Vorrede zum Alphazet

Das denkbare Maß dieser Fingerübungen sind die Möglichkeiten des Alphabets und die sind beträchtlich. Die Fülle dessen, was nachdrängt, überflügelt den Stand des Erreichten und lässt ihn größer erscheinen. Das Alphazet oder das allen Zugriffen entrückte Buch: so ließe sich eine Schreibabsicht umreißen, die von Umriss zu Umriss fortläuft, als liefe sie vor sich selbst davon. Was nicht so falsch ist. Wäre es anders, so ließe sich die Erfassung der Welt nur als Verrücktheit erklären – ein nicht ganz richtiger Ansatz, dem die Wirklichkeit der Lexika und ›Enzyklopädien‹ entgegensteht. Nicht sie allein: alles Geschriebene kann nur als Teil jenes Programms verstanden werden. Warum das so ist? Die Kenntnis der Welt mag beschränkt sein, aber sie lässt sich nicht beschränken, an allen Rändern geht sie über sich selbst hinaus. Schreiben ist Weiterschreiben. Der Mut dessen, der einmal mit dem Schreiben anfing, erscheint unfassbar. Nicht nur der Mut, auch das Erschrecken darüber, dass Schreiben nur im Weiterschreiben den kostbaren Denkstoff Sinn absondert, nach dem alle Welt hungert.
Daraus zu schließen, es sei immer die Gesamtheit der Schreibenden, die schreibt, sobald einer den Griffel rührt oder in die Tasten greift, banalisiert das Thema und schafft Verwirrung. In dieser Hinsicht berührt das Unternehmen ›Wikipedia‹ eine bizarre Grenze. Ein anonymer Schreiber, dessen Text durch seine Nachfolger ausgelöscht wird, während er noch schreibt: was ist das? Ein Soldat im Stellungskrieg, der tötet, um zeitversetzt an gleicher Stelle zu fallen? Ein sinnloses Opfer an Lebenszeit, die besser an Geld, Reputation und Fortkommen verwendet wäre? Aus der Distanz des Lesers jedenfalls ist der einzelne Anteil gleichgültig und vielleicht nicht einmal das. Er trägt einen Makel, denn er ist nicht reell. Erst wenn er, möglichst mehrfach, vollständig überschrieben wurde, bekommt er jene revisionsgesättigte Gültigkeit, die das Medium fordert. Überall, wo ein Verfasser erkennbar, sichtbar, fühlbar bleibt, wurde in der Sache zu wenig getan – oder zu viel. Ein Verfasser, der seine Identität nicht preisgibt, ist immer ein Ärgernis. Schließlich gibt es ihn und er hinterlässt seine Spuren. Diejenigen, die sie auslöschen, hinterlassen andere, schwerer zu identifizierende, anonymere: Abdrücke, die mehr und mehr denen eines Kollektivs ähneln oder einer Meute. Über kurz oder lang sind sie das Ärgernis und ihre Darstellung wird kassiert oder die Menschen wenden sich wortlos von ihr ab.
Wer schreibt, hinterlässt Spuren. Er ist der Einzelne, der wahrgenommen wird, ob als Person mit einer Biographie, mag dahingestellt sein. Wichtig ist es nicht, da der Text an seine Stelle getreten ist. Die Spur des Einzelnen in den Lineamenten des Sinns, die sich an jeder Stelle zum Welt-Sinn zusammenschließen (oder ihn fest umschließen, um ihn nicht preiszugeben) findet sich vielleicht am überzeugendsten in den Artikeln eines Lexikons. Jedes Hintereinander ist hier ein Nebeneinander, im historischen wie im hierarchischen Sinn. Es gilt auch in der Sache, da die lexikalische Ordnung, gleich welcher Art, die Sinn-Suggestion, die in der Folge liegt, nur als Unsinn zulässt. Der Einzelne ›findet sich‹ also in diesem wie in jenem Artikel, die Frage, ob er sich ›ganz‹ darin finde, entbehrt aller Bedeutung und ist daher nicht zugelassen. Einzelner und Einfall gehen hier eine Symbiose ein, die durch keine konstruktive Andacht gestört und gelähmt wird. Auch durch keine destruktive: ein destruktiver Artikel, ein Artikel ohne Artikel, selbst seine Negation, ist nichts weiter als ein Artikel. Was das Individuum erfährt, wenn es ›ich‹ sagt, kann es an ihm ohne weiteres ablesen. Ein Artikel hält sich nicht damit auf, seinen Gegenstand forschend zu konstituieren, also als Wechsel auf künftiges Wissen. Er ›gibt‹ diesen Gegenstand und er gibt ihn ganz. Wer liest, bekommt einen Artikel und ein Stück Welt-Sinn, beide komplett.
In gewisser Weise verwandelt das Netz, das nach und nach alles Geschriebene umfasst, es sei denn, es würde mit Vorsatz herausgehalten oder unwiederbringlich gelöscht, sämtliche Formen und Formate des Schreibens in ›Artikel‹, macht sie, gemäß den abgründigen Verfahren der Suchmaschinen, neben- wie hintereinander auffind- und nachschlagbar, lässt sie gleichförmiger erscheinen, als sie vielleicht zur Zeit und am Ort ihrer Entstehung gedacht waren. Ein und dieselbe Wahrnehmungsweise geht über sie hin, nicht so gleichförmig, wie ihre Verächter über sie reden, nicht so ausgefächert, wie sie Autoren gern hätten, die von sich behaupten, auf unterschiedlichen Planeten zu existieren. Sie lebt davon, auf und davon zu sein, sobald der Kitzel der einzelnen Lektüre nachlässt. Die spaßige Idee, man könne das Auf-und-Davonsein durch ausgeklügelte Verknüpfungssysteme einfangen, wurde gleich am Anfang der Netz-Ära durch das reale Verhalten der Leser kassiert. Insofern stellt auch das alphabetische Nacheinander einen Anachronismus dar, eine Formfassade, hinter der gleichmütig die Suchmaschine Dienst tut. Man könnte es eine Demutsgeste nennen, eine Huldigung an die Zeichen des Alphabets, wissend, dass es in Konkurrenz zu anderen Zeichensystemen steht, vorhandene und denkbare, die ohne weiteres ihre Stelle einnehmen könnten, einen Regionalismus, wie ihn auch die für den Schreiber unabweisbare Wahl einer Sprache bezeugt.
Nicht länger also ist das Lexikon die umfassende Form, als die es das Licht der Welt erblickte und über so lange Zeit existierte. Es ist ein Spiel geworden, ein Spiel mit Worten, ein Spiel mit obsoletem Ordnungsanspruch, einer obsoleten Sprache und einem komischen Zeigegestus, der nicht parodiert werden kann, weil er nur als Parodie überlebt hat. Doch nicht alles ist Parodie, was sich einer parodistischen Sprache bedient. Die Parodie selbst beruht auf solchen Übergängen. Alles nur Parodistische hat eine Tendenz zum Fürchterlichen. So gleichen auch die seltsamen, spielerisch erzeugten Wörter der Sprache eher Wissensverdichtungen, von denen der Witz ebenso zehrt wie die Analyse. Kein Auswahlgremium hat sie gebilligt, kein Vollständigkeitsanspruch hat sie berührt, es sei denn merkwürdig. Vielmehr geht die Berührung von ihnen selbst aus, nach dem Motto: erst der Autor, dann die Leser. Die Frage ist also, wozu sie sich fügen.
Hier kommt man ohne einen Begriff nicht aus, der, obzwar allen geläufig, selten gebraucht wird: den des ›Weltverhältnisses‹. Wer in Taten, Worten und Bildern nur seine Welt zum Ausdruck bringen möchte, wozu Designer und Therapeuten in schöner Eintracht raten, der ist rasch am Ende, weil nur Besessene eine Welt ihr eigen nennen. Der urteilsfähige Rest muss sich damit abgeben, sein Verhältnis zur Welt zu bestimmen, es sei denn, er verzichtet darauf aus unerfindlichen Gründen. Wie soll das gehen, wenn ›Welt‹ als Grenzbegriff auf einer nach oben offenen Skala der Überraschungen fungiert? Das zum Alphazet mutierte Lexikon gibt darauf Antwort. Jeder weitere Eintrag verändert es, ohne es zu verändern. Kein Eintrag bringt es einer Vollständigkeit näher, deren Fiktion über allen schwebt. Kein Eintrag ist ›Ertrag‹, der eine Lücke füllt. Jeder Eintrag ein Vorschlag zur Form: so könnte man es heute sagen, so könnte man es machen. Jeder Eintrag parodiert eine denkbare Parodie und eröffnet damit einen Merkraum zwischen Parodie und Nicht-Parodie, in dem jenes ›Weltverhältnis‹ vernehmbar wird, das sich der direkten Bestimmung verweigert. Jeder Eintrag? Aber sicher, welcher sonst! Doch jeder...? Nun denn: jeder zwischen seinesgleichen. Warum nicht Eulen nach Athen tragen? Dort sitzen schon andere und freuen sich. Vielleicht auch nicht, darüber zu befinden ist schwer.
Das Alphazet
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Yagir
Z

