ›ideellen Gesamtpfingstler‹, die höchste Autorität charismatischer Protestanten, Evangelikaler und Fundamentalisten in den USA. Allerdings gar kein versponnener Träumer, war er »the unofficial guardian of the Bush family’s religious-right flank«, wie Newsweek in ihrer jüngsten Ausgabe schrieb.

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Sieger im Baltikum und in Bronze PDF Drucken E-Mail
12.05.2007

Dietzsch, Einstein

...war auf den Titelblättern der Gazetten überall ›Serjosha‹ zu sehen, ein ernster junger Mann, der Blick gesenkt, ein Soldat, die Flinte auf dem Rücken, Helm in der Hand, kein strahlender Held, beherrscht, aber kein Herrscher, kein Auftrumpfer, eher mitleidend, ein Trauernder. Aber offensichtlich Trauer am falschen Ort. Denn ›Serjosha‹ trauert weitab von seiner Heimat. Im Baltikum nämlich, dort, wo eben seine Freunde fielen. Er und seine Freunde hatten damals gesiegt und Sieger neigen dazu, diesen Moment festzuhalten, mit einem zeitüberdauernden Symbol, einem Denkmal. Und der junge Mann ist ganz aus Bronze. Sieger richten Denkmale auf und zerstören Denkmale. Denn sie hinterlassen Besiegte, denen sie diesen Umstand dauerhaft vor Augen führen wollen.

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Der Patriotismus der Anderen PDF Drucken E-Mail
02.03.2007

 neulich im Einstein

...kamen wir mit Magda und einem Freund aus Warschau unvermittelt wieder einmal auf grundlegende Eigenschaften (und Unterschiede!) unserer beiden Völker zu sprechen. Aus eigenem Erleben musste ich ihnen eine national-bewegte Eigenart konzedieren, die uns jüngeren Deutschen augenscheinlich völlig fehlt: als bei einer akademischen Feier an einer polnischen Universität auch nur die ersten Takte des Dąbrowski-Liedes [Jesżcze Polska nie zginęla – Noch ist Polen nicht verloren] – von 1797! – anklangen, erhoben sich sofort alle im Saal und sangen ihre Hymne mit.

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