Die Paare
Post Scriptum
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Durchforste ich mein Gedächtnis, so kann ich noch immer nicht finden, dass sich der Abend von früheren wesentlich unterschied. Rennertz wirkte, soweit seine Konstitution einen solchen Eindruck zuließ, gelassen – entspannt wie nach konzentrierter Arbeit, mit einem Schuss Müdigkeit, der sich im Gespräch bald verflüchtigte. Das Essen war gut, etwas reichhaltig, wie ich mich erinnere, wir unterhielten uns angeregt, von der Unterhaltung selbst ist mir kaum ein Wort geblieben. Ich sollte erwähnen, dass Rennertz und ich bis auf eine Ausnahme keine gemeinsamen Bekannten besaßen, dadurch erübrigte sich dieses Thema. Jeder von uns hätte es für unangemessen gehalten, seine privaten Verhältnisse vor dem anderen auszubreiten oder sich in den entsprechenden Andeutungen zu ergehen. Wir sprachen über Politik, über Wirtschaft, über die sichtbaren und unsichtbaren Fäden, die diese beiden Bereiche verbinden. Das war Rennertz’ Revier und er dominierte: ungeheuer kenntnisreich, mit einem spielerisch anmutenden Willen zu abseitigen Erwägungen, in deren Verlauf es ihn wenig kostete, eine soeben erst geäußerte Ansicht ironisch zu überblenden und ins Absurde abgleiten zu lassen, ohne dass der beharrliche Ernst seiner Argumentation darunter merklich gelitten hätte.

Was er sagte, faszinierte mich, und wie er es sagte, auch. Mein Wille, dagegen zu halten – den er wie selbstverständlich verlangte –, litt darunter, wenngleich nicht sehr. An diesem Tag – ich hoffe, es war an diesem und nicht an irgendeinem früheren – überraschte mich Rennertz (oder auch nicht, das ist von heute aus schwer zu entscheiden) durch ein paar hingestreute Bemerkungen über den Beruf des Schriftstellers, in denen er einen Ton anschlug, den ich von ihm sonst nicht kannte. Genau genommen sprach er nicht über Schriftstellerei, sondern über den Markt für Literaturprodukte – ein Unterschied, den ich immer festgehalten habe.