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Suitbert Oberreiter: Vom Alphazet

Und noch vor zehn (!) Minuten, nach ein paar Schlucken warmen Wassers, das ich nach dem Aufstehen in der Früh brauche, dachte ich an nichts anderes, als dass ich Ihnen schreibe, wie ich gestern [...] das Mersmann-Schödlbauersche Alphazet, heruntergeladen und geöffnet habe [...]. Und da habe ich nicht umhin können, mir vorzustellen, wie diese doch brodelnde Gedankenküche ihre Existenz behaupten muss – gegenüber der geradezu scheußlichen Weltrealität, die wir da täglich einatmen. Es sind ja unheimliche Wortbildungen da drin – und Vorstellungen, die richtiggehend einer anderen »Gegen«-Sphäre entspringen und in diesem tellurischen Geistes-Entwurf fortan kreisen müssen. Kompliziert wie eine der berühmten astronomischen Uhren, die nicht mehr repariert werden können, weil uns das Zeug dazu fehlt. Eine Notwendigkeit, also. Eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Was bleibt mir noch gegen die ubiquitäre Wallstreet und die Thatcherische Ausdünnung aller Meistersingerischen Substanz unserer Berufe und noch erhalten gebliebenen Lebensweisen? Das Alphazet – ich kenne es noch zuwenig, verspreche mir jedoch viel davon – könnte wohl, wenn nicht etwas von unserer verlorenen »Ursprünglichkeit« zurückgeben, so uns doch zeigen, wohin einmal der Weg ging, der nun verwüstet ist.