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Sanjosé: Krähen, Sayer: Den Tag (Willms) |
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19.10.2007 |
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Gedichte, Gewalt
| Axel Sanjosé: Gelegentlich Krähen, Weilerswist (Landpresse) 2004, 80 S. |
von Ralf Willms I. In den Gedichten Axel Sanjosés kommen immer wieder Spuren extremer Gewalt zum Vorschein, nicht selten recht unverhüllt, so wie in diesem titellosen Gedicht (S. 51): »Es war in den letzten Ritzen der Sprache, / ein Unzeichen [...] / Man fand Worte, es nicht mehr zu nennen, / Satzfetzen, man fand Zitate, Zwang und Zärtlichkeit, / sagte Unsagbares, lallte Unlallbares, / riss die Eingeweide mit bloßer Hand aus dem Rücken [...] gab Kindern Draht, sich Nabel zu bohren, / teilte Spinnen aus und Splitter / zu gurgeln, zu gurgeln.« Die Gewalt, die einerseits bis in die »letzten Ritzen der Sprache« dringt, und andererseits nicht mehr genannt wird, erscheint, wie man weiß, stets in immer neuen und alten Gewändern: »Das Spiel geht weiter / mit verbesserten Steinäxten / und Blut unter dem Augenlid, / den Kindern vorsorglich eingeträufelt.« Die Kinder jeder weiteren Generation, denen die Gewalt »vorsorglich eingeträufelt« wird, kommen dann – determiniert – nicht umhin, mit ihr zu kollidieren und entsprechende Funde zu machen (»Im Abendlicht schimmert durchs Gebüsch / die letzte Bierdose / des Mongolenfürsten.«). Das Einzige, was vom Kontext solcher Funde oft noch spürbar ist, ist die Gewalt, die von ihm ausgeht. |
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von Matt: Intrige (Stumpf) |
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06.10.2007 |
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Das Intrigenmodell als dramaturgisches Konzept
| Peter von Matt: Die Intrige. Theorie und Praxis der Hinterlist, München (Hanser) 2006, 504 S. |
von Reinhold Stumpf Peter von Matt, Literaturprofessor im Unruhestand, wie er in einem Interview unmittelbar nach seiner Emeritierung genannt wurde, ist ein eloquenter Kenner der Weltliteratur und als ›professioneller‹ Intellektueller einer gegenwärtig eher raren Spezies zuzuordnen. Seine Bücher erreichen für literaturwissenschaftliche Werke vergleichsweise hohe Auflagen, was wohl damit zusammenhängt, dass er scheinbar mühelos höchsten wissenschaftlichen Anspruch und enzyklopädisches Wissen gut verständlich und reichlich unterhaltsam aufbereiten kann. Seine thematisch fokussierten Streifzüge durch die Geschichte der Weltliteratur lesen sich dabei streckenweise selbst wie abenteuerliche Geschichten, deren Lehrgehalt versierte Literaturwissenschafter ebenso zufrieden stellt wie interessierte Leser. Ein ungeheures Interesse an Literatur muss allerdings vorausgesetzt werden, da dieser Reichtum an Wissen sonst nicht fruchtbringend verarbeitet werden kann. |
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Kühn: Ästhetische Existenz heute (Büsching) |
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04.10.2007 |
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›Ur-sprungs-denken‹
| Rolf Kühn: Ästhetische Existenz heute. Zum Verhältnis von Kunst und Leben, Freiburg/München (Karl Alber) 2007, 224 S. [Seele, Existenz und Leben, Bd. 4] |
von Jörg Büsching 1. Als Sören Kierkegaard 1843 im ersten Teil seines monumentalen Werkes Entweder-Oder den Ästhetiker A mit seinen fragmenthaften Hinterlassenschaften – Aphorismen, ästhetischen Abhandlungen, die »begeisterte« Ansprache Der Unglücklichste, an eine rätselhafte Geheimgesellschaft namens »Symparanecromenoi« gerichtet, sowie das Tagebuch des Verführers (das später auch als eigenständiges Buch zu Weltruhm gelangte) – zu Wort kommen ließ, schuf er damit eine Figur, in der die prominentesten philosophisch-ästhetischen Richtungen seiner Zeit zu einer widersprüchlichen Einheit fanden: des Idealismus, insbesondere in der dialektischen und geschichtsphilosophischen Ausprägung, die Hegel ihm verliehen hatte, und des romantischen Anspruchs, mittels Reflexion über Gefühl und Wahrnehmung zu einer ›unmittelbaren Einheit‹ zwischen Ich und Welt zurückzufinden, die durch die Freiheitsphilosophie der Aufklärung ›preisgegeben‹ worden war, um, wie Hans Blumenberg (Die Genesis der kopernikanischen Welt) es ausgedrückt hat, »Sichtbarkeit durch Denkbarkeit zu ersetzen«. |
