Besprechungen
Nelson: Rote Kapelle (Holler) PDF Drucken E-Mail
28.06.2010
Anne Nelson, Die Rote Kapelle, Die Geschichte der legendären Widerstandsgruppe. Aus dem amerikanischen Englisch von Michael Müller, München (C. Bertelsmann) 2010, 510 Seiten

Der von den Nazis »Rote Kapelle« genannte Widerstandskreis war eine Vereinigung lose miteinander verbundener Freundeskreise von NS-Gegnern in Berlin, die zwischen 1933 und 1942 Widerstandsaktionen unterschiedlicher Art durchführten, und gehörte zu den bedeutendsten und größten deutschen Widerstandsorganisationen überhaupt. Führende Mitglieder waren der Luftwaffenoffizier Harro Schulze-Boysen und der Wirtschaftswissenschaftler Arvid Harnack, nach denen die Gruppe, die sich selbst keinen Namen gegeben hatte, auch »Schulze-Boysen/Harnack-Organisation« genannt wurde. Ihre spektakulärste Aktivität waren die Kontakte nach Moskau...

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Charmley; Britisches Empire (Ammon) PDF Drucken E-Mail
14.06.2010
Ein alter Tory als Mythenzertrümmerer

John Charmley: Der Untergang des Britischen Empires. Roosevelt – Churchill und Amerikas Weg zu Weltmacht, Graz (Ares Verlag) 2005, 472 Seiten

von Herbert Ammon

Gegenüber dem vorherrschenden Geschichtsbild, in dem Winston Churchill als entschlossener Widerpart Hitlers, als unerschütterlicher Kriegsheros, als illusionsloser Gegenspieler Stalins sowie als Wegbereiter Europas hervortritt, hat sich John Charmley, Historiker an der University of East Anglia, mit seiner Biographie Churchill: The End of Glory (1993) einen – nicht unangefochtenen – Namen als Mythenzertrümmerer gemacht...

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Brandt: Edelbert Richter PDF Drucken E-Mail
23.04.2010
Orientierungshilfe

Edelbert Richter: die Linke im Epochenumbruch. Eine historische Ortsbestimmung, Hamburg (VSA-Verlag) 2009, 304 Seiten

von Peter Brandt

Edelbert Richter ist ein bemerkenswerter Mann. Ich kenne ihn seit den späten 80er Jahren (schon davor war er mir ein Begriff) und stehe seit den mittleren 90er Jahren mit ihm in regelmäßigem Diskussionskontakt. Promovierter Theologe aus Thüringen, entsprechend geisteswissenschaftlich gebildet und geübt in der Textinterpretation, in der Honecker-Ära Oppositioneller demokratisch-sozialistischer Ausrichtung mit besonderem Gespür für die potentielle Brisanz der offenen ›deutschen Frage‹...

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Caldwell: Immigration (Anderson) PDF Drucken E-Mail
07.02.2010
Auf dem Weg nach Eurabia?

Christopher Caldwell: Reflections on the Revolution in Europe. Immigration and the West, London (Penguin) 2009, 384 Seiten

von Perry Anderson

Unter den heutigen US-amerikanischen Journalisten ist Christopher Caldwell, um einen russischen Ausdruck zu gebrauchen, eine weiße Krähe. Nicht nur seine kulturelle Reichweite ist wahrscheinlich ohne Gleichen – mehr als nur flüssig in den großen europäischen Sprachen ist er auch mit dem vertraut, was in ihnen geschrieben wird. Aber auch in Bezug auf seine Intelligenz unterscheidet er sich von den meisten Reportern und Kommentatoren. Auch wenn sein Hintergrund literarisch ist, ist es ein philosophischer Zug seines Geistes, der seine Arbeiten von denen seines Gleichen unterscheidet. Was sein Interesse normalerweise findet, sind Dilemmata – begriffliche, moralische, soziale –, die in Standarddiskursen dominierender oder marginaler Tagesfragen entweder verdunkelt oder übergangen werden. Seine diesbezüglichen Schlussfolgerungen sind fast immer, so oder so, beunruhigend und verstörend. Die Kolumnen dieses leitenden Redakteurs des Weekly Standard, dem Flaggschiff des US-amerikanischen Neokonservatismus, und seine Kolumnen in der Financial Times lassen einen Großteil der liberalen Meinungsmache als jenen eintönigen Einheitsbrei erkennen, der er auch zu häufig ist...

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Dietzsch/Solbach: Paul Mersmann (Zeh) PDF Drucken E-Mail
28.09.2009
 Meister des Ungesehenen

Steffen Dietzsch/Renate Solbach (Hg.): Paul Mersmann – Diffusion der Moderne. Heidelberg (Manutius) 2008, 207 Seiten


von Herbert Zeh

Wer sich heute dem Werk des Malers Paul Mersmann nähert, sieht sich auf zwei Werkphasen verwiesen: eine erste um 1960, in der die surrealistische Herkunft und die Schule des Sehens, die für den Künstler die italienischen Manieristen bedeuteten, sich zu Bildern von großer Kraft und psychischer Eindringlichkeit verbinden, und eine zweite in den Achtzigern, die vor allem in den ersten Jahren des Jahrzehnts Meisterwerke hervorbringt, deren physische und intellektuelle Leuchtkraft auch heute ungebrochen...

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Anderson: Türkei (Jünke) PDF Drucken E-Mail
24.07.2009
Kulturkampf in der Türkei?

Perry Anderson: Nach Atatürk. Die Türken, ihr Staat und Europa, Berlin (Berenberg Verlag) 2009, 184 Seiten

von Christoph Jünke

Von türkischen Turbulenzen sprechen politische Kommentatoren und Analysten, von einem sich zuspitzenden Kulturkampf am Bosporus, und was wir gelegentlich über die Nachrichtenticker wahrzunehmen vermögen, klingt schon recht kurios. So erklärte das türkische Verfassungsgericht 2007 die türkische Regierungspartei AKP für verfassungswidrig und scheiterte nur knapp damit, sie deswegen verbieten zu lassen. Die gemäßigt islamische AKP wiederum setzte auf parlamentarischem Wege einen Verfassungszusatz in Kraft, der es türkischen Frauen ›ermöglicht‹, mit Kopftuch zu studieren, was daraufhin von den kemalistischen Verfassungswächtern wiederum für null und nichtig erklärt wurde.

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