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Habermas/Ratzinger: Säkularisierung (Arnswald) |
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02.10.2007 |
| Jürgen Habermas/Joseph Ratzinger: Dialektik der Säkularisierung. Über Vernunft und Religion, mit einem Vorwort hrsg. v. Florian Schuller, Freiburg/Breisgau (Herder), 7. Aufl. 2007, 64 S. |
von Ulrich Arnswald Dieses Buch dokumentiert das Zusammentreffen eines der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart, Jürgen Habermas, und des damaligen Präfekten der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, des heutigen Papstes Benedikt XVI. Das Gespräch mit dem Titel Vorpolitische moralische Grundlagen eines freiheitlichen Staates befasste sich mit den Grundlagen unserer säkularen, westlichen Gesellschaft, die der Kardinal in Überlegungen zur Struktur des interreligiösen, weltweiten Dialogs weitergeführt hat. |
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Spicker: Der deutsche Aphorismus (Knoell) |
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22.08.2007 |
| Friedemann Spicker: Der deutsche Aphorismus im 20. Jahrhundert. Spiel, Bild, Erkenntnis, Tübingen (Max Niemeyer Verlag) 2004, 1000 S.
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von Dieter Rudolf Knoell Mit seinem exakt 1000 Seiten umfassenden Buch über den deutschsprachigen Aphorismus im 20. Jahrhundert legt Friedemann Spicker ein wahrhaft schwergewichtiges Opus vor. Immerhin wiegt es 1590 g (vorausgesetzt, meine Küchenwaage ist zur Zeit einigermaßen präzis). Es handelt sich also zumindest insofern um ein gefährliches Buch, als man mit ihm ohne größere Anstrengung jemanden erschlagen könnte. Jedoch geht seine Gefährlichkeit weit über dieses in ihm steckende Potential hinaus. Spickers voluminöse Studie erinnert nämlich an Vergessenes und Verdrängtes, an Ausgegrenztes und Ausgeschlossenes. |
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Mahnkopf: Theorie der Musik (Higasi) |
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11.05.2007 |
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Neue Musik, messianisch, kritisch
| Claus-Steffen Mahnkopf: Kritische Theorie der Musik, Weilerswist (Velbrück Wissenschaft) 2006, 294 S. |
von Frank HigasiEs wäre »bequem – so Ernst Křenek zum Abschluss seiner zuerst 1937 erschienenen Vorlesungen Über neue Musik – sich mit der Feststellung zu begnügen, daß schlechte Wirtschaftslage und Widerwille maßgebender Faktoren die Verbreitung der neuen Musik behindern. Es steckt in ihr selbst, in ihrem Non-Konformismus und Extremismus, ein entsprechender Anteil an Schuld und Seltenheit ihres Erklingens.« Nicht, dass Křenek einer bloß selbstverschuldeten Isolation der neuen Musik, in die sie bereits damals zurecht geraten sei, das Wort geredet habe und somit der Rat zu ihrer Verbreitung bzw. angemessenen Wahrnehmung geradewegs auf Popularisierung und Anschmiegung an die musikalischen Wünsche eines Publikums, das von vornherein Musik als Konfekt und Konfetti sich zurichtet bzw. zubereitet wünscht, lautete. Non-Konformismus wie Extremismus – wie groß immer der Anteil persönlicher Disposition und Laune der Komponisten an ihnen sein mag – ist am Material selbst aufzuweisen, so zwar, dass das in ihm kulturelle und gesellschaftliche Eingelassene als formkonstitutiv erkannt ist und, wenn schon, als Vehikel kompositorischer Aufgaben qualifiziert. Die Seltenheit ihres Erklingens geschweige ihres Verständnisses wird die neue Musik durch ihre Reduktion auf das Gewohnte und Selbstverständliche zwar einkaufen können, aber nicht dürfen, so lange der ›Weg des Denkens‹, wie Křenek anbietet, möglich ist. Wo dieses Öffentlichkeit betrifft, stellt sich leicht Streit ein: Der Wille zur Wirkung stößt auf Widerstände; ob sie aber womöglich in ein Konzept des ›Neuen‹ zu integrieren sind, setzt voraus, dass sie bekannt werden. |